Homo Magi 

Virusvampir

03.04.2022

Hallo Salamander,

nach zwei Jahren Pandemie fällt es uns schwierig, wieder unbeschwert damit umzugehen, dass wir in Gruppen zusammenstehen. Am Wochenende war Flohmarkt, und mir fiel schon wieder auf, wie schwierig es für Menschen ist, wieder Nähe zuzulassen. Eigentlich Nähe und Menge, wenn ich schon dabei bin, das zu untersuchen. Beides fällt schwer.

Magisch ist das die Hölle für manche Magier, weil es dazu führt, dass jene Arten von Magie, bei der man auf die „Emanationen“ von vielen Leuten zurückgreifen muss, fast unmöglich werden. Oder anders herum: Die Psychovampire können nicht mehr 50 Leute in der Menge ein wenig „absaugen“, sondern ihr Radius umfasst nur 1 oder 2 „Opfer“. Das kann man nachher sehen, wie Risse im Gestein oder Farbkleckser auf einer weißen Tafel.

Und sie wissen, dass wir sie sehen können. Ein Beispiel: Im ganzen Dorf gibt es nur blutarme Kinder und oben, in der verfallenen Burg wird nachts ein Mann mit weißer Haut gesehen, der sich angeblich ab und an in eine Fledermaus verwandelt. Die Männer mit Fackeln und Mistgabeln brauchen nicht lange, um den Zusammenhang herzustellen, hier ist Leugnen sinnlos, der Vampir ist des Todes. Wenn dasselbe in einer Stadt mit 100.000 Einwohnern passiert, dann verteilen sich nicht nur die Opfer besser, sondern der Vampir ist schwerer sichtbar.

Die Pandemie sorgte dafür, dass der Vampir nicht mehr so weit raus kann oder einen geringeren Radius hat. Man wird jetzt einwenden, dass der Vampir ja fliegen kann und so weiter. Aber wenn die Opfer nicht mobil sind und der Vampir einen begrenzten Radius hat, dann wird man irgendwann einen Effekt merken, der beobachtbar ist.

Das klingt jetzt doof, wenn man für Magie überhaupt nichts übrig hat. Selbst für Magier klingt es doof, vermute ich. Damit muss ich leben, aber das hier ist ja auch kein Versuch, Massenzuneigung zu gewinnen.

Aber die Zahl der Magier, die so tun, als würden sie aus sich selbst schöpfen, die aber in Wirklichkeit ihre Umwelt „auszutzeln“ ist höher, als man erwarten sollte. Fast alle (schlechten) Magier haben einen Notfallmodus – verlieren sie zu viel Energie, bestehlen sie kommentarlos ihre Umwelt, ohne dabei ein Schuldgefühl zu entwickeln.

Sie sind jetzt sichtbarer. Und gierig, weil sie verlernt haben, sich zurückhalten zu müssen. Ich bin gespannt auf die nächsten Treffen mit vielen esoterisch/heidnisch geprägten Menschen. Werden sie die verzweifelten Magier mit niedrigem Batteriestand erkennen? Und was wird passieren?

Ich bleibe dran.

Dein Homo Magi

 

 

 

 

 


 

 

 


[

 


 

Kolumnen

vorherige

nächste

Mail an Homo Magi

Inhalt

Beiträge des Teams:

RezensionenMär & Satire
Essais
Sachartikel Nachrufe
Bücherbriefe
PR-Kolumnen
Lyrik