Homo Magi 

Krankenhaus

31..07.2022

Lieber Salamander,

da war ich gestern für ein Vorgespräch in der Klinik. Ist nicht mein Lieblingsort, aber diese Einschätzung teile ich wohl mit vielen Menschen. Unter Pandemie-Bedingungen wird das noch ein wenig irrer.

Immerhin gelang es mir im Vorfeld herauszufinden, dass man als „Patient“ (und das war ich ja in dem Moment) keinen Corona-Test mitbringen muss, um reinzukommen. Der wird dann – was ich ein wenig unlogisch finde – vor dem Vorgespräch mit dem Arzt vor Ort in der Klinik durchgeführt. Aber immerhin könnte man hier noch eine innere Logik vermuten. Dass ich am Eingang meinen Impfstatus auf dem Mobiltelefon zeigen musste, aber keinen Ausweis, bleibt für mich wenig nachvollziehbar, wenn ich als Krankenhaus eine lückenlose Kontrolle verspreche.

Dann schickte man mich von Pontius zu Pilatus (darf man als Heide diesen Hinweis bringen?). Ich war eine halbe Stunde zu früh, die ich auch brauchte, weil man mit 27 Minuten immer in die falschen Räume schickte. Dabei lernte ich wenig zielführend eine Menge Leute kennen. Am Ende landete ich dann im 2. Raum auf der linken Seite – an dem ich gefühlt schon 17 Mal vorbeigeschickt worden war. Hier wurde ich dann etwas lauter, als die Sekretärin eine Überweisung verlangte. Der Termin war schon zwei Mal verschoben worden (einmal waren die Maschinen kaputt, einmal hatten alle Corona) und kein Mensch hatte je von einer Überweisung gesprochen. Jetzt, am vorletzten Tag der Sommerferien würde ich kaum in 48 Stunden eine Überweisung beibringen können. Man versprach Klärung mit dem Chefarzt, ich wartete wieder.

Die Klärung kam und entschied zu meinen Gunsten. Dann war das Labor dran. Blut Blut Blut, Corona-Test. Die Schwester verschwand auf der einen Seite aus dem Raum, dann verging die Zeit und im fensterlosen Verlies überlegte ich ruhig, wie sinnvoll es ist, mir erst einen Corona-Test abzunehmen und mich dann im Raum mit den ganzen sterilen Dingen alleine zu lassen. Ich hätte in aller Ruhe die Spritzen und Handschuhe vollniesen und ablecken können. Habe ich aber nicht.

Dann betrat die Sekretärin von der anderen Seite kommend den Raum. „Hat man Sie allein gelassen?“, fragte sie wenig einfallsreich. Ich antwortete: „Nein, ich habe die Schwester getötet und ihre Leiche im Stahlschrank versteckt.“

Der Termin zog sich noch ein wenig, denn danach wollte niemand mehr mit mir alleine sprechen. Eine löbliche Ausnahme machte der Oberarzt, der am Ende mit einem „Sie waren ja schon einmal bei mir“ andeutete, dass er sich an meinen letzten Besuch in seinem Haus erinnerte. Der war ähnlich. 

Fazit: Manchmal heißt Magie nur, Erinnerung beeinflussen, in dem man Markierungen setzt. Hat in diesem Falle geklappt.

Dein Homo Magi

 

 

 

 

 


 

 

 


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