Homo Magi 

Münzen im Portmonee

24.07.2022

Hallo Salamander,

Da stand ich für Schokolade an (kein Witz), vor mir ein freundlicher, älterer Herr. Er bezahlte und klappte dabei seinen Geldbeutel auf. Auf der offenen Klappe war deutlich noch eine kleine Münze zu sehen, die dort festhing.

Die Verkäuferin wies ihn darauf hin. Er lächelte und meinte, das sei ein Pfennig, der sei festgeklebt. Sein Großvater hätte ihm mitgegeben, dass man immer Geld im Geldbeutel haben soll, wenn man will, dass mehr Geld dazu kommt. Ich fragte ihn, ob das sein Leben lang funktioniert habe. Er lächelte und sagte, dass es bei ihm immer funktioniert habe.

Die Verkäuferin beugte sich neugierig nach vorne und inspizierte die Münze. Dem alten Mann tat die Aufmerksamkeit gut. Er meinte, dass sei nicht sein bester Talisman. Er griff in den Geldbeutel und holte nach einigem Fummeln eine Münze in einer Plastikhülle heraus. Fast handtellergroß, silbern, mit einem Bild, das so abgegriffen war, dass man es kaum erkennen konnte.

Ich versuchte zu raten, doch mein Hinweis auf Schiller brachte ihn nur zum Lachen. Es handelte sich um eine bayerische Silbermünze, wohl aus dem frühen 19. Jahrhundert. Er meinte, dass sei die Münze, die sein Großvater schon geerbt habe, damit er sie immer mitführen solle.

Die Verkäuferin und ich waren einen Moment sprachlos. Dann fragte ich, ob er auch geklärt habe, dass er diesen Talisman dann weiter vererbte. Er nickte mir freundlich zu, packte dann umständlich die Münze weg und meinte dann, bevor er sich verabschiedete und ging, dass er natürlich für diesen Gegenstand alles geklärt habe.

Ein alter, glücklicher Mann verließ den Laden und ließ die Verkäuferin und mich nachdenklich zurück.

Dein Homo Magi

 

 

 

 

 


 

 

 


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