Homo Magi 

Tod in Ekstase

05.08.2018

Hallo Salamander,

Da habe ich auf dem Grabbeltisch für 50 Cent „Tod in Ekstase“ von Ngaio Marsh erworben, weil mit das Cover (zwei ringbewehrte Hände, die einen Ring umschließen) hoffen ließen, hier einen okkulten Knaller zu finden. So war es auch.

Überall an den Wänden waren die Zeichen des Tierkreises angebracht, und in den Seitenschiffen standen hin und wieder äußerst bemerkenswert moderne Skulpturen. Sie waren in der Anlage alle abstrakt gehalten: aber man konnte in ihren gleitenden Konturen doch die Formen von Tieren und Vögeln erkennen – einen Löwen, einen Stier, eine Schlange, eine Katze und einen Phönix. Seite an Seite mit ihnen boten sich eine ganze Anzahl anderer Figuren dar, von denen Nigel annahm, es müsse sich um die robusten Gottheiten der nordischen Sage handeln. Die Götter trugen Helme und Bärte, die Göttinnen Helme und Stiefel. Alle miteinander sahen aus, als habe Epstein sie begonnen und ein wahnsinniger Maurer sie beendet. In der am nächsten stehenden dieser Figuren glaubte Nigel Odin wiederzuerkennen. Der Gott war in einen eckigen Mantel gehüllt, unter dessen Falten zwei verzweifelte Vierbeiner hervorsahen, die offenbar Geri und Freki vorstellen sollten; daneben spähten hinter einem Paar Beine, die deutlich an fortgeschrittener Elefantiasis litten, zwei tieftraurige Vögel zu Nigel herüber, vermutlich Hugin und Munin.[1]

Die Handlung ist gut, ein netter Krimi um einen Kult. Ab und an wird es dann ungewollt komisch, wenn es zu Dialogen wie dem Folgenden kommt:

„Was kann Miss Quayne denn so Schlimmes verbrochen haben?“

„Sie trachtete nach dem Verlöbnis Odins!“[2]

 

Großartiger Lesestoff. Das Original stammt von 1936 (!) und ist heute noch lesbar. Eine Empfehlung – „Sie trachtete nach dem Verlöbnis Odins!“ sollte Grund genug sein.

 

Ein paar Worte noch zur Verfasserin:

Edith Ngaio Marsh DBE (* 23. April 1895 in Merivale, Christchurch; † 18. Februar 1982 in Christchurch, Neuseeland) war eine neuseeländische Schriftstellerin, Schauspielerin und Theaterregisseurin.

Marsh gilt als eine der bedeutenderen Verfasserinnen der klassischen Detektivgeschichten, wie sie vor allem von britischen Autoren in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen verfasst wurden. Marsh schrieb zwischen 1934 und 1982 32 Detektivromane. Viele davon spielen im Theatermilieu, häufig drehen sie sich um Shakespeare’sche Dramen. Serienheld von Ngaio Marsh ist Roderick Alleyn, wie der Prototyp vieler englischer Autoren von adeliger Abstammung, zugleich aber Inspektor bei Scotland Yard. Die Mystery Writers of America (MWA) nominierten Marsh zwei Mal für den Edgar Allan Poe Award. 1978 erhielt Marsh die höchste Auszeichnung der MWA, den Grand Master Award für ihre Leistung für die Kriminalliteratur.[3]

Ich habe mir gleich noch einen Band bestellt … muss sein.

Viele Grüße und viel Spaß beim Lesen,

Dein Homo Magi


[1] S. 11 f.

[2] S. 37 f.

 

 

 

 

 


 

 

 


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