Homo Magi 

Gespenster auf der Arbeit

07.01.2024

Homo Magi

Hallo Salamander,

auch meine ehemaligen Kollegen scheinen von den Rauhnächten „angefasst“ worden zu sein. Ab 01.01. war ich freigestellt, also hatte ich überhaupt keinen Grund, mich in das Büro zu bewegen. Das ist ja das Geheimnis bei der Freistellung, das man eben freigestellt ist.

Zwischendurch musste ich natürlich trotzdem Fragen meines Nachfolgers beantworten, das ist auch in Ordnung so. Aber irgendwie kam das Gespräch darauf, dass Kollegen und/oder Kolleginnen behauptet hätten, ich würde mit meinem Generalschlüssel nachts in das Gebäude eindringen und mich in meinem alten Büro breit machen.

Irgendwie keine reizvolle Vorstellung, wenn man gerade glücklich das alles hinter sich gelassen hat. Ich konnte also ruhig mitteilen, dass es mitnichten zu meinen Angewohnheiten gehört, nachts an den Arbeitsplatz zurückzukehren und dort irgendwelche Dinge zu tun (und das auch noch spurlos, denn niemand konnte belegen, dass ich da war). Und in der Freistellung kommt auf dieses Nicht-Wollen noch einmal die Sahnehaube dessen drauf, dass man sicherlich auch keine Lust hat, dann noch zu arbeiten (zumindest ich nicht).

Ich schiebe es auf eine Mischung aus schlechtem Gewissen und den Rauhnächten. Irgendeine kontinentale Ur-Erinnerung an die wilde Jagd, die nachts herumgeistert (im wahrsten Sinne des Wortes) und Furcht und Schrecken verbreitet. Offensichtlich kann ich das als Vorgesetzter auch noch, wenn ich physisch nicht mehr vor Ort bin. Sozusagen ein Nachwirken des infernalen Schreckens, der von mir ausgeht, wenn ich Vorgesetzter bin. Mystische Schwingungen in meinem ehemaligen Büro, das wohl offensichtlich nicht mit Salbei gereinigt worden ist.

Tja, hätte man wohl besser mal einen Fachmann rangelassen … bei dem Salbei, meine ich natürlich.

Dein Homo Magi

 

 

 

 

 


 

 

 


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