Homo Magi 

Leibnitz in Leipzig

21.10.2018

Hallo Salamander,

am 27./28.09. war ich in Leipzig auf einem Workshop des „Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa“ (GWZO[1]). Das ein wenig sperrige Thema der Gesamtveranstaltung war „Neo-völkische Geschichtsbilder in populären Vergangenheitsaneignungen im östlichen Europa. Neuheidentum – Reenactment – Musikszene.“ Damit lockt man die Massen nicht an, aber wer sich dafür interessiert, der weiß, was sich hinter diesem Rahmen verbirgt.

Thema meines eigenen Beitrags war „Verbindungen zwischen germanischem Heidentum, rechtsextremer Literatur und »Nerd«-Einflüssen wie Rollenspiel und phantastischer Literatur“. Wer mich kennt, der weiß, was ich da inhaltlich zu bieten habe. Sicherlich nicht nur Blödsinn ... aber ich verzichte darauf, hier meine Argumentationslinien erneut wiederzugeben. Wer Interesse hat: Man kann mich für Kindergeburtstage und Vorträge für kleines Geld buchen.

Insgesamt war die Veranstaltung durchwachsen. Es gab viele Rückblicke auf die Nationalromantik, deren erneutes Aufblühen nicht überraschend kommt.

In der Schlussdiskussion war ich der Einzige, der zum Diskurs mit der extremen Rechten aufgefordert hat. Man warf mir Blauäugigkeit vor. Ich glaube einfach, dass man keinen Menschen einfach so ausschließen darf, wenn man nicht zu dem werden will, was man bekämpft.

Einige Dinge sind mir in den Beiträgen klar geworden. Der Unterschied zwischen Rechts und Extrem Rechts verwischt immer mehr. Wie kann man Rechtsrock bekämpfen, wenn man den Rock meint, den Rechtsextreme hören? Die manchmal zu hörende krude Behauptung, Rechtsrock sei rassistisch und pagan bringt mich zu der Behauptung, dass Rechte (nicht Rechtsextreme!) in meiner Welt eher Helene Fischer hören, die alleine vom Namen her eher zu den christlichen Menschenfischern zieht, was die Frage erlaubt, ob Udo Jürgens mit „Griechischer Wein“ dann Trinker und Heide ist. Ich will hier die Musikanalyse nicht lächerlich machen, aber wenigstens sollte das Etikett stimmen, wenn man will, dass jemand aus der Flasche trinkt.

Und überhaupt ist die Unschärfe in der Auseinandersetzung mit dem Heidentum (Dialog ist es nicht, das würde verlangen, dass man spricht) nervig. Nein, Heidentum ist nicht gleich vorchristlich. Waren die Christen nicht in weiten Teilen Südeuropas und Mitteleuropas zeitlich vor den „Wikingern“ oder jenen, die wir heute „Asatru“ nennen würden? So, als hätten die Christen die aktuell existierenden heidnischen Religionen Europas um das Jahr 800 herum abgelöst. Die Heiden lebten dann im Untergrund, vegan, gleichberechtigt, sexuell tolerant und religiös brutal verfolgt, während das Christentum Umweltverschmutzung, Sexualfeindlichkeit, Krieg und Kindesmissbrauch eingeführt haben, bis der heidnische Widerstand … Quatsch.

Und ja: „Right“ ist nicht gleich „Right Wing“, egal, was „die Linke“ sagt.

Das Erschreckendste war: Der Mut fehlt an allen Ecken und Enden. Wir waren im Leipziger Elfenbeinturm der Forschung und sprachen über Dinge, die man von hier aus nur mit dem Fernrohr betrachtet, um sich nicht schmutzig zu machen. Ich glaube: Forschung ist anders. Aber damit stehe ich alleine, wenn ich mit dem Tropenhelm auf dem Kopf und der Strahlenkanone in der Hand die heranstürmenden marsianischen Bestien bekämpfe. Einer muss.

Zu Beginn meines Vortrags habe ich in Leipzig gesagt, dass einige meiner Freunde Rechte sind, aber keine Rechtsextremen. Heute würde ich zusätzlich sagen: Auch Rechte haben Rechte.

 

 

 

 

 


 

 

 


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