Homo Magi 

Im Zeichen der Doppelaxt

01.03.2020

Hallo Salamander,

selten darf man eine Autorinnenbeschreibung lesen, die so einen tollen Absatz enthält:

Sie studierte Klassische Philologie an der University of California in Berkeley, wo sie 1933 mit dem Master abschloss und eine Mitgliedschaft bei Phi Beta Kappa erwarb. 1932 hatte sie den Schriftsteller und Kinderbuchautor Eric St. Clair geheiratet, den sie in Berkeley kennengelernt hatte. Von 1938 bis 1941 war sie Gärtnerin, betrieb eine Pflanzung mit seltenen Birnensorten in El Sobrante (St. Clair Rare Bulb Gardens) und züchtete Dackel. Seit 1945 war sie hauptberuflich Schriftstellerin.[1]

Ich kenne sonst niemand, der als Birnenzüchter gearbeitet hat.

Auf meiner Suchliste stand schon seit einiger Zeit ihr Buch „Sign of the Labrys“, gepriesen als früher Wicca-Roman. Das habe ich mir nicht aus den Fingern gesogen, das ist auch online klar hinterlegt:

Das Ehepaar unternahm Reisen, unter anderem nach China, und war sehr früh in Kontakt mit der neopaganen Wicca-Bewegung von Gerald Gardner, noch bevor diese durch Raymond und Rosemary Buckland in den USA Verbreitung fand. Chas S. Clifton und Terence E. Hanley führen das darauf zurück, dass zum einen St. Clair durch ihre klassische Bildung und ihre Kenntnis antiker Mythologie einen entsprechenden Hintergrund hatte und vermutlich Robert Graves’ 1948 erschienenes Buch The White Goddess: A Historical Grammar of Poetic Myth gelesen hatte, in dem Graves das Konzept eines keltisch-antiken Kultes der Göttin entwickelt, das dann von Gardner aufgenommen und zur Grundlage seines Wicca-Kultes gemacht wurde. Gardners Witchcraft Today war 1953 erschienen. Jedenfalls weist der 1963 erschienene Roman Sign of the Labrys bereits deutliche Bezüge zu Wicca auf.[2]

Sie schrieb ihre Bücher als „Idris Seabright“; ich würde mal vermuten, dass das ihr „Hexen-Name“ war. Darauf gibt es klare Hinweise:

„Idris Seabright“ was one of her pen names, and if she got „labrys“ from Graves's White Goddess, she cannot have missed his references to Idris, one of the Three Happy Astronomers of Britain, according to the Welsh triads, and to Cader Idris, a Welsh mountain with a stone „chair“ at its summit (…).”[3]

Sie gehörte zu den ersten Wiccas in Großbritannien:

Both St. Clairs were interested in magic and were, in effect, Neopagans before the term was in common use. Margaret’s background in Classics contributed largely to that fact; she would have read such scholars on Greek mythology as Jane Hamilton, who contributed a lot to the mythos of „ancient matriarchies. “ The St. Clairs had been in touch with Gerald Gardner circa 1962 (…).[4]

Alles interessant, aber die Geschichte des Neo-Paganen interessiert nicht mehr zu viele Leser. Schade.

Achja, das Buch „Sign of the Labrys“. Es hat Spaß gemacht, ein Eintauchen in die 60er-Welt von globaler Katastrophe, neuer Mystik und der Angst vor einer Kontrollinstanz, irgendwo zwischen „Großem Bruder“ und SA. Zwei nette Abende, viel Nachdenken danach – super Kombination.

 


 

 

 

 

 


 

 

 


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