Homo Magi 

Sprachkorrekturen

08.12.2019

Hallo Salamander,

ich rege mich schon immer auf, wenn man Kinderbücher sprachlich anpasst, damit sie dem Zeitgeist genügen. Da verschwindet der „Negerkönig“ aus „Pippi Langstrumpf“, der Negerkuss ist schon lange aus den Regalen verbannt und „einen Türken bauen“ ist für die meisten Menschen heute unverständlich (wer darauf achtet, mag erkennen, dass auch diese sprachliche Wendung verschwunden ist).

Dann hatte ich aber die Gelegenheit, in einer Kantine in einem öffentlichen Gebäude Revanchismus pur zu bestellen: Königsberger Klopse. Das geht natürlich überhaupt nicht. Okay, die Kapernsoße war lecker und die Klopse mindestens befriedigend. Das hätte noch keinen Grund gegeben, mich aufzuregen.

Aber müssten die Klöpse nicht konsequent Kaliningrader Klopse heißen? Denn:

Kaliningrad (…), bis 1946 Königsberg) ist die Hauptstadt der Oblast Kaliningrad. Die vormals deutsche Stadt Königsberg wurde als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges unter dem Namen Kaliningrad, wie der gesamte Nordteil Ostpreußens (außer dem Memelland), Teil der Russischen Sowjetrepublik, der größten Unionsrepublik der Sowjetunion. Benannt wurde die Stadt nach dem ehemaligen sowjetischen Staatsoberhaupt Kalinin.[1]

Aber Korrekturen von Sprache sind ganz oft ein Werkzeug von Kontrolle in einer Welt, die mehr und mehr an Orwells „1984“ erinnert (nur, dass wir die Gedankenkontrolle freiwillig wählen).

Zurück zum Klops. Mag er Königsberger heißen, denn er war ein Klops aus Königsberg, als er erfunden wurde. Und schreibt in Pippis Bücher vielleicht vorne einen erklärenden Satz, aber lasst den Negerkönig drin – der gehört zur Zeitgeschichte wie der Klops.

 


 

 

 

 

 


 

 

 


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