Homo Magi 

Zwischen Krieg und Virus

20.03.2022

Hallo Salamander,

magisch sind beide Extreme, zwischen denen wir uns gerade bewegen, völlig „Kacke“.

Der Übergang von „Angst vor Krankheit“ zu „Angst vor Krieg“ ist im Augenblick fließend. Eines Abends gehst du ins Bett, und die Nachrichten sind voll mit Inzidenzzahlen und den Belegungen in Krankenhäusern, am nächsten Morgen sprechen im Radio nur noch Fachleute für russische Truppenbewegungen in der Ukraine. Orwell’sche Korrekturen an der Sprache und an den Themen, ein wenig so, als hätte man das vereinbart (nein, daran glaube ich nicht wirklich).

Man merkt richtig, wie der Bedeutungsverlust des Pseudo-Virologen dazu führt, dass der Wechsel von einem Thema zum nächsten Thema auch bei ihnen fasst schon fließend geschieht. Für mich ist das einfacher: Die Magie ist ein Querschnittthema; angebracht, zu Viren und Kriegen ähnlich viel oder ähnlich wenig zu sagen. Nur waren früher die Vorwarnzeiten länger, damit man Zeit hatte, sich auf ein neues Thema einzustellen. Man fuhr auf eine Messe, eine Veranstaltung, und dort konnte man in aller Ruhe mit Autoren sprechen und die Verkaufsstände kritisch observieren. Wenn dann auf einmal das Channeln von Walrössern auf einigen Titelbildern auftauchte oder überraschend viele Zuschauer neugierig in den Vortrag über den geheimen Hopi-Kalender gingen, dann wusste man, was auf einen zu kommt. Trugen alle auf einmal T-Shirts mit Tolkien-Runen, gab es wieder Cthulhu-Verweise in der Optik oder dröhnte aus den CD-Spielern an den Ständen regelmäßig Musik, die man nicht kannte – schon war ich drauf und dran, einem neuen Trend hinterherzuhecheln, eine neue Sau durchs Dorf zu treiben.

Ich sollte jetzt innehalten und erwähnen, dass ich beobachtet habe, aber nicht mitgerannt bin. Wenn ich selbstkritisch meine Veröffentlichungen anschaue, dann muss ich sagen, dass ich maximal aus Versehen im Trend lag, nie gewollt oder gar geplant. Aber das liegt auch daran, dass mir bei Magie die Verkäufer-Mentalität fehlt, die man wohl dringend braucht, um hier weiterzukommen (nein, jetzt meine ich nicht die Erfahrung, die kriegt man anders – nämlich ohne Verkauf – besser, sondern die Kontofüllung).

Aber nach lauter Nischen-Fragen sind wir jetzt wieder bei den existentiellen Fragen angekommen: Gesundheit, Tod, Bedrohung allgemein. Und mit einem großen Handschlag wischt der Sensenmann alle bunten Titelbilder vom Tisch und zwingt uns, sich mit seinem fleischlosen Lächeln zu beschäftigen.

Manchmal ist das eine Chance. Ich sehe das so.

Dein Homo Magi

 

 

 

 

 


 

 

 


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