Homo Magi 

Warum ich Post & Briefkästen cool finde

26.04.2020

Hallo Salamander,

meine Kindheit und Jugend waren nicht monsterhaft gruselig. Trotzdem waren sie schlimm genug.

Ich war halt Prä-Internet ein Science Fiction-Nerd ohne Außenkontakte. Bei „Netz“ dachte ich damals noch an Fischerei, wir hatten ein (!) Wählscheibentelefon im Haus, der Fernseher, auf den ich ab und an mal „Zugriff“ hatte, stand im Keller und war schwarzweiß. Wir schreiben die späten 70er, ich war 13 oder 14.

Dann entdeckte ich die Science Fiction-Fans (oder eher: Das Fandom entdeckte mich, aber das ist eine andere Geschichte). Und auf einmal wurde mein Leben bunt – im wahrsten Sinne des Wortes. Jeden Tag war ich neugierig auf die Post. Ich hatte gefühlt 20 Briefpartner, denen ich mit Schreibmaschine verfasste, lange Briefe schrieb. Dazu kamen die vielen Fanzines, die wir uns zuschickten, oder einfach nur Entwürfe für Kurzgeschichten. Tatsächlich nahm ich auch an mehreren „pbm“ teil, „play by mail“, Spiele, die man per Post spielte. Ich war beschäftigt.

Jahrelang ging mein ganzes Taschengeld für Briefmarken drauf. Ich war der König der Briefwaage (ich wusste genau, wie viele Blatt Papier man für wieviel Geld verschicken konnte – ja, ich habe z.T. mit leichterem Schreibmaschinenpapier gearbeitet, um Porto zu sparen).

Das alles hat mich durch die Pubertät gebracht. Die Briefe, die Brieffreundschaften, die Magazine. Und deswegen öffne ich heute noch gerne meinen Briefkasten und freue mich über Post. Einfach, weil ich dann weiß, dass alles gut wird.

Dein Homo Magi

 

 

 

 

 


 

 

 


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