Homo Magi 

Fernsehen

09.09.2018

Lieber Salamander,

kürzlich habe ich mal wieder ein gutes Buch gelesen. Das verwunderliche ist aber, dass es kein Roman war, sondern ein Sachbuch. Ich spreche von „Out of the Wreckage“ von George Monbiot (London, New York, 2018). Ein aktuelles Sachbuch über den Stand der Welt.

Die längeren Episoden über politische Willensbildung und das Versagen der linken Kräfte in den letzten 50 Jahren erspare ich dir. Ich will nicht in das Horn blasen, das vor mir schon so viele selbsternannte Welterklärer an den Lippen gehabt haben. Wie gesagt: Monbiot ist gut, aber ich muss das hier inhaltlich nicht 1:1 wiedergeben.

Interessant fand ich seine Aussagen zum Thema Unterhaltung und Fernsehen. Als erstes führt er auf, wie sehr sich Unterhaltung in den letzten hundert Jahren verändert hat. Das gipfelt in der Feststellung:

„Entertainment can also alienate us from each other.“[1]

Das stimmt. Was früher Menschen zusammengebracht hat, trennt sie heute – wer unterhalten sein will, macht das vor dem Fernseher, und dort ist man oft allein oder mit der Nukleus-Familie allein, ganz anders als im Theater oder auf öffentlichen Plätzen.

Der zweite Schritt folgt dann bei Monbiot völlig logisch:

„Virtual neighbors replace real ones.“[2]

Und so ist es dann auch. Die Menschen in den Sendungen sind echt und wiederum nicht echt. Man lädt sich zum Aufräumen und Kochen in fremde Wohnungen ein, aber diese Verbindung ist nur einseitig. Daraus entstehen keine sozialen Bindungen, kein Austausch, keine gegenseitigen Lerneffekte.

Wir vereinzeln in der Menge.

Der Rest des Buches war gut. Aber alleine dafür hat es sich gelohnt, es zu lesen.

Dein Homo Magi

[1] S. 62

[2] S. 63

 

 

 

 

 


 

 

 


[

 


 

Kolumnen

vorherige

nächste

Mail an Homo Magi

Inhalt

Beiträge des Teams:

RezensionenMär & Satire
Essais
Sachartikel Nachrufe
Bücherbriefe
PR-Kolumnen
Lyrik

Forum