Homo Magi 

Dinge, die man vom Virus lernen kann

20.12.2020

Hallo Salamander,

jede Lebenserfahrung ist auch ein Denkanstoß auf dem Weg zur Vervollkommnung. Also hat der Virus sicherlich auch einen Lerneffekt, den man ausnutzen kann.

Platz 1: Mut ist nicht jedem gegeben

Ich will nicht behaupten, dass alle Verordnungen sinnlos oder falsch waren. Aber ich sage auch nicht, dass alle richtig und weise waren. Man muss Mut zeigen, um trotzdem in Diskussionen und im tatsächlichen Leben darauf zurückzukommen, was einem wichtig ist: Menschen, die man mag, zu „berühren“ – und das meine ich hier nicht nur körperlich, sondern durch Postkarten, Geschenke, Anrufe oder einfach einen Besuch. Und Ausgangsbeschränkungen und Reisekontrollen führen nicht automatisch dazu, dass wir uns im III. Reich befinden – auch wenn manche gerne auf angebliche Parallelen hinweisen. Wenn das selbstbestimmte Leben bei höherem Risiko für Freidenker möglich war – warum schaffen wir das nicht?

Platz 2: Wir müssen unsere eigene Geschichte erzählen

Wenn der Virus nur im Kontext chinesischer Labors, Implantaten von Bill Gates und der geplanten Weltherrschaft von Kinder-Erbanlagen trinkenden Wesen diskutiert wird, dann ist die Magie raus.

Wir müssen daher die Geschichte so erzählen, wie sie im Kontext erzählt werden sollte. Wir werden alle sterben. Es gab immer Zeiten, in denen viele Menschen starben (und ja, man kann immer auf die Grippe nach dem Ersten Weltkrieg, vor ziemlich genau hundert Jahren, hinweisen). Aber wir haben Antworten auf Sinnfragen – Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir?

Platz 3: Wir geben keinen Fußbreit Boden zurück

Nur weil die Kirchen darauf verzichten, Gottesdienste abzuhalten, nur weil abendliche Messen wegen Ausgangssperren ausfallen, heißt das noch lange nicht, dass auch wir aufgeben müssen. Der Schutz von religiösen Veranstaltungen in den entsprechenden Verordnungen ist relativ gut – wir müssen nur die Chuzpe haben, immer wieder darauf hinzuweisen, dass wir auch eine Religion sind.

Und dann müssen wir unsere Angebote aufrechterhalten. Im Wald feiern, mit genügend Abstand und ohne ein kreisendes Horn. Gemeinsam opfern, aber nicht gleichzeitig. Und wir müssen unsere Erfolge immer kommunizieren – wozu haben wir die „sozialen Medien“, wenn wir nicht hier zeigen, dass wir da sind, dass das Licht in unseren Fenstern wirklich etwas bedeutet und nicht nur hohle Phrase ist.

Ganz ehrlich: Ich habe im Moment tiefste Bewunderung für jene christlichen Pfarrer und Priester, die trotz der allgemeinen Stimmung Gottesdienste abhalten. Es sind aber für eine angeblich bis in das Mark hinein christlich geprägte Gesellschaft viel zu wenige. Auch das ist eine Erkenntnis. 

Damit lasse ich dich jetzt hoffentlich nachdenklich zurück.

Dein Homo Magi

 

 

 

 

 


 

 

 


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