Homo Magi 

Endlich wieder Heiden treffen

17.04.2022

Hallo Salamander,

es war eine lange Zeit des Wartens, die wir überbrücken mussten. Manchmal konnte man sich treffen, draußen bei minus 15 Grad im Hagelschauer, dabei hielt man mit blaugefrorenen Fingern die Feuerschale und murmelte mit aufgesprungenen Lippen die Zeilen der Anrufung. Einige Male schlichen wir auch nachts über die Straße, um uns in Zeiten der Ausgangssperre trotzdem mit anderen Heiden zu treffen. Es waren abenteuerliche Momente, die jene, die nachgeboren sind, nicht nachvollziehen könnten (immer davon ausgehend, dass wir etwas gelernt haben und im Herbst nicht wieder in dieselbe Pandemie-Falle geraten – pruahahahaha [irres Gelächter]).

Doch die gesetzlichen und sonstigen Auflagen sind vorbei. Die Frühlingssonne schmilzt das Eis und wie der Rauhreif schwinden die Pandemieregeln unteren unseren Blicken, die ersten Blumen tauchen auf, Blütenmeer wohin man auch schaut. Und in diese Atmosphäre hinein kommen wir aus den Kellern, aus den Kerkern und zwinkern im Licht der hellen Sonne.

In diese Aufbruchsstimmung hinein ist es natürlich nötig, dass ausgerechnet ich Mitveranstalter des ersten größeren Heidentreffens bin (machen wir uns nichts vor, es ist das größte nördlich der Alpen, aber das hören „die anderen“ nicht gerne, die mit dreizehn Leuten abends um 22.00 Uhr auf ihren Treffen um das winzige Feuer herum sitzen, dabei Dosenbier trinken und sich an jene Tage erinnern, an denen alles besser war). Aufbruchsstimmung, das trifft es. Alles wird gut, alles wird schön. Wir müssen nur der Freude zuwarten, dann wird alles von alleine gut.

Morgen geht es los. Dann treffe ich 170 (okay, wenn das mit den Abmeldungen so weiter geht, dann vielleicht 150+) Heidis (das ist sicherlich der korrekte, sexuell unproblematische Plural), die alles das nachholen wollen, was sie in den letzten zwei Jahren verpasst haben. Ich meine natürliche Rituale und Vorträge und mitnichten Alkoholexzess, Dummzeug-Reden und Geschmuse. Aber man weiß ja vorher nie.

Ich bin aufgeregt wie schon lange nicht mehr. Endlich wieder Stühle schleppen und penetranten Gästen Antworten geben. Nein, das ist aber nicht das, was nachher in der Erinnerung verbleibt. Dann ist es die Gemeinschaft, die erinnert wird. Das gefällt mir jetzt schon, dieser Gedanke.

Ich werde berichten.

Dein Homo Magi

 

 

 

 

 


 

 

 


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