Homo Magi Archiv

Wöchentliche Ansichten eines Magiers über den Jahreslauf und die Welt

Teil 21

Delling Dank!

Halloween

Lieber Salamander,

das neue (heidnische) Jahr beginnt so, wie das alte geendet hat: In den Fängen eines Virus. Ich erspare uns die Diskussionen über das „woher“ und „wohin“ bei den Corona-Schutzmaßnahmen. Gefangen zwischen Aluhut-Trägern, die glauben, dass Bill Gates die Menschheit mit einem Chip kontrollieren will, Virus-Leugnern und Menschen, die am liebsten ihre Wohnung wegen des erhöhten Infektionsrisikos nicht verlassen möchten (was machen die erst bei der Zombie-Invasion?) bleibt mir nur, das zu tun, was ich am besten kann: Weitermachen!

Natürlich stellt sich die Frage, warum noch kein Druide, kein Schamane, kein Hochgrad-Wicca aufgetreten ist, der Corona mit einem Ritual, einem Gebet, einem Tanz oder einem Tee heilen kann. Oder es gibt sie, und sie sind nicht auf meinem Radar. Auf meinem Radar ist aber die Erkenntnis, dass ein Ansteckungsherd wohl evangelistische Gemeinden sind, die entweder massiv Körperflüssigkeiten austauschen beim Gottesdienst (ist mir so noch nicht aufgefallen, als ich früher da zu Gast war) oder allen Empfehlungen zum Trotz ohne Abstand und Maske gemeinsam singen oder aber in ihrer „community“ einen hohen Anteil an „superspreadern“ haben, was mich nicht überraschen würde, mir aber unerklärbar bleibt.

Schade ist, dass Halloween ausfällt. Ich mochte die Regale mit den Masken im Supermarkt, die herumziehenden Kinder auf der Suche nach Süßigkeiten und den allgemeinen Grusel, der mit diesem Ereignis einhergeht. Leider kamen die Schutzverordnungen (tolles Wort) so spät, dass es mir nicht gelungen ist, meine neue heidnische Marketingepisode an den Start zu bringen: Spukschutzwände.

Könnte man aus Plexiglas machen, im Moment gibt es für ähnliche Dinge einen Markt – nachdem jeder Masken nähte, tischlert jetzt jeder Spuckschutzwände. Aber da könnte man doch was machen vor der dunklen Jahreszeit, die Spukschutzwände als eine Art Trennwand für die Rauhnächte oder einem Schutz (ähnlich der Idee hinter dem CMB in Kreidebuchstaben am Türrahmen), den man heidnisch vermarkten könnten. Mit Runen verziert, in einem Ritual geweiht und atlantisch gechannelt.

Verpasst. Das heidnische Unternehmertum in meiner Person wird damit auch ein Corona-Opfer. Nur glaube ich nicht, dass ich für meine Idee Ausgleichszahlungen erhalte. Mist.

 

Dein Homo Magi


 

Heilige Stätten

Lieber Salamander,

was macht man im Lockdown? Man geht raus in die Natur, weil alle anderen Orte ja nicht erreichbar sind, wenn man Entspannung sucht. Über die psychischen Folgen eines dunklen Winters im Lockdown mag ich im Moment nicht einmal zu spekulieren.

Gestern machten wir uns also auf, um an einem schönen Samstagnachmittag gerade noch eine Stunde vor Sonnenuntergang die Externsteine zu erreichen. Wir rechneten mit einem gesperrten Parkplatz und einer Handvoll unentwegter Touristen.

Dem war nicht so. Der Parkplatz war auf und bewirtschaftet, Toilettenhaus und Kiosk waren geöffnet. Den Kennzeichen nach waren das keine Touristen, es gab auch keine Busse, aber viele Wagen aus der nächsten und näheren Umgebung.

Und dann oben – wow. Der Weg war geziert von drei Gruppen in Mittelalterambiente, davon ein Gitarrenspieler und zwei Gruppen von Personen, die was auch immer nachspielten. Da der eine laut darüber sprach, dass die Geheimnis der freien Energie schon vor 3600 Jahren den Kelten bekannt war, was er wiederum aus einem alten Wandteppich enträtselt habe, ließ ich mich um meine geistige Gesundheit zu retten auf kein Gespräch ein.

Aber die Externsteine waren gut besucht. Der Eingang war offen, nur die beiden Stiegen hinauf waren zu. Hier wäre Ausweichen oder Abstand halten unmöglich. Drumherum: buntes Volk. Familien mit Kindern, Opas und Omas mit Anhang, schlendernde Paare und mittendrin wir.

Vielleicht ist doch was dran, dass solche Plätze in Zeiten der Not Menschen anziehen, weil sie Gewissheit vermitteln, dass es lange vor uns schon Menschen gab, die ihre Probleme überlebt haben. Und natürlich sind solche Orte auch Kraftorte, nicht ohne Grund gibt es diesen Begriff.

Heidentum spielte nur bei den Unterhaltungen über das Kreuzabnahmemotiv eine Rolle, vielleicht noch ein paar Sätze über die Vor- und Frühgeschichte der Externsteine. Ansonsten war es einfach nur ein Genießen des Augenblicks.

Wenn der Lockdown so etwas nur mehr möglich machen würde … seufz.

 

Dein Homo Magi


 

Delling verdrängt Weihnachtsmann

Lieber Salamander,

in meiner Funktion als einziger Delling-Apostel kann ich weiterhin mitteilen, dass die Werbung neuer Mitglieder einen weiteren Schritt nach vorne gemacht hat, weil es jetzt gelungen ist, Delling Gott der Butter™ als Alternative zum Weihnachtsmann zu etablieren.

Wir erinnern uns: In den letzten Wochen ist – dank Corona – Weihnachten samt Weihnachtsmann immer mehr ins Hintertreffen geraten. Dies ist eine Entwicklung, die der nordische Heide der Gegenwart nur anerkennend begleiten kann, denn der a- und un-historische Weihnachtsmann passt ungefähr so viel zum Christentum wie das Nachspielen der Mondlandung mit Marionetten zu Ostern. Verschwörungstheoretiker würden zwar behaupten, dass die Mondlandung schon immer inszeniert war, aber das soll meinem Beispiel keinen Abbruch tun. Ebenso wenig diskutieren wir, dass der Weihnachtsmann in nordischen Quellen auch nicht auftaucht. Tu viele andere Dinge auch nicht, die im heutigen Heidentum eine Rolle spielen, stört auch keinen Menschen.

Was ist passiert? Heute Morgen lag der neue Katalog auf dem Küchentisch, als Beilage zur Tageszeitung. Und darin fand sich der aktuell gängige Hinweis auf den „Black Friday“ mit „Spare 25-70 % auf alle Weihnachtsartikel“. Gleich rechts oben auf der Seite – mit der Sprechblase „Spare 50 %“ verziert – war dann die „Delling Stuhlhusse“ zu sehen. Ja, es ist eine riesige Nikolausmütze (rot, weiße Bommel), die man über die Stuhllehne hängen kann. Aber der Werbeeffekt, der hier von der einzig wahren heidnischen Religion™ beabsichtigt wurde, greift voll.

Es muss in den Köpfen der potentiellen Gläubigen klar sein, dass Delling jenen Platz einnehmen muss, den aktuell der Weihnachtsmann (noch) ausfüllt. Ein Monat im Jahr sollte Delling gewidmet sein, er sollte dann omnipräsent in allen Medien vertreten sein und sogar keine Stunde Radio darf laufen, ohne dass ein Delling-Lied ertönt.

So wird es sein. Der „Black Friday“ ist der erste Schritt vor dem „Butter Saturday“. Noch könnt ihr ohne Auflagen und Kosten wechseln! Delling wartet …

 

Dein Homo Magi


 

Ahnenwand

Lieber Salamander,

heidnische Traditionen außerhalb des Kontextes des normalen Lebens zu zelebrieren zeugt von einer Mentalität, die eher in den Bereich eines LARP (Live-Rollenspiel) gehört, denn in gelebtes, modernes Heidentum.

Wenn wir es nicht lernen, heidnische/magische Komponenten in jene Dinge zu integrieren, die wir unser „echtes Leben“ nennen könnten, dann ist der ganze Versuch einer Wiederbelegung des Heidentums gescheitert. An dieser Stelle sparen wir uns jetzt den Diskurs darüber, ob es aktuell eine Wiederbelebung oder eine Rekonstruktion ist, während einige Stimme eher davon sprechen, dass man heidnische Impulse in die Gegenwart einfließen lässt (eine Ansicht, der ich mich dann anschließen würde).

Es stimmt. Das Ritual, die tatsächliche weihevolle und/oder magische Handlung muss außerhalb des normalen Umfelds stattfinden, um Wirkung zu zeigen. Hier reichen Übergangsmomente, um einen anderen Rahmen herzustellen – aber das ist im täglichen Leben nicht nötig.

Ich habe für mich eine Lösung gefunden, wenigstens einen weiteren Teil der heidnischen Weltsicht einzubauen. In meinem neuen Arbeitszimmer gibt es eine Ahnenwand. Ich habe Fotos meiner Familienmitglieder zusammengesucht, sie unterschiedlich gerahmt oder rahmen lassen und dann fast ohne Muster über die Wand verteilt. Nicht alles ist auf den ersten Blick sinnvoll (so wie das Werbeschild „Wenn Flaschenbier … dann Ritter“), aber alles steht in einem Verhältnis mit meinen Ahnen und damit mit mir.

 

Und es wirkt. Ich hatte jetzt das alte Bild in der Hand, das einzige Foto, das meine Mutter mit ihrem Vater zeigt (dieser Großvater ist gefallen, viel zu früh und kurz nach der Geburt seiner Tochter, meiner Mutter). Der alte Bilderrahmen, den ich mit dem Bild geerbt hatte, löste sich langsam auf. Kein Wunder: Die Rückseite war aus Pappe und einfach schon älter. Also ging ich damit in einen Laden, der professionell Rahmen und ähnliches anbietet. Die Fachfrau löste die Rückseite vorsichtig vom Rahmen – und fand im Rahmen ein weiteres Bild, das dort sicherlich schon über 70 Jahre steckte. Es war ein weiteres Kinderbild meiner Mutter, wohl genau aus derselben Zeit; ein Bild, von dem meine Mutter nichts wusste. Also findet es jetzt – genauso wie der rekonstruierte Rahmen samt Bild mit Großvater – einen Platz an meiner Ahnenwand.

Es sind die kleinen Dinge …

Dein Homo Magi

Engelsrufer

Hallo Salamander!

Mir sind vorweihnachtlich Hochglanzwerbehefte in der Zeitung ein Graus, noch mehr, wenn diese auf der Titelseite vier Aussagen treffen:

·         Celebrate Christmas

·         Engelsrufer

·         Geschenke 2020

·         Powerful meanings

Wem das nicht schon sprachlich zu gruselig ist, der blättert hinein und findet eine ganze Seite Werbung für Schmuck unter dem Motto „Lebensbaum“. Der Werbetext in der Mitte liest sich wie folgt:

Der Baum des Lebens bringt Dir Frieden,

Segen und endlose Liebe.

Er wächst mit Deinen Lebensabschnitten

Und hält alles Böse von Dir fern.

Den Fettdruck musste ich nicht erfinden, der ist da drin.

Schnäppchen, kostet die „Uhr Lebensbaum Tricolor Edelstahl“ doch nur 119 Euro, die „Kette mit Lebensbaum Silber“ nur 69 Euro.

Manchmal sehne ich mich nach den Zeiten zurück, wo man als Heide irgendwie gefühlt mehr in der Minderheit war.

 

Dein Homo Magi

 

Ein Doppelleben im Kosmos

Lieber Salamander,

seit wenigen Tagen habe ich Regale. Das ist eigentlich nicht ungewöhnlich für einen Menschen mit vielen Büchern. Das besondere an diesen Regalen ist aber, dass sie das erste Mal seit meinem Auszug daheim (vor ungefähr 35 Jahren) Platz bieten für alle meine Bücher in der ersten Reihe.

Eine eigenartige Reizüberflutung, wenn man auf einmal feststellt, dass man wirklich VIELE Bücher besitzt. Ich gebe jetzt keine Meterzahlen an, das ist nur irgendwie peinlich, aber eine Geschichte will ich dir erzählen.

Gibt es ein Buch, an das ich mich sofort erinnere – an jeden Standort in den 15 oder mehr Wohnungen, die ich seitdem hatte? Ja. Es ist nicht die Bibel, es ist nicht die Edda (die kam viel später), sondern es ist „Ein Doppelleben im Kosmos“ von Robert A. Heinlein. Schnell verzehrbare Science Fiction-Jugendkost, trotzdem immer wieder ein Buch, das ich in die Hand nehme, um es erneut zu lesen. Und das nicht nur, weil der Kaiser der Milchstraße darin mit seiner Modelleisenbahn spielt.

Es hat mich begleitet durch Tiefen und Höhen meines Lebens. So ergeht es mir mit vielen Büchern. Ich weiß, wann ich sie gekauft habe und was ich gefühlt habe, als ich sie das erste Mal las. Das mag unglaubhaft klingen, aber ich behalte nur Bücher, an die ich mich erinnern kann – und das sind so viel, dass ich sie jetzt erst alle aufstehen kann. Was das über mein Gedächtnis sagt … eine Menge, aber leider klappt das bei anderen Dingen bei weitem nicht so gut. Eindeutige Prägung, würde ich sagen.

Jetzt räume ich. Und die Rauhnächte stehen bevor, die sind für so etwas prädestiniert …

Dein Homo Magi

 

Regeln

Lieber Salamander,

die Welt ist voller Regeln. Das ist zusätzlich noch eine Sonderbeschäftigung der Deutschen, was es gerade Hier und Jetzt besonders schwierig macht.

Beruflich muss ich all die Dinge lesen, die man als Schutzverordnungen vorgesetzt bekommt. Ich bin kein Virologe, von daher bin ich nicht in der Lage fachlich etwas zu kommentieren. Ich kann mich über Informationspolitik aufregen, über die Sprache von Verlautbarungen und so weiter. Tue ich auch, sei dir da sicher, mein kleiner Lurch.

Schwierig finde ich aber, wie schnell und kompromisslos wir wieder über eine Millionen Blockwarte verfügen, die jeden Verstoß gegen die Verordnungen sofort melden. Sie sind scharf darauf, anderen ins Gesicht zu starren, um die Abdeckung von Mund und Nase zu überprüfen. Sie lauern an der Grenze zu Maskenpflichtbereichen. Wenn man dies auch nur einen halben Schritt übertritt, ohne eine Maske zu tragen, dann informieren sie sofort das Heimatministerium und die Sondereinsatzkräfte.

Selbst legen sie natürlich nie Hand an. Dafür sind sie nicht zuständig, das ist nicht ihr Job, wo kommen wir denn auch hin, man wird doch wohl noch.

Nein, darf man nicht. Oder zumindest nicht als normaler Bürger. Mein Vater saß die letzten Jahre seines Lebens im Rollstuhl. Ich hätte mir immer gewünscht, dass mal jemand mit genau jener eben geschilderten Verve gegen jene vorgeht, die Behindertenparkplätze zustellen, Feuerwehrzufahrten blockieren oder auf der rechten Fahrspur mit Blinklicht parken, um mal eben …

Wir haben es mit einem Anteil der Bevölkerung zu tun, der sich daran hochzieht, endlich mal etwas umsetzen zu können, was er gänzlich nicht versteht, und deswegen Hirneinsatz gegen Buchstabentreue tauscht. Ein – soweit ich es beobachten kann – sehr deutsches Verfahren, das mir immer wieder Sorge bereitet.

Achja, ich tue etwas, wenn jemand auf einem Behindertenparkplatz einparkt, selbst aber offensichtlich kerngesund ist, aber nur mal schnell … keine Sorge, ich tue etwas.

Dein Homo Magi

 

Dinge, die man vom Virus lernen kann

Hallo Salamander,

jede Lebenserfahrung ist auch ein Denkanstoß auf dem Weg zur Vervollkommnung. Also hat der Virus sicherlich auch einen Lerneffekt, den man ausnutzen kann.

Platz 1: Mut ist nicht jedem gegeben

Ich will nicht behaupten, dass alle Verordnungen sinnlos oder falsch waren. Aber ich sage auch nicht, dass alle richtig und weise waren. Man muss Mut zeigen, um trotzdem in Diskussionen und im tatsächlichen Leben darauf zurückzukommen, was einem wichtig ist: Menschen, die man mag, zu „berühren“ – und das meine ich hier nicht nur körperlich, sondern durch Postkarten, Geschenke, Anrufe oder einfach einen Besuch. Und Ausgangsbeschränkungen und Reisekontrollen führen nicht automatisch dazu, dass wir uns im III. Reich befinden – auch wenn manche gerne auf angebliche Parallelen hinweisen. Wenn das selbstbestimmte Leben bei höherem Risiko für Freidenker möglich war – warum schaffen wir das nicht?

 

Platz 2: Wir müssen unsere eigene Geschichte erzählen

Wenn der Virus nur im Kontext chinesischer Labors, Implantaten von Bill Gates und der geplanten Weltherrschaft von Kinder-Erbanlagen trinkenden Wesen diskutiert wird, dann ist die Magie raus.

Wir müssen daher die Geschichte so erzählen, wie sie im Kontext erzählt werden sollte. Wir werden alle sterben. Es gab immer Zeiten, in denen viele Menschen starben (und ja, man kann immer auf die Grippe nach dem Ersten Weltkrieg, vor ziemlich genau hundert Jahren, hinweisen). Aber wir haben Antworten auf Sinnfragen – Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir?

 

Platz 3: Wir geben keinen Fußbreit Boden zurück

Nur weil die Kirchen darauf verzichten, Gottesdienste abzuhalten, nur weil abendliche Messen wegen Ausgangssperren ausfallen, heißt das noch lange nicht, dass auch wir aufgeben müssen. Der Schutz von religiösen Veranstaltungen in den entsprechenden Verordnungen ist relativ gut – wir müssen nur die Chuzpe haben, immer wieder darauf hinzuweisen, dass wir auch eine Religion sind.

Und dann müssen wir unsere Angebote aufrechterhalten. Im Wald feiern, mit genügend Abstand und ohne ein kreisendes Horn. Gemeinsam opfern, aber nicht gleichzeitig. Und wir müssen unsere Erfolge immer kommunizieren – wozu haben wir die „sozialen Medien“, wenn wir nicht hier zeigen, dass wir da sind, dass das Licht in unseren Fenstern wirklich etwas bedeutet und nicht nur hohle Phrase ist.

Ganz ehrlich: Ich habe im Moment tiefste Bewunderung für jene christlichen Pfarrer und Priester, die trotz der allgemeinen Stimmung Gottesdienste abhalten. Es sind aber für eine angeblich bis in das Mark hinein christlich geprägte Gesellschaft viel zu wenige. Auch das ist eine Erkenntnis.

Damit lasse ich dich jetzt hoffentlich nachdenklich zurück.

Dein Homo Magi

 

Rauhnächte 1

Lieber Salamander,

heute war dann wieder einmal der jährliche Ritt der Geisterreiter. Im Traum – einer jener ärgerlichen Träume, in dem man genau weiß, dass man träumt – durften dann alle Revue passieren vor meinem inneren Auge.

Da war mein Vater (mehr oder weniger als Kulmination meiner männlichen Ahnen, wenn ich das mal ohne meine Familiengeschichte zu weit auszubreiten erklären darf), dann die im letzten Jahr verstorbenen Freunde. Diese waren erstaunlich präsent, während andere, schon vor längerer Zeit verstorbene Menschen, die mir nahe gestanden haben, nur als kurze Besucher auftauchen durften und vorbezogen.

Alles war gar nicht bedrohlich, überhaupt nicht so, als würden sie in den nächsten zwölf Monaten meine Ankunft erwarten, nur einfach angenehm dahingehend, dass sie da sind, anwesend in meinem Leben und dann später irgendwann anwesend in meinem Sterben.

Ich habe daraus Kraft gezogen und sehr viel Ruhe. So soll es sein.

 Dein Homo Magi

 

Rauhnächte 2

Hallo Salamander!

War es den Zeitumständen geschuldet, dass dieses Mal die Träume wirrer und irrer waren? Vielleicht spürt die Seele die Vereinsamung durch Ausgangssperren und träumt sich jene herbei, die es vermisst?

Dann habe ich ein eigenartiges Panoptikum zu bieten, denn an meinen mentalen Lagerfeuern campieren viele Tote, keine Lebenden. Aber das war in den Rauhnächten eigentlich zu erwarten, überrascht hat mich nur die ausgelassene Stimmung der Geister und sonstigen eigenartigen Wesen.

Eine Nacht habe ich am Feuer gesessen, mit meinem Vater und vielen meiner Ahnen. Mein Vater war der Wortführer der Vertreter der anderen Seite – nicht überraschend, wenn man überlegt, wie er im Leben aufgetreten ist. Diese Nacht, dieser lange Klartraum war ausgesprochen angenehm, was man nicht von allen Kontakten mit den Verstorbenen sagen kann.

Die anderen Nächte waren mehr ein Resteessen der Erinnerung, denn ein Hexensabbat der Gefühle. Keine Dämonen, keine vergrabenen Leichen, die sich hier ihr Recht forderten, sondern angenehme Erinnerungen und eine Dia-Schau von halbvergessenen Erinnerungen, die in den Nächten zwischen den Jahren neu verbucht und eingeordnet werden.

Ich habe es wieder einmal überstanden. Es war wie immer und doch anders, denn es liegt eine Decke aus Angst über den Gefühlen der Menschen, gewebt aus einer Mischung aus kalten Fehlentscheidungen, menschlichen Fehlern und der Wiederkehr jener Totenarmee, die wir in den letzten Jahrzehnten aus der Wahrnehmung gedrängt haben. Der Tod findet immer noch außerhalb der Lebensumstände statt, aber jetzt auch noch alleine. Dann kriegen die Menschen doch Angst – nicht vor dem Tod, wie sie glauben, sondern vor dem alleinigen Sterben. Wenn dann noch die Kirchen auf breiter Front versagen, dann verschwindet der christliche Zuckerguss vom Kuchen des Glaubens und die Menschen finden zu heidnischen Formen, zu einem magischen Verhalten. Das war zu erwarten, überrascht mich aber trotzdem.

Trotzdem oder gerade deswegen: Weiter machen!

 Dein Homo Magi

 

Einmal schamanischer Mischmasch mit Tomatensauce, bitte

 

Hallo Salamander,

die Bilder vom Sturm auf das Kapitol leiten das neue Jahr episch ein. Was man sonst nur von Bananenrepubliken erwartet, geschieht in einem Land, das ich mal als „Herz der Demokratie“ verstanden habe (einzige Ausrede: ich war jung).

Medienwirksam mitten im Bild: Jemand, der als QAnon-Schamane beschrieben wird. Fellmütze mit Hörnern, amerikanische Flagge am Speer, nackter Oberkörper samt einer (die Nippel verschonenden) Gruppe von Tätowierungen. Den Mund weit geöffnet, wie bei einer Anrufung.[1]

Und leider ist sofort klar, um was es hier geht:

Auf seiner linken Brust trägt er ein Tattoo, das drei ineinander verschlungene Dreiecke zeigt und laut ZDF Wotansknoten oder Valknut genannt wird. Es handelt sich um ein Zeichen, das aus der nordischen Mythologie stammt und auch von Neonazis genutzt wird.[2]

Schön ist, dass man erst beim ZDF nachfragen muss, was drei ineinander verschlungene Dreiecke darstellen. Die Suche bei Duckduckgo.com ergibt unter dem Suchbegriff „drei ineinander verschlungene dreiecke“ als ersten Treffer Wikipedia zu „Valknut“. Aber wohl zu viel verlangt, schon gar, weil dieser Artikel keinen Zusammenhang zu Neonazis sieht. Anders dasversteckspiel.de:

Die drei ineinander verschlungenen Dreiecke stellen den so genannten Valknut dar, auch Walknut und Wotansknoten genannt. Von dem Symbol existieren einzelne mittelalterliche Darstellungen, deren Bedeutung unklar ist. Als »geheimnisvolles« und nicht näher erklärtes Zeichen wird die (oder der) Valknut auch von nicht rechten Personen – meist als Halsschmuck – getragen.

Den extrem Rechten gilt die Valknut als »nordisches« und »arteigenes« Symbol. Sie füllen die historische Leerstelle mit beliebigen Deutungen: Mal steht die Valknut für »Schutz«, mal für die »Kraft des Gottes Wotan«, mal ist sie Zeichen eines Ahnen- und Sippenkultes, mal steht sie für die Welten der germanischen Ursprungs-Sage.

Zu finden ist das Symbol bei extrem Rechten unter anderem als Shirt-Motiv, Schmuckstück (sogar als Krawattenschmuck) und als Tätowierung.[3]

Aber machen wir uns nichts vor. Kein Mensch wird die Verbindung zu Indianern (wegen der Kleidung und dem Speer) oder Finnen (wegen der Schamanen) ziehen, Zielgruppe sind hier die nordischen Symbole, schon gar in der deutschen Presse.

Online findet man eine gute Analyse der Tätowierungen[4], leider auf einer englischsprachigen Seite:

Dort heißt es:

On Angeli’s upper chest, he sports a triangular Viking symbol called the valknut, which is today affiliated with racism and white supremacy and the Wotansvolk Movement, which is a form of white nationalist modern paganism tied to neo-Nazi movements.

He also has other tattoos that are derived from Viking symbols— the Tree of Life and Thor’s hammer. These two symbols, like many aspects of Viking mythology, have been adopted by white supremacist groups who believe that this ancient civilisation was an example of »racial purity« [sic].”[5]

Das ist schon irre genug, obwohl – sicherlich dank der Gemengelage an Symbolen – niemand klar Asatru als Schuldige hervorhebt. Würde auch schwierig, weil im Kontext noch viel mehr Irrsinn/Rechtsextremismus oder irrsinniger Rechtsextremismus unterwegs war. Da war der Herr mit dem Auschwitz-T-Shirt und „Works brings Freedom“ („Arbeit macht frei“) drauf[6], da gab es diverse Hinweise auf QAnon und die angebliche Verschwörung samt der Flagge des erfundenen Landes Kekistan[7] oder der Südstaatenflagge[8].

In einer solchen Gemengelage des Schwachsinns geht der Thorshammer glücklicherweise unter, wird zur zitierten ikonischen Beliebigkeit und – zum Glück – nicht zum Zeichen des Kerns des ideologischen Widerstands gegen die neuen, gewählten Präsidenten der USA.

Aber: Alleine der Begriff QAnon-Schamane, das gibt einem schon eine Menge Möglichkeiten, da weiter über Schamanismus und QAnon zu sprechen. Sparen wir uns aber heute und hier.

Dein Homo Magi

P.S.: Der QAnon-Schamane war schon vorher bekannt, sein Bild war im „fluter.“, dem Magazin der „Bundeszentrale für politische Bildung Winter 2020-2021“ („Wut + Algorithmus = Chaos“, S. 22).

 

Shazam

Lieber Salamander,

manche Dinge sind so unfassbar, dass sie wohl nur mir passieren können.

Als ich vor über 30 Jahren ein Science Fiction-Magazin (nennen wir es „Egozine“, das war damals der richtige Titel) herausgab, nannte ich es meinen Lesegewohnheiten bei Superheldencomics folgend „Shazam“.

Ein paar Worte der Erklärung dazu:

Captain Marvel (gelegentlich auch Captain Thunder genannt) wird innerhalb seiner Abenteuer als ein magischer Superheld beschrieben, der seine außerordentlichen Fähigkeiten (Superkräfte) der Magie des gütigen Zauberers Shazam verdankt. Shazam, ein an den keltischen Merlin erinnernder, weißbärtiger alter Mann erschafft Captain Marvel in der ersten Captain Marvel Geschichte, indem er einen etwa zwölfjährigen Waisenjungen namens Billy Batson mit einem Zauberspruch belegt: Fortan kann Billy sich durch das Aussprechen des Namens des Zauberers in einen 1,90 Meter großen, stämmigen Mann verwandeln, der über Superstärke, Supergeschwindigkeit und -ausdauer, physische und magische Unverwundbarkeit, Furchtlosigkeit, Weisheit, sowie gesteigerte geistige Wahrnehmung und die Fähigkeit zu fliegen, verfügt.

Der Vorgang der Verwandlung von Billy Batson zu Captain Marvel ereignet sich dabei durch das Einschlagen eines Blitzes, der Billy trifft, sobald er den Namen des Zauberers (Shazam!) ausspricht. Spricht er ihn abermals aus, wird er durch einen zweiten Blitzeinschlag in Billy Batson zurückverwandelt. Das Wort Shazam ist ein Kunstwort das sich aus den Anfangsbuchstaben der Namen von sechs mythologischen Figuren zusammensetzt, über deren charakteristische Fähigkeiten Captain Marvel verfügt: Salomon (Weisheit), Herkules (Stärke), Atlas (Ausdauer), Zeus (Macht), Achilles (Mut), Merkur (Schnelligkeit).

In seiner Geheimidentität als kleiner Junge arbeitet Billy Batson (vollständig William Joseph Billy Batson) als Junior-Moderator für den Radiosender WGBS und lebt bei seinem Onkel.

Im weiteren Verlauf der Captain Marvel Geschichten bekommt es Billy Batson mit einer Reihe schriller Schurken zu tun und muss eine Vielzahl von Problemen bewältigen, die sich aus seinem Doppelleben und aus den reifemäßigen Unzulänglichkeiten ergeben, die es mit sich bringt, dass Batson in seiner Superheld-Identität als naives Kind im Körper eines erwachsenen Mannes steckt.[9]

Über die möglichen psychologischen Hintergründe, warum ich damals diesen Namen wählte, möchte ich jetzt nicht philosophieren. Ich war jung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Sehr erstaunt war ich aber jetzt, als ich im aktuellen Sammelband „Shazam! And the Seven Magic Lands“ (im Original 2018-2020 erschienen) las und mit die schönen Bilder anschaute.

Und was stellte ich da fest: die geheimen Geheiminformationen in der magischen Kladde, aus der Shazam lesen kann, sind natürlich in Voynich-Schriftzeichen gehalten. Da schließt sich für mich ein sehr eigenartiger Kreis.

Mein Lieblingssuperheld kann meine Lieblingsgeheimschrift lesen … cool.

 

Dein Homo Magi

 

Die mörderische Macht der Moralisten

 

Lieber Salamander,

 

manchmal glaube ich, der einzige Grund für mich, warum ich die komplette Broschüre „Die mörderische Macht der Moralisten“ von Klaus Kunze[10] durchgelesen habe, sei der Hinweis auf der letzten Seite zum Leben des Verfassers:

1970-71 Herausgeber eines Science-Fiction-Fanmagazins[11]

Aber da war ich noch nicht eingeschult, eine frühere Bekanntschaft aus dieser Szene ist also ausgeschlossen.

Und normalerweise schwenke ich die rote Fahne und lese keine Hefte, die von „Die Deutschen Konservativen e.V.“ herausgegeben werden. Aber die Pandemie führt dazu, dass man mehr Zeit damit verbringt, Dinge zu suchen, die gerade mal nicht von Masken, Mützen, Meinungen (oder Viren, Vahn und Vissenschaft) handeln. Also las ich etwas über Moral.

Und da wurde ich in diesem Band mit etwas über 50 Seiten (den man mir empfohlen hat, wozu der Umsonstbezug via Internetbestellung einen weiteren Beitrag leistete) fündig. Etwa hier:

Mit Moralisten kann man nicht diskutieren. Ebensogut könnte man mit Zeugen Jehovas über ihre Schöpfungsgeschichte und ihre Propheten streiten. Wie alle Extremisten sind beide im Käfig ihres Glaubens vernagelt, nur sind Moralisten aggressiver. Der Gott der Christen kennt noch die Barmherzigkeit und die Vergebung. Ein echter Moralist vergibt und verzeiht nie, auch sich selbst nicht.[12]

Oder hier:

Im Unterschied zur Moral nimmt die Ethik für sich in Anspruch, wissenschaftlich zu reflektieren, was Moral ist, auch ob konkrete Tugenden wie Treue oder Pflichterfüllung inhaltlich richtig sind und beachtet werden sollten.[13]

Das gibt mir einen Grund, über meine Ethik nachzudenken (nicht über meine Moral, da war ich – wie ich jetzt weiß: berechtigt – immer kritisch am Begriff). Klingt doch gut: Ich bin moralisch, nicht ethisch. Für das Ladenschild „beratender Magier“ ist dann auch die Unterteile „ethische Beratung“ schon fast gebucht (und untendrunter ganz klein „Vayanna Völva – moralische, schamanische B-er/sie-atung – 300 Meter links“).

 

Dein Homo Magi

 

Wir bestrafen die Täter, aber wir lassen ihnen die Beute

 

Hallo Salamander,

 

im Moment kriege ich öfters ein Zitat von mir zurückgespielt, das ich über das III. Reich und den Umgang mit heidnischen Symbolen gesagt habe: „Wir bestrafen die Täter, aber wir lassen ihnen die Beute.“

Selbst ist man immer ein wenig unsicher, wenn es um die Frage geht, ob eine Äußerung klug oder weniger klug war. Bei diesem Satz muss ich aber sagen, dass ich damit sehr zufrieden bin. Genauso wie mit meiner Aussage, dass ich nicht bereit bin, den Nazis die Kombination aus Lagerfeuer, Sternenhimmel, Gesang und Fahnen zu überlassen. Vielleicht ist das ein Gefühl ganz tief in uns drinnen, dass uns diese Dinge suchen lässt. Oder es ist wirklich ein Rest von Volkstum, von Brauch und Sitte, der da durchschlägt durch Jahrzehnte und Generationen anderer Erziehung.

Egal ist eigentlich, woran es liegt. Richtig ist, dass wir als Heiden das III. Reich mental überwunden haben, ohne zu klären, was an deren Besitz älter und eher unser ist und was originär aus diesen Jahren stammt. Die Klammer geht hier weit auf – auf der einen Seite akzeptieren viele nordische Heiden heute noch Theorien/Gedankengänge aus dieser Zeit als richtig (ein paar Stichworte mögen genügen: Ausgrabungen an den Externsteinen, Reichsflugscheiben, Abteilung H, germanische Sondererinnerungen aus dem Rückenmark), ohne die Herkunft dieser Ideen zu hinterfragen. Auf der anderen Seite gibt es in der Gesellschaft immer noch eine Art ideologischer Abscheu gegen Dinge, die von den Nazis berührt worden sind (wobei sich das eigenartigerweise nicht auf den Kontakt zur Kirche, die Rolle des Schäferhundes oder die Autobahnen bezieht, sondern nur auf Liedgut und Zeremonien, also um Dinge, die vorher da waren, und die nur beschmutzt, aber nicht originär schmutzig sind).

Also beharre ich brav weiter auf meinem Satz: Wir bestrafen die Täter, aber wir lassen ihnen die Beute. Aber es besteht Hoffnung, dass hier ein Umdenken einsetzt. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

 

Dein Homo Magi

 

Ydalir

 

Hallo Salamander,

 

da legt mein alter Kumpel Isegrim einfach so ein weiteres Buch vor: „Ydalir – Runenmagie (Liber Paganus)“[14]. Runenmagie ist nicht mein Ding, aber das Buch hat mir trotzdem verdammt gefallen. Woran das liegt? An der Sprache, die meiner nahe ist, ohne meine zu sein. Und am Inhalt, der so schön distanziert-ironisch mit denen zu kommunizieren versucht, die bei der Magie nur schnelle Erfolge, Geldzauber und Feuerbälle suchen.

Ein Beispiel gefällig?

Wenn Du Dich durch die für Dich kreuzlangweiligen Dinge der Magie durchgräbst, also nicht nur die für Dich spaßigen Dinge tust, wirst Du ein Zauberer.

Anderfalls [sic] – NICHT.[15]

Oder:

Die Tarnjacke mit dunkler Hose ist die Robe des heidnischen Magiers.[16]

 

Ich bin kein Fachmann für Runen. Trotzdem habe ich das Werk mit Genuss durchgelesen. Angenehm für Menschen wie mich ist, dass in den „Vorreden“ klar geklärt wird, wie Magie verstanden wird und welche Begriffe benutzt werden. Das macht es mir einfacher, mich auf den Rest einzulassen. Und ich sage mal ehrlich: Ich habe das mit Gewinn getan.

Einziges Ärgernis: Das Lektorat hätte dringend einen weiteren Durchlauf verdient. Zu viele Schreib- und Satzfehler, dazu ab und an ein sinnentstellender Fehler. Ein Beispiel:

Wikinger drehten kurz vor der Heimkunft die Drachensteven ihrer Boote nach ihnen, um die Landwichte nicht zu erzürnen oder zu erschrecken.[17]

Gemeint ist wahrscheinlich:

Wikinger drehten kurz vor der Heimkunft die Drachensteven ihrer Boote nach innen, um die Landwichte nicht zu erzürnen oder zu erschrecken.

Ein wichtiger Buchstabe.

Aber das ist alles viel besser als die Optik der Bücher, die man noch vor 20 Jahren vorgelegt bekam – und die hatten nicht die Hälfte des Inhalts zu bieten wie dieses Buch.

So, weitermachen – und wer keine Lust auf „Hexe Cassandra in ihrer Zauberküche“, „1000 Tricks zu erotischen Magie“ oder „Odin in uns“ hat, der möge dieses Werk erwerben. Beschwerden an mich, Lob an den Autor.

Dein Homo Magi

 

Die Nacht des Dämonen

 

Hallo Salamander,

 

man kann die Zeit im erzwungenen Hausarrest auch nutzen, um alte Gruselfilme zu schauen. So erging es mir mit „Night of the Demon“. Muss man nicht kennen, ist aber meiner Ansicht nach einer der Klassiker des Genres. Kurz etwas zum Hintergrund:

Night of the Demon (aka Curse of the Demon) is a 1957 British horror film, produced by Hal E. Chester and Frank Bevis, directed by Jacques Tourneur and starring Dana Andrews, Peggy Cummins and Niall MacGinnis. It is adapted from the M. R. James story „Casting the Runes“ (1911).[18]

Zum Inhalt hier ein Auszug der Inhaltsbeschreibung:

Holden begins to feel more uneasy after a visit to Hobart's family to seek permission to hypnotise Hobart and find out about the death he is suspected of. The mother gives her consent but says that the family are 'believers.' As Holden leaves, the parchment is blown from his hand again. Hobart's family becomes fearful and declares Holden to be „chosen.“ Later, Holden compares the parchment's runes to ones inscribed on the nearby stone circle at Stonehenge.[19]

 

 

 

 

 

 

 

 Wenn man sich den Runentext auf Standbild[20] anschaut, findet man folgendes (siehe rechts).

Diesen Text kann man jetzt mit dem Runenalphabet relativ gekonnt übersetzen, wobei Fragezeichen im Text Zeichen sind, die ich nicht einfach als Rune einordnen konnte (Vorsicht, th ist ein Buchstabe):

j           um???fmu       muf?r?

jil         lr?fmlut           thua?r?l?

Egal, welcher Buchstabe das Fragezeichen in der zweiten Zeile im zweiten Wort ist (und es kann an Vokalen kein u und kein a sein) – weder Irefmlut noch Irafmlut oder Irofmlut ergeben irgendeinen Sinn (von der Endsilbe –fmu ganz zu schweigen).

Wenn wir jetzt Lautzeichen zuordnen, so brauchen wir für die zweite Zeile, zweites Wort einen Vokal (ich wählte das „E“, unten groß markiert; wegen der Häufigkeit sollte es die erste Wahl sein nach der Buchstabenverteilung), die „senkrechte Hecke“ (die ich mir kaum als Buchstaben vorstellen kann) als Bindestrich lesen, dem fünften Buchstaben im zweiten Wort auch einen Vokal zuordnen (das ich „fmu“ kaum vorne durch einen weiteren Konsonanten erweitern lässt – ich wählte das O), dann sind wir schon einen Schritt weiter:

j           umE-Ofmu      muf?r?

jil         lrEfmlut           thua?r-lE

Dem „halbierten S“ gab ich einen weiteren Vokal (I), da ich mir kaum vorstellen kann, dass ein so kompliziertes Zeichen wie der „senkrechte Blitz“ einen gängigen Vokal darstellt:

j           umE-Ofmu      mufIr?

jil         lrEfmlut           thuaIr-lE

Und noch ein wenig freihändig vervollständigen, und schon kennen wir die Zauberformel (oder einen Teil davon):

            j           ume-ofmu       mufls

            jil         irefmlut           thualr-ie

Sicherlich kann man das bei einer Anrufung mal unterbringen. Ist ja auch authentisch … seufz.

Dein Homo Magi

 

Sprechen mit Hunden

 

Lieber Salamander,

 

der Verlust der Vernunft wird offensichtlich augenblicklich immer mehr zu einem Problem.

Was durfte ich gestern in der Zeitung lesen?

Um Kontakt zu einem Tier aufzubauen – oder eine Unterhaltung zu beginnen – reicht es, wenn Heike Brünger ein Foto des Tieres erhält. Für sie ist es wichtig, dass das Tier allein auf dem Foto zu sehen ist. Dann nimmt sie mental Kontakt auf.

Anfangs zeigte sich die Verbindung zum Tier durch körperliche Reaktionen, die sich bei Brünger einstellten. „Ich fing zum Beispiel an zu frieren oder fühlte mich plötzlich unwohl.“ Mittlerweile geht der Kontakt laut Brünger tiefer. „Ich bekomme Wörter, ja sogar ganze Sätze übermittelt und sehe vor meinem geistigen Auge auch ganz klare Bilder. Dabei höre ich nicht wirklich Stimmen, sondern die Wörter und Sätze kommen in meine Gedanken“, sagt Brünger.[21]

Praxistext. Also: Man sende mir ein Tierfoto, ich fühle dann, was mit dem Tier ist. Foto Kanarienvogel Tweety, ich bekomme dann beim Anschauen ganze Sätze gesandt („mein Vogelfutter schmeckt Scheiße“, „wenn die Alte noch einmal »Traumschiff« schaut und ich muss zuschauen, dann stürze ich mich in den Tod“). Das funktioniert aber nicht verbal, sondern die Sätze bilden sich in den Gedanken – meinen Gedanken.

Pandemie-Zeit ist Sauregurken-Zeit. Da kann man einiges verstehen. Aber immerhin bleibt der Schlussabsatz versöhnlich:

Die Kommunikation mit Tieren ist ein strittiges Thema. Im Internet gibt es sowohl positive wie auch negative Erfahrungsberichte. Tierärzte bezeichnen solche Diagnosestellungen als fragwürdig und Wolfgang Hund, Okkultismusforscher, argumentiert, dass ein Gespräch nur stattfinden könne, wenn ein Tier eine Selbsterkenntnis habe. Das sei bisher aber nur bei einigen Affenarten, Delfinen und Elefanten nachgewiesen.[22]

Wolfgang Hund ist Lehrer und berät u.a. die GWUP[23], vielleicht nicht der Fachmann für Tierkommunikation, wenn ich das mal so höflich formulieren darf. Und Sätze wie „Im Internet gibt es sowohl positive wie auch negative Erfahrungsberichte.“ betreffen Tierkommunkation, Dildos und Toaster gleichermaßen.

Und wenn man ein wenig weiter sucht, wird man (viel zu schnell) auf Dinge hingewiesen, die man nicht glauben mag, wenn es um Tierkommunikation geht:

Bei der Tierkommunikation wird über telepathischen Kontakt eine Verbindung zwischen dem Tierkommunikator und dem Tier aufgenommen. Man kann sich das so vorstellen, dass ein Kommunikationskanal eröffnet wird für die Dauer des Kontakts. Über diese Verbindung werden Botschaften und Informationen zum Tier abgerufen und an den Besitzer weitergegeben. Ebenso können umgekehrt Informationen an das Tier übermittelt werden. Die empfangenen Botschaften des Tiers beinhalten subjektive wie auch objektive Informationen, die der Tierkommunikator vorher nicht wissen konnte und deren Quelle daher nur das Tier sein konnte.[24]

Oder vom „Bundesverband Tierkommunikation“:

Die natürliche, geerdete Lebenssichtweise der Tiere, statt Dogmen und starren Vorschriften, ermöglicht es, gestärkt und vertrauensvoll durch`s Leben zu gehen.[25]

Ich finde auch, dass man statt der starren Vorschriften der Verkehrsregeln eher mit der natürlichen Lebenssichtweise der Kröten an das Autofahren gehen sollte. Ich muss Schluss machen, ich will mit dem Neunachser heute noch bei Eisregen meine 200 Kilometer fahren – die Kröte sein mein Krafttier dabei, mit der ich dann auch telepathisch kommuniziere, gerne objektiv und in Gedankenbildern.

Dein Homo Magi

 

Willy mit der Mandoline

 

Hallo Salamander,

 

manchmal verfolgt einen die eigene (politische) Vergangenheit. Die Vergangenheit ist immer in der Gegenwart präsent, aber in diesem Falle ist es eigene eigenartige Mischung.

Irgendwie kam ich mal wieder in der Erinnerung zu dem ikonischen Willy Brandt-Bild, das ihn Mandoline-spielend, die Kippe im Mundwinkel zeigt. Für mich Bild einer Ära. Ich war elf Jahre alt, als das Bild „viral“ ging (so würde man das heute wohl nennen).

Die Neugier überkam mich: Woher stammt das Bild? Ein erster Hinweis kaum aus dem Laden, wo man das Poster kaufen kann:

Das Foto wurde 1976 von Henning von Borstell bei einer SPD-Veranstaltung (>>Mit Willy Brandt durchs Land<<) in einem Gasthof bei Bielefeld aufgenommen.[26]

Bei Bielefeld? Da wohne ich doch auch. Bin ich dahin gezogen, wo Willy damals war? Die Suche ging weiter, erfolgreich war ich dann bei der Friedrich-Ebert-Stiftung:

Als Willy Brandt sich bei einem Happening in einer Bonner Kunstgalerie von Andy Warhol auf Polaroid-Sofortbildern ablichten ließ, ahnte er wohl selbst, dass eines der Motive noch lange als Pop-Art-Siebdruck nachwirken würde. Fünf Monate später, während einer Wanderung durch den Teutoburger Wald, wird er in der sengenden Mittagshitze womöglich nicht einmal das Klicken der Kamera seines Mitarbeiters wahrgenommen haben, dessen Schnappschuss mit der Zeit Kultstatus erlangte und im kollektiven Gedächtnis der Sozialdemokratie regelrecht zur Ikone avancierte.

Für Willy Brandts dreitägige Wanderung im Juli 1976 durch Ostwestfalen-Lippe bemühen manche das Narrativ vom Ex-Bundeskanzler und SPD-Parteivorsitzenden, der sich von Genossen und Naturfreunden eine Exkursion organisieren ließ, um sich aus dem politischen Stress auszuklinken. Andere verweisen auf die anstehende Bundestagswahl und eine in der „Baracke“ generalstabsmäßig durchgetaktete Tour unter dem Slogan „Mit Willy Brandt durchs Land“. Vornehmlich war Brandt jedoch seiner eigenen Vergangenheit auf der Spur, da er bereits anno 1927/28 als Tertianer mit seiner Klasse über den Hermannsweg Richtung Weserbergland gestiefelt war. Für ihn ging es also zurück zu seinen Wurzeln in Lübeck, wo der junge Herbert Frahm in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung seine Ersatzfamilie gefunden und neben den Falken und der Sozialistischen Arbeiterjugend zuvor auch die Ortsgruppe der Naturfreunde auf dem Priwall, die Kindergruppe des Arbeiter-Turn- und Sportbunds und den örtlichen Arbeiter-Mandolinenklub kennengelernt hatte.[27]

Aber man muss weiterlesen, um dem Ort näher zu kommen:

Da selbst der Fotograf sich nicht mehr sicher war, wo genau Willy Brandt zur Mandoline griff, existierten zur Frage nach dem genauen Ort der Aufnahme praktisch so viele Antworten wie Rastplätze auf der Wanderroute von Bielefeld-Sparrenburg nach Bad Meinberg. So ruhte Willy Brandt im zeitlosen Jeanshemd vor zeitlosem Coca-Cola-Sonnenschirm nicht nur tiefenentspannt in sich, sondern er wirkte auch im geografischen Sinne sphärisch entrückt, was der Mythisierung des Motivs ebenfalls Vorschub leistete.[28]

Wir nähern uns Hinweisen auf Detmold, meinen Arbeitsort, denn dort liegt die genannte Adlerwarte:

Zunächst zum Datum: Das scheinbar zeitlose Motiv entstand am 17. Juli 1976. Henning von Borstell hat Brandt in genau demselben Hemd (das er in der Backofenhitze nur einmal getragen haben dürfte) mit einem Kordillerenadler auf einem Falknerhandschuh fotografiert, was auf dem im Willy-Brandt-Archiv liegenden Zeitplan der Wanderroute zur Adlerwarte Berlebeck am Abend des 17. Juli passt.[29]

An diesem Tag waren eingeplant: Oerlinghausen, Hermannsdenkmal und so weiter.[30] Und wo ist das Foto dann gemacht worden: Im „Forstfrieden“, am Rande von Detmold.[31]

Bei Gelegenheit muss ich da mal eine Wurst essen und mich der unbeschwerten Zeit erinnern, wo man noch politische Ikonen hatte, die etwas taugten. Ist lange her.

 

Dein Homo Magi

 

Drei Dinge

 

Hallo Salamander,

 

wie auch immer wir aus dieser Pandemie rauskommen, es gibt drei Dinge, die es für uns schwierig machen werden, wieder zur mentalen Normalität zurückzukehren.

1.      Wir haben in den letzten Jahren gelernt, der Wissenschaft zu vertrauen, weil viele Probleme so komplex geworden sind, dass wir sie nicht selbst verstehen/analysieren können. Bei Dingen wie komplizierten Klimamodellen, DNA-Strukturen und eben auch Viren-Mutationen sind normale Sterbliche wie wir „raus“. Hier rächt sich jetzt, dass die Wissenschaft es in der Krise nicht verstanden hat, uns verständliche Antworten zu liefern. Das verlorene Vertrauen wird so schnell nicht zurück zu erlangen sein.

2.      Der Rückzug der traditionellen religiösen Gruppierungen in der Pandemie war erschreckend, weil die Menschen merkten, dass Antworten auf „letzte Fragen“ (Tod, Krankheit, Verlust, Trauer) nicht von den christlichen Kirchen zu erwarten sind, weil deren Türen aus Angst vor Viren verschlossen bleiben. Das Heidentum hat es nicht geschafft, diese Lücke zu schließen. Dankbarerweise gibt es auch – soweit ich weiß – keine Heilungsangebote für Runen, die Viren verdrängen oder Rituale gegen Corona, aber was nicht ist, das kann ja (leider) noch werden. Aber als sinnstiftende Gruppierung hat das Heidentum leider fast auf ganzer Front versagt.

3.      Der Verlust der „Palaverrunden“ in der Kneipe, im Verein, beim zwanglosen Treffen führt dazu, dass die Entscheidungsfindung und das Diskussionsverhalten des normalen Bürgers stark gehemmt sind, der demokratische Lernerfolg der letzten Jahrzehnte kapituliert vor Online-Tools, die Partizipation simulieren, aber diese nicht liefern. Hier werden wir wieder lernen müssen, zu reden und – viel wichtiger – zuzuhören.

Ob das alles funktionieren wird … ich beobachte weiter.

 

Dein Homo Magi

 

Fragmentierung

 

Hallo Salamander!

 

Ich beobachte schon länger eine Fragmentierung der Gesellschaft anhand von mehr oder weniger willkürlichen Linien und Grenzen. Was in den letzten Monaten aber dazu kam, war die moralische Überheblichkeit, mit der sich bestimmte Kleingruppen in diesem Zeltlager der Mentalitäten zu Wächtern und Richtern über andere aufgeschwungen haben.

Die Systematik der Trennungen wird immer schwieriger nachvollziehbar. Diskutierten wir vor zwanzig Jahren noch, ob man Menschenaffen, Wale und Delfine in die große Gruppe der zu schützenden, sich selbst bewussten Wesen dazuzählen sollte, so ist das Pendel jetzt in die Gegenrichtung geschwungen.

Neben einer Teilung anhand von mehr oder weniger objektivierbaren Kriterien (die unsägliche Frage nach der Hautfarbe steht hier ganz oben) und der Zugehörigkeit zu einer benachteiligen oder bevorteilten Kultur/Gruppe/Religion (hier öffnet sich die Schere weit vom „Zigeuner“ zum WASP, dem „white anglo-saxon protestant“), neben der Fragen nach der Zugehörigkeit zu einem Geschlecht (mit allen Wahlmöglichkeiten dazu), der sexuellen Ausrichtung, kommen noch weiter Faktoren wie die politische Ausrichtung, das Sprachverhalten/die verwendete Sprache (vom gendern über Dialekte bis hin zu Muttersprache), Einkommen und Bildungsgrad; alles dies sind Faktoren, die Kanäle graben und Inseln erzeugen, auf denen die dort hausende Minderheit immer kleiner wird. Der heterosexuelle Mann mit deutschem Hintergrund (ich mochte nicht über „Menschen mit Nazihintergrund“[32] diskutieren, das ist unter meinem Niveau), der einen guten Bildungsabschluss besitzt und sich weigert, Sternchen oder andere Gender-Zeichen mitzusprechen (also: ich), der findet sich zwar auf einer nicht gerade kleinen Insel wieder, nachdem er erkannt hat, wo die Gräben liegen, die ihn von anderen Sapiens trennen – aber nähert er sich einem der Gräben, um diesen zu überqueren oder auch nur um zu versuchen, mit den Insulanern hinter dem Graben zu reden, so wird er schnell zu einer Summe seiner Defizite (nicht-fremd, nicht-farbig) anstatt zu einer Summe seiner positiven Attribute (redewillig, verhandelbar, neugierig).

Ich wäre sofort bereit, den Menschenaffen des Stimmrecht zu geben, selbst das Auszählen von nach Parteiemblemen geworfenen Bananen dürfte sinnhafter sein als die Diskussion ohne Netz mit doppeltem Boden, bei der ich alles falsch machen kann, und es keinen Weg hinaus aus dem Labyrinth der Zuordnungen gibt, der richtig ist. Bei den Bananen hingegen …

 

Dein Homo Magi

 

50 Jahre Sesamstraße

 

Hallo Salamander,

 

da wundert es einen nicht, dass ich die „Sesamstraße“ in so guter Erinnerung habe. Die Erstausstrahlung vor 50 Jahren harmonisiert gut mit meinem Aufwachsen; ich war sechs Jahre alt, als die ersten Folgen kamen. Vielleicht nicht mehr ganz Zielgruppe, aber die damalige Fernsehlandschaft war nicht so üppig, dass man auf eine belehrende und lustige Serie verzichten konnte.

Eigenartig ist es auch nicht, denn immerhin bin ich ein Freund der Phantastik. Und wem sprechende Puppen nicht genug sind, oder werden obskuren Humor von Sherlock Humbug nicht nachvollziehen kann, der sei darauf hingewiesen, dass die Schauspieler in der deutschen Sesamstraße[33] zum Teil sehr eigenartigen Vorleben auf der Leinwand hatten. Um das zu belegen, habe ich tatsächlich eine Liste angefangen:

·         Lieselotte Pulver (ab 1977): „Ein Spukschloss im Spessart“ (1960) und ähnliche „Highlights“.

·         Horst Janson (ab 1980): „Captain Kronos – Vampirjäger“ (1974), für mich einer der prägenden Vampirfilme meiner Filmschaulaufbahn.

·         Manfred Krug (ab 1983): „König Drosselbart“ (1965)

Die Übersicht klappte ganz gut, ich hatte noch einige Vorschläge. Aber umso mehr ich in die Mitte der 80er Jahre kam (ich wäre dann 20 Jahre alt als Zuschauer), umso obskurer wurde die Liste. Abgebrochen habe ich eigentlich mental schon 1980 (da war ich 15) bei Gerd Duwner (ab 1980) und seinen sonstigen Filmen wie „Der lüsterne Türke“ (1970)“[34] und „Die goldene Banane von Bad Porno“ (1971)[35].

Es gibt Dinge, die kann man nicht erfinden. Und ich bin dankbar, dass ich das damals nicht gewusst habe – und wenn man das thematisiert hätte … Man stelle sich heute vor, jemand würde in die „Sesamstraße“ einsteigen, nachdem er mit „Der lüsterne Türke“ erste Filmerfahrungen gesammelt hat. Meine einzige Entschuldigung: Es waren andere Zeiten. Ehrlich.

 

Dein Homo Magi

 

Viraler Datenschutz

 

Hallo Salamander,

 

vor einigen Tagen war ich beim Fotografen. Meine Frau hatte mir einen Gutschein für ein neues Pressebild geschenkt, und das musste dann endlich mal erstellt werden. Dankenswerter kann man ohne Maske fotografiert werden ... sonst wäre das kein schönes Foto geworden. Natürlich griff der Datenschutz – trotz einer telefonischen Anmeldung auf einen Gutschein hin, der schon mit dem Namen versehen war, musste man vor Ort noch einmal alle Angaben machen, die man so macht bei so Gelegenheiten. Mir wäre zwar unbekannt, dass sich der Virus bei Fotografen exorbitant ausbreitet, aber man weiß ja nie. Alles abgegeben, erledigt.

Dann ein Besuch im Möbelhaus. Der Umbau des Hauses fordert seinen Tribut, von daher war die Exkursion notwendig. Hier musste man einen Termin vereinbaren beziehungsweise vor Ort auf eine Lücke im Kalender hoffen. Dann das übliche: Personalausweise, Abgabe aller Informationen zwecks Erwerb von Matratzen und Blumentöpfen. Der Blumentopf-Kauf verknüpft sich bei mir auch nicht mit der Virenverbreitung, aber …

Heute dann ein Besuch bei der Post, um einige Pakete aufzugeben.[36] Man wollte zwar weder meine Personaldaten, aber die arme Frau vor mir versuchte am Schalter verzweifelt einen Dauerauftrag mit einer letzten Überweisung einzustellen. Ich weiß also jetzt, dass sie der Staatsanwaltschaft Bielefeld noch 69,72 Euro schuldet, dazu weiß ich, wie lange der Dauerauftrag lief und welchen Betrag sie bisher jeden Monat überwiesen hat. Die Summe konnte ich also durch einfaches Multiplizieren und Addieren herausbekommen, nur das Delikt ist mir weiterhin unbekannt. Datenschutz geht anders bei solchen Gelegenheiten, aber das war schon immer ein Problem der Post.

Zwischenfazit: Datenschutz findet nicht statt, aber die Datensammlung zur Corona-Bekämpfung ist immens.

Zwischendurch dann einen Besuch im Testcenter, weil man sonst keine Möbel kaufen kann, wenn man keinen tagesaktuellen Test hat. Stäbchen in die Nase, eine Stunde gewartet, siehe da: alles gut. Aber es gab keinerlei Aufklärung über den Datenschutz, das Ergebnis wird als PDF mit Klarnamen und Befund und Adresse und Geburtsdatum in eine „Cloud“ (wo auch immer die liegen mag) hochgeladen, damit man das PDF dann über das Mobiltelefon herunterladen kann. Hinweise zur Verwendung, Lagerung oder so: Pustekuchen.

Ich finde das erschreckend. Ich wüsste gerne, wer daran Interesse hat. Außerdem wüsste ich gerne, wofür die Frau so viel Geld an die Staatsanwaltschaft bezahlt hat.

 

Dein Homo Magi

 

Was machen wir nach Corona?

 

Lieber Salamander,

 

es ist wirklich schwer, sich zu überlegen, wie „das erste Ritual“ nach der Pandemie aussehen soll.

Müssen wir aufpassen, was das Herumreichen eines Horns für alle betrifft?

Müssen wir Berührung und Nähe wieder erlernen?

Müssen wir eine Kluft heilen, die sich auftut zwischen „Aluhutträgern“/Verschwörungstheoretikern, Impfgegnern, Corona-Opfern und deren Angehörigen und so weiter?

Bei dem Horn bin ich seit Jahren verhandelbar. Ich glaube, dass das Ausschenken aus einem großen Gefäß/Horn in einzelne Gefäße, die jeder mitbringt, akzeptabel ist. Außerdem kann man die Rolle des Ritualführers so gestalten, dass dieser ein großes Horn hat und für alle gemeinsam opfert. Unabhängig von Corona war schon in Grippezeiten das Herumreichen eines Horns „nicht mein Ding“, von daher bin ich hier verhandelbar und Vernunft-gesteuert.

Bei der Frage nach Berührung und Nähe wird es schwieriger. Ich erlebe zu oft, dass Menschen zögern, einem die Hand zu geben oder einen gar zu umarmen. Da ich selbst kein großer Umarmer bin, ist das für mich kein großer Verlust, wenn ich dies auf wenige Menschen beschränke, die mir wirklich am Herzen liegen. In der Vergangenheit wurde dies manchmal als Affront aufgefasst, aber so war es nie gemeint. Händeschütteln, das Hände-Halten im Kreis, das werden wir neu erlernen müssen. Und selbst wenn wir uns alle hektisch nachher die Hände mit Desinfektionsmittel abspritzen müssen, um Ruhe und Frieden zu liefern, bin ich dazu bereit.

Schwierig ist für mich die mentale Frage. Wie lange wird die Pandemie ihren Schatten über Gespräche werfen, wie lange werden ansonsten kluge Menschen zu Pseudo-Virologen, wie lange muss ich mir Inzidenzwerte im Freundeskreis an den Kopf werfen lassen. Diskutieren wir mit der selben Schärfe die Pille für Frauen, Rauchen oder schnelle Autos? Nein. Diese Schwere im Kopf müssen wir bekämpfen. Aber wie … ich habe noch keine Patentlösung.

Die Zeit heilt alle Wunden.

Oder: Die Sorgen von morgen mache ich mir morgen.

 

Dein Homo Magi

 

Hilferufe

 

Hallo Salamander!

 

Ich kann an keinem Bücherschrank vorbeigehen, ohne einen Blick hinein zu werfen. Manches Mal habe ich Glück und entnehme etwas, aber ich versuche genauso, immer wieder Bücher in die Schränke einzustellen.

Bei einem meiner letzten Besuche fand ich einen Roman von Ira Levin. Der Name des Autors war mir bekannt, aber hier zur Erinnerung:

Ira Levin wurde als Sohn eines Spielwaren-Kaufmanns geboren und wuchs in der Bronx und in Manhattan auf. Er studierte später an der Drake University in Iowa für zwei Jahre sowie an der New York University Philosophie und Englisch und beendete 1950 mit einem B.A. sein Studium. Nach der Universität diente er von 1953 bis 1955 im US-Army-Signalkorps. Anschließend arbeitete er für das Fernsehen, aber bereits mit seinem ersten Roman A Kiss Before Dying, 1954 mit dem „Edgar“ für den besten Erstlingsroman ausgezeichnet, gelang dem 24-Jährigen der Durchbruch.

In seinem Roman Rosemary’s Baby (1967) scheint eine junge Braut vom Teufel schwanger geworden zu sein. Die Erzählung wurde bereits im Jahr darauf von Roman Polański mit Mia Farrow in der Hauptrolle verfilmt.

Levin ist auch der Autor von Deathtrap (Todesfalle), des am längsten gespielten Theaterstücks am Broadway. Es ist die Geschichte eines alternden Theaterautors, der plant, einen jungen Rivalen zu töten und sein neues Stück Deathtrap zu stehlen. Von 1978 bis 1982 erlebte es 1.793 Aufführungen am Broadway. (…)

Der Titel des Romans The Stepford Wives (1972) fand sogar Eingang in den US-amerikanischen Wortschatz. Der Begriff „Stepford Wife“ und sogar „Stepford“ als Adjektiv, das im Sinne von roboterhaft oder gefügig verwendet wird, wurden in Englisch-Lexika aufgenommen. Einem breiten Publikum bekannt wurde auch Levins The Boys from Brazil (1976; verfilmt 1978 mit Gregory Peck und Laurence Olivier) [37]

Gefunden hatte ich „Die sanften Ungeheuer“, im Original 1970 erschienen. Ein Roman über eine perfekt kontrollierte, Menschen in gefühllose Roboter verwandelnde Gesellschaft der Zukunft. Guter Stoff, nett zu lesen.

Und dann fand ich mittendrin ein Stück Karopapier, ausgerissen aus einem Block. Darauf in sehr gut lesbarer Schreibschrift den Verweis „corona-ausschuss.de“. Ja, es ist eine von diesen vielen Seiten, wo es die Pandemie und die angeblichen oder nicht angeblichen Ursachen geht. Ich habe da mal eine Weile lang quer gelesen, interessant und deutlich besser als vieles andere zu dem Thema.

Aber eigentlich brauche ich für solche Empfehlungen keine Zettel in Büchern. Da erinnerte ich mich daran, dass ich immer mal wieder solche Hinweise in Büchern fand. Nein, nicht jene „liegen gebliebenen“ Postkarten oder Erinnerungszettel (Einkaufslisten sind ganz oben in meiner Aufzählung), sondern Hinweise auf „Jesus liebt dich!“-Veranstaltungen, Werbung für christliche Sondergemeinschaften und alle diese Dinge.

Aber Corona. Wie konspirativ muss man sich fühlen, wenn man in Bücherschränken Hinweise verstecken muss? Und wie verzweifelt muss man sein.

Ich habe weniger Angst vor dem Virus als vor den Dingen, die man unserer Gesellschaft mit der Pandemie-Bekämpfung antut. Ich benenne keinen Täter, weil ich nicht sicher bin, ob es da jemanden gibt, den ich als Täter benennen könnte. Aber ich verurteile die Kaltherzigkeit, mit der man jene abhängt, die man schon immer gerne abgehängt hätte.

Und ich wüsste gerne, wer und warum diesen Zettel geschrieben hat.

 

Dein Homo Magi

 

Die Zukunft liegt in den Karten

 

Hallo Salamander,

 

meine Versuche, durch Heidentum reich zu werden, waren schon immer zum Scheitern verurteilt, weil mir Gier und Skrupellosigkeit fehlten.

Aber vielleicht kann man ja das erzielen, ohne sich selbst zu verraten?

Meine neue Idee sind Heiden-Sammelkarten. Entweder als Sammelkarten-Ausgabe, so es normale, seltene und sehr seltene Karten gibt (so etwa „Gode, geduscht“ oder „nicht-vegane Wicca“), dazu Sonderkarten mit Extra-Fertigkeiten („geweiht von Drittgrad“). Natürlich wird das für Komplettsammler teuer, aber … das ist ja dann nicht mein Problem.

Wenn das nicht funktioniert, kann ich immer noch ein Heiden-Quartett vermarkten. „Drei Initationen – sticht!“ oder „10 Bücher – sticht!“ oder „wurde von jemand geweiht der von jemand geweiht wurde der von jemand geweiht wurde der Gardner kannte“. Das Ding könnte man mit schönen Zeichnungen machen, so leicht verfremdet, damit mich keiner verklagt (z.B. „Phönix“ statt „Voenix“ oder „Verwahrer“ statt „Bewahrer“ und „Allerherzengode“ statt … ihr wisst schon).

Sollte das nicht machbar sein, bleibt immer noch ein heidnisches Skat-Spiel. Bilder für die Damen und Könige, Traditionen-Bilder als As (und mit mir als Pik-Buben, man darf ja noch Wünsche haben).

Was meinst Du? 1000 Stück?

 

Dein Homo Magi

 

Die Musik endet

 

Hallo Salamander,

 

in den letzten Tagen sind zwei Menschen gestorben, die ich sicherlich als „musikalische Idole“ benennen kann. Ich stehe dazu, weil sie nicht jedermanns Geschmack getroffen haben (hüstel), aber so ist das halt, wenn man meiner Generation entstammt.

Mit 73 Jahren starb Jim Steinman. Nie gehört? Zitieren wir mal Wikipedia:

Steinman komponierte die Musik zu Tanz der Vampire und schrieb den Text zu Andrew Lloyd Webbers Whistle Down the Wind. Die Songs, die er für Bonnie Tyler schrieb, brachen mit ihrem vorherigen Country-Image. Er schrieb auch die beiden Songs, die unter dem Gruppennamen Fire Inc. für den Soundtrack zum Film Straßen in Flammen aufgenommen wurden. Interpreten seiner Songs waren unter anderem noch Billy Squier und Céline Dion.

Seine Songs sind dafür bekannt, dass sie von vielen Künstlern über Generationen hinweg interpretiert werden. So stammt der Song It’s All Coming Back to Me Now ursprünglich von dem Album Original Sin der Frauengruppe Pandora’s Box aus dem Jahre 1989. Sieben Jahre später wurde das Lied von Céline Dion gesungen, ehe es dann wiederum auf dem Album Bat Out of Hell III: The Monster Is Loose aus dem Jahr 2006 als Duett von Meat Loaf und Marion Raven interpretiert wurde. Weitere Beispiele: Left in the Dark wurde von Jim Steinman selbst, Meat Loaf und Barbra Streisand gesungen; der Meat-Loaf-Titel Read ’Em and Weep (1981) wurde zwei Jahre später ein Nummer-eins-Hit in den US-amerikanischen Adult-Contemporary-Charts für Barry Manilow.

Er prägte den Wagnerian Rock, wie er seinen Musikstil in Anlehnung an Richard Wagner selbst nannte. Seine bekanntesten Songs sind Meat Loafs Bat Out of Hell, I’d Do Anything for Love (But I Won’t Do That) und Bonnie Tylers Total Eclipse of the Heart.[38]

Muss ich erwähnen, dass „Straßen in Flammen“ zu meinen Lieblingsfilmen gehört? Und dass ich „Left in the Dark“ für eines der traurigsten und schönsten Lieder halte, die ich kenne?

Und dann: Les McKeown, tot mit 75. Der Name sagt einem wahrscheinlich nichts, wenn man unter 50 Jahre alt ist. Er war in den prägenden Jahren Sänger der „Bay City Rollers“. Okay, ich war jung.

Sicherlich ist die „Rollermania“ heute vergessen, aber damals …

In Großbritannien wurden die Bay City Rollers bezüglich der Sympathien oft mit den damals bekannten The Osmonds verglichen, musikalisch stellte man sie dagegen gerne auch auf eine Stufe mit The Sweet. Kultstatus erreichte die Band vor allem bei den weiblichen Fans, weshalb die Presse damals von der „Rollermania“ sprach. Konzerte und Fernsehauftritte waren oft durch eine auftretende Massenhysterie unter den Fans gekennzeichnet. Für erstauntes Unverständnis bei den Eltern der Fans sorgten die vielfach wiederholten Bekenntnisse der Rollers, wie die Bandmitglieder nunmehr genannt wurden, dass sie grundsätzlich keine Unterhosen trügen. Außerdem trugen sie ihre offenen Jacken fast immer auf nackter Haut.

Zwischen den vor allem weiblichen Fans der Rollers und Sweet tobte, angefacht durch Teenie-Magazine wie Bravo, über etliche Jahre eine Rivalität. Es galt als selbstverständlich, sich nur zu einer der beiden Bands zu bekennen und keinesfalls zu beiden.[39]

Von beiden gibt es Musikstücke, die mich zu bestimmten Zeiten massiv inspiriert haben – oder sogar eine Art Soundtrack zu meinem Leben bilden. Gefangen zwischen „Holding out for a hero“ und „You made me believe in Magic”, so könnte man meine Jugend beschreiben.

Danke den beiden!

 

Dein Homo Magi

 

Verlust des Dialogs

 

Lieber Salamander,

 

die Pandemie trifft jene schlimm, die bei magischen Handlungen auf die Existenz einer Gruppe angewiesen sind. Mir geht es da besser; zwar hängt immer noch nicht das Schild „Consulting Magician“ im Ladenfenster (damit auf Sherlock Holmes anspielend, wie dir sicherlich klar ist), aber ich bin gewillt und in der Lage alleine zu arbeiten.

Ich gebe zu, dass unser Bild vom Magier durch Gandalf, Merlin und Rumburak so geprägt ist, dass wir nicht wirklich vermuten, dass es Magier-Arbeitskreise gibt, in denen in Gesprächsgruppen diskutiert wird, was man gegen das Böse/die Gefahr/den Drachen tut. Gandalf ist da keine Ausnahme – er nimmt an den Gesprächen zwar teil, aber er lässt sich davon nicht beeindrucken. Um es etwas pädagogisch zu sagen: Er bringt sich nicht ein.

Jetzt kann ich nach einem Jahr Pandemie Rückschau halten und mir überlegen, was sich verändert hat. Und da gibt es einen klaren Verlust: den Klienten. Früher war es so, dass sich Menschen mir genähert haben, um Hilfe zu erhalten. Nicht alle haben das formuliert (obwohl ich das eigentlich als Grundvoraussetzung verlange), aber das Gespräch am Lagerfeuer über Familienplanung, Umgang mit Trauer und Schmerz, Verletzungen und Narben gehört zu meinem Jahresablauf. Gehörte, um der Wahrheit die Ehre zu geben.

Die elektronischen Medien eignen sich nicht dazu, starke Gefühle zu übertragen. Das Telefon ist hier noch am ehesten geeignet, weil es Emotionen doch mit der Sprache übermittelt. Aber hier fehlt zu viel – und der andere kann sich entziehen, legt auf, ist dann nicht mehr erreichbar.

Und man kann ihn nicht in den Arm nehmen.

Davon ausgehend, dass die Zahl der Probleme im letzten Jahr nicht abgenommen hat, führt ein Jahr ohne Problembearbeitung zu einem enormen Stau. Jetzt kann man aber davon ausgehen, dass die Zahl der Probleme um existentielle Fragen (Krankheit, Tod, Einsamkeit) eher zugenommen hat in dieser Zeit, unsere Antwortmöglichkeiten als Menschen einer „magic community“ aber abgenommen haben (die Antworten sind da, aber wir werden sie nicht los).

Das lässt schlimmes vermuten für die Zeit nach dem „lockdown“. Also noch einmal die Utensilien geputzt, die Sprache geschärft und die Zähne geputzt, dann kann es losgehen. Wie immer.

 

Dein Homo Magi

 

Musik

 

Hallo Salamander,

 

ich kann selten an dich über meine eigenen Werke schreiben. Ich bin, gerade was meine Texte betrifft, manchmal ein wenig unsicher, ob dir das alles gefallen wird. Von daher schweige ich lieber.

Aber wie einfach ist es, wenn jemand anders was mit meinen Texten macht. So geschehen bei der CD „Zur Magie“ von EiRagin. Ich kenne die beiden schon sehr lange (ich sage nicht, wie lange, das macht uns alle zu alt), aber als der Vorschlag kam, einige Texte von mir zu vertonen, war ich natürlich gebauchpinselt. Es wurden dann doch mehr als einige. Die CD enthält Umsetzungen von Gedichten zwischen 2009 und 2021, insgesamt 14 Lieder mit Gesang/Sprechtext und eine Akustikversion.

Die Bandbreite ist unfassbar breit, das liegt aber eher am fehlenden Fokus meiner Gedichte. Gelegenheitslyrik, von der ich aber hoffe, dass sich mich eher überlebt als meine Geschichten. Jedem seine eigene Illusion.

Aber die CD liefert von sehr persönlichen Texten („Ich trag den Gürtel eines Toten“ und „Wenn die Dämonen wieder nagen“) über allgemeine heidnische Themen („Dem Antares Lieder singen“, „Der Runen laut“ und „Nach dem Ritual“) bis hin zu meinen mystischen Geschichten („Im Haus des Gehängten schweigt man vom Strick“) einen schönen Querschnitt meiner Texte. Und gut anzuhören ist sie auch.

Wer ein paar Beispiele hören mag, findet diese online (http://grosssteingraeber.de/seiten/musik.php).

So, genug gelobt, ich versinke wieder in meiner Schüchternheit.

 

Dein Homo Magi

Rechte

 

Hallo Salamander,

 

vor 25 Jahren veröffentlichten mein Freund Klaus N. Frick und ich eine „Themenarbeit am Beispiel Christian Worch“ über „Wie faschistisch ist die Fantasy?“.

Damals erschien das im Rahmen des Science Fiction Clubs Deutschlands, weil uns sonst niemand drucken wollte (kein Scherz) und das Werk enthielt vier Fantasy-Erzählungen von Christian Worch ein langes Interview mit ihm und sechs begleitende Artikel, davon drei von mir, einer von Klaus, einer von Dirk van den Boom und einer von Christian Worch selbst.

Dann geriet das Werk in Vergessenheit – kein Wunder, gab es doch kaum Rückmeldungen, denn immerhin war der Tenor damals (wie heute): „Man spricht nicht mit Neonazis.“

Auf einmal ist das Thema wieder im Bereich Science Fiction interessant. Nach 25 Jahren verwirrt es mich auch immer wieder, wann das Werk erneut in der Diskussion auftaucht. Anfangs als Ärgernis bezeichnet („man spricht nicht mit Neonazis“), dann als Feigenblatt („ja, wir sprachen mit Neonazis, aber das war früher und wir haben es aufgearbeitet“), irgendwann als Mythos („wir hatten mal Leute, die schrieben darüber, dass sie mit Neonazis Kontakt hatten und wir haben das aufgearbeitet“).

Auslöser für die neue Beschäftigung mit dem Thema waren – mal wieder – Online Diskussionen. Ich selbst beteilige mich nur höchstselten an solchen Auseinandersetzungen. Alles Wissen, alle Erinnerungen, die weg sind, wenn der Strom ausfällt, reizen mich nicht so sehr. Auch ist die Nazi-Keule immer noch gegenwärtig – eine Kontaktschuld, welche den gemeinsamen Kaffee mit Christian Worch heute noch zum Schierlingsbecher der freien Meinungsäußerung macht.

Ich hatte gedacht, dass nach Thomas Wagners „Der Dichter und der Neonazi“ (über den Briefwechsel zwischen Erich Fried und Michael Kühnen, erschienen 2021) irgendjemand auf den Worch-Band zurückkommt. Aber da war Schweigen.

Natürlich ist es anders, wenn ein renommierter Dichter wie Erich Fried mit dem Neonazi Michael Kühnen Briefkontakt hatte (wir hatten beide als junge Männer nur Briefkontakt mit dem späteren Kühnen-Stellvertreter Worch, also …). Wagners Buch enthält unter dem Titel „Politische Soldaten“ den Bericht einer Begegnung mit Worch, dieser taucht in der Danksagung als erster auf: „Bedanken möchte ich mich zunächst bei Christian Worch für seine Auskunftbereitschaft.“[40]

Wenn wir das vor 25 Jahren geschrieben hätten, wir wären gelyncht worden. Aber Wagners Buch erscheint auch lange nach dem Tod Erich Frieds – die Distanz macht dann Unterhaltungen möglich und legitimiert sie, ist mein Eindruck.

Aber Fried hat doch eine gewisse Weisheit zu bieten, die uns damals fehlte: „»Es gibt keine Sache«, erläuterte Fried, »die so heilig ist, dass ihr gedient wird, indem man sich ihr zuliebe in ein Ungeheuer verwandelt.«“[41]

 

Dein Homo Magi

 

Es musste ja so weit kommen …

 

Lieber Salamander,

 

ich wartete ja lange auf das Anti-Corona-Mittel aus dem Fundus der Esoterik. Bestimmt habe ich ganz viel übersehen, aber das hier … darf man keinem vorenthalten:[42]

Wir arbeiten mit Hochtouren an einem energetischen frequenzierten Schutzspray/Raumspray, der uns vor den energetischen Übergriffen und energetischer mRNA Übertragung schützen kann ... und wir sind fast fertig ...

(…) Der energetische Schutzspray/Raumspray kann Sie bei täglicher Anwendung schützen vor:

·         Transhumanismus

·         Übergriffe und Aggressionen der KI-Steuerung von seelenabgetrennten Menschen

·         Übertragung von feinstofflichen Aerosolen in die Energiekörper, durch chron virale Infektionen der Umgebung

·         energetischer DNA Umbau durch VAC-GOO, (schützt nicht bei grobstofflicher Blutübertragung, sowie Übetragung [sic] von grobstofflichen Körperflüssigkeiten in denen VAC-GOO/White GOO enthalten ist)

Desweitern können gefördert werden:

·         die hohschwingende [sic] Herzfrequenz und Stabilisierung das Herz-Chakra

·         Frieden, Entspannung und Ruhe

·         harmonischer Übergang u. Begleitung in die 5. Dimension

 

·         100 ml für 16,99 € incl. 19% Mwst

 

Inhaltsstoffe: 58 % reinstes Wasser in Bergquellwasserqualität, 20 % Rosenwasser (Bio-Rosenwasser v. Amla Natur GmbH), 20% Alkohol (99,5 % Isopropylalkohol v. Spinnrad), Spagyrik nach Dr. Zimpel 2 % (Phylak Sachsen, PS.BV03), Rosenquarz (…)

 

Anwendung: nicht zur inneren Anwendung geeignet

Dosierung: morgens u. abends je 4 Hub i.d. Aura oder bei mehreren Personen im Haushalt in den meist frequentierten Wohnraum sprühen

 

Gegenanzeigen: bei bekannten Allergien auf einen der oben genannten Inhaltsstoffe, sowie bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Frequenzierung (Bioresonanz, Metavital, Radionik)

 

Nebenwirkungen: keine bekannt

 

Warnhinweise: nicht in Feuer sprühen

 

Rechtliche Hinweise: Frequenzgeräte und deren Wirksamkeit sind schulmedizinisch in Deutschland nicht anerkannt und ersetzen keine medizinische Diagnose bzw. Untersuchung und Behandlung bei einem Arzt oder Heilpraktiker.[43]

Immer schön in die Aura sprühen! Und schon ist man vor dem Umbau der DNA geschützt und wird bei dem Weg in die fünfte Dimension begleitet. Jubel!

 

Dein Homo Magi

 

Manchmal gibt es Absätze …

 

Hallo Salamander,

 

es war ein ungewöhnlicher Fundort, das gebe ich zu. Da hatte ich mir für ein nettes Wochenende mal wieder C. S. Lewis ins Haus geholt, aber nicht „Narnia“ oder etwas darüber oder über ihn und Tolkien … sondern seine Autobiografie „Überrascht vor Freude“. Für kleines Geld gab es eine „limitierte Jubiläums-Edition“ zum 100. Verlagsjubiläum, die habe ich dann erworben.

Machen wir es kurz: ich habe es nicht bereut. Klare Sprache, sichere Urteile. Unter anderem auch das folgende Zitat, das mich so begeistert hat, dass ich es dir nicht vorenthalten will:

Dass das gewöhnliche Interesse an Science Fiction eine Angelegenheit für die Psychoanalytiker ist, wird durch die Tatsache erhärtet, dass diejenigen, die sie mögen, sie auf diese heißhungrige Art mögen, und gleichermaßen durch die Tatsache, dass diejenigen, die sie nicht mögen, oft gerade angewidert davon sind. Der ekel der einen ist von derselben derben Stärke wie das faszinierte Interesse der anderen und ist ebenso verräterisch.

Dem ist nichts hinzufügen.

 

Dein Homo Magi

 

Corona-Ende

 

Hallo Salamander,

 

wenn man mich eines Tages fragen wird, wann die Corona-Epidemie für mich nicht mehr Nerv-Faktor Nummer 1 war, dann habe ich eine Antwort. Das ist wie bei Trauer oder Zahnschmerzen. Erst denkt man, es geht nie vorbei. Dann wird es handhabbar und irgendwann kommt der Tag, an dem man feststellt, dass man einen Tag nicht mehr daran gedacht hat, was so schlimm schmerzte.

Soweit bin ich bei der Pandemie nie gekommen, weil ich nicht zugelassen habe, dass sie so nahe an mich herankam. Aber nicht deswegen, weil ich Viren und Impfungen oder Viren oder Impfungen leugne oder ignoriere oder für ein Werk des Teufels (lies: Bilderberger, Bill Gates, jüdische Weltverschwörung) halte. Dafür bin ich – Entschuldigung – zu intelligent.

 

Letzten Samstag schien die Sonne. Ich ging ohne Maske die Fußgängerzone entlang. Auf einmal hörte ich Musik. An einer elektronischen Orgel saß ein junger Mann mit Sonnenbrille und spielte gegenüber dem Buchladen Musik, so dass man dort in den Bücherkisten suchen und Musik hören konnte. Dann erklang „Somewhere over the rainbow“ aus der Orgel.

Für einige Augenblicke war ich gebannt. Ich hätte keiner Schildkröte mit einem Baseballschläger ausweichen können, so langsam war mein Gehirn geworden, gefangen im Grinsekatzenflair von Oz und Narnia und den mittleren Königreichen, abgelenkt vom Hier und Jetzt durch den Panflötenklang ferner Welten, das ätherische Spiel der Äolsharfen.

Dann nahm ich einen netten Geldschein, platzierte ihn im Sammelhut des Musikers und schwebte beschwingt davon.

 

Da war es zu Ende. Genau in diesem Moment, obwohl mir das erst später klar wurde. Der Haken rutschte aus meinem Fleisch, die Harpune wurde zurückgezogen, ich war frei und glücklich und da und dort, wo auch immer das sein mag.

 

Dein Homo Magi

 

Verwandtschaft

 

Lieber Salamander,

 

kürzlich habe ich mich mal wieder mit der Frage von Verwandtschaft und Familie beschäftigt – ohne tieferen Anlass, nicht einmal als Teil einer Diskussion zur Abgrenzung zwischen Wahl-Verwandtschaft und Bluts-Verwandtschaft.

Ich halte mich hier klar an das geltende Recht bei der Definition der vermittelnden Geburten.[44] Folgt man dem Ansatz, dann muss ich zwar eine Weile herummalen, um eine Struktur in meine Familie zu bekommen, aber man kommt zu lustigen Ergebnissen (zumindest ging es mir so).

Eine Geburt entfernt von mir ist nur noch meine Mutter – ich habe keine biologischen Kinder, mein Vater ist verstorben. Mit meiner Mutter habe ich vorgestern telefoniert, also ist hier alles in Ordnung.

Zwei Geburten von mir entfernt sind meine beiden Geschwister. Mit meinem Bruder habe ich gestern telefoniert, die andere Seite ist absent.

Diese Teilung zieht sich weiter bei der Entfernung von drei Geburten. Hier gibt es fünf Personen: zwei Neffen mit gutem Kontakt, die anderen Neffen und der eine Onkel (ich hatte nie mehr, meine Mutter ist ohne Geschwister, meine Tante väterlicherseits verstarb als Kind) sind absent.

Jetzt wird die Menge dann wieder kleiner, weil die Eltern-Geschwister-Verknappung natürlich hier dazu führt, dass eben nicht nicht-existenten Linien keine weiteren Verwandten auftauchen können. Aber mit vier entfernten Geburten bin ich bei den Ehepartnern meiner Geschwister und dem Kind meines Onkels. Aber so richtige Mengen werden das auch nicht.

Das ganze wird erst unfassbar breit, wenn man dann in der Generation meiner Großeltern weiter schaut. Die hatten alle Geschwister (neun auf der Ebene meiner Großmutter) und fast alle hatten Kinder. Wenn meine Mutter tot ist, kann kein Mensch mehr identifizieren, wer das auf alten Fotos ist (ich versuche, möglichst viel davon zu retten, aber …).

Achja, jetzt wird mir doch klar, warum ich darüber nachdenke. Am Wochenende war Mittsommer und wir haben auf die Ahnen getrunken. Ein Teil von mir ging also suchen.

Aber das Ergebnis für mich ist, dass ich eine Blutsverwandtschaft habe, und ich stehe zu denen, die zu mir stehen. Bei allen anderen … hoffe ich darauf, dass sie nicht in Folkwang sitzen werden.

 

Dein Homo Magi

 

Papierbeschaffung

 

Hallo Salamander,

 

bei einer Arbeit zur Beschaffung des Papiers für Pässe denke ich an jemand, der die Aufgabe hat, bei der Bundesdruckerei nachzufragen und immer wieder stapelweise Papier zu besorgen, das man dann vor Ort bedruckt,

Pustekuchen Ich habe jetzt gelernt, dass man als „Sachbearbeiter/in Papierersatzbeschaffung“ (natürlich m/w/d, aber es gibt wohl keinen diversen Berufstitel dafür) sehr wohl Arbeit findet.[45]

Die Stellenbeschreibung erinnert mich mehr an Kafka als an tatsächliche Stellenbeschreibungen[46]:

Ihre Aufgabe im Team „Passersatzpapierbeschaffung“ besteht dabei im Wesentlichen aus folgenden Tätigkeiten:

·         Passersatzpapierbeschaffung für ausreisepflichtige ausländische Personen

·         Zusammenarbeit und Kontaktpflege mit den zuständigen diplomatischen und/oder konsularischen Vertretungen der Herkunftsländer bzw. zuständigen Innenbehörden

·         Identitätsklärung bei ausreisepflichtigen Ausländerinnen und Ausländern

o   Auswertung der Ausländerakten

o   Informationsbeschaffung über die örtlich zuständigen Ausländerbehörden, deutschen Auslandsvertretungen oder Vertrauensanwälte

o   Befragungen

·         Aufnahme von Passersatzpapieranträgen

·         Organisation und Durchführung von Einzel- und Sammelvorführungen

·         Beratung der örtlichen Ausländerbehörden in allen Fragen der Passersatzpapierbeschaffung

·         Einleitung von Personenfeststellungsverfahren im Ausland

Die Entlohnung lässt sich sehen.[47] Das wäre noch eine Tätigkeit, für die ich mich als Sohn eines Papierkaufmanns bewerben könnte. Oder doch nicht, wenn ich mir das überlege. Aber wenn ich die Stelle hätte, würde ich erst einmal drei Tage lang vor dem Spiegel meine Berufsbezeichnung auswendig aufsagen lernen. Damit ich Menschen wie mich korrigieren kann, die glauben, dass es bei der Passersatzpapierbeschaffung um die Beschaffung von Papier für Passersatz handelt. Warum auch, wäre zu einfach.

Achja, ich bin jetzt zuständig für Zauberspruchersatzpapierbeschaffung. Die Kosten sind immens, aber es lohnt sich auch.

Anfragen an die übliche Kontaktadresse.

 

Dein Homo Magi

 

Orgon

 

Lieber Salamander,

 

ich beschäftige mich seit meinem Sozialarbeit-Studium vor über 30 Jahren mit Wilhelm Reich. Zuerst nicht mit seiner Auseinandersetzung mit UFOs oder der Orgon-Energie, sondern mit seinem antifaschistischen Engagement und seinen Wahrnehmungen zur Massenpsychologie des Faschismus (so der Buchtitel, der mich damals im Buchladen angelockt hat).

Als ich dann auf einem Wühltisch das Buch von Jürgen Fischer „Der Orgon-Energie-Akkumulator und weitere Orgongeräte nach Wilhelm Reich“ fand, war ich bereit für 1,19 Euro das Risiko einzugehen. Hätte ich nur meine Finger (und meine Börse) stillgehalten. Da bezieht sich der Autor tatsächlich auf „mediale Gespräche mit Wilhelm Reich“[48].

Ich habe dann auf seiner Internetseite weitergelesen und schwanke zwischen Erheiterung und Verwirrung. Beispiele gewünscht? Bitteschön:

Die 22 sehr ausführlichen medialen Gespräche mit Wilhelm Reich und Hildegard von Bingen habe ich von 1995 bis 1997 mit zwei Medien in Südfrankreich geführt.

Die medialen Gespräche hatten zum Teil sehr konkrete Inhalte, weil darin ganz handfeste neue Inhalte vermittelt wurden, die sich im Engel-Energie-Akkumulator und im Orgon-Energie-Transformator auch materiell manifestierten. Außerdem wurden viele Themen angesprochen, die sich auf Reichs ehemalige Arbeit und auf seine Sichtweise von der jenseitigen Warte aus bezogen.[49]

Oder hier zur Tätigkeit im Jenseits:

Wilhelm Reich, der Psychoanalytiker, Arzt und Wissenschaftler – Enfant Terrible der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts – meldet sich aus dem Jenseits wieder. Dort arbeitet er mit einer Gruppe von Ärzten, Wissenschaftlern und Philosophen – auch Hildegard von Bingen ist dabei. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind sehr konkret und lassen sich im Diesseits umsetzen: es geht um die Weiterentwicklung orgonomischer Geräte und es geht ihm darum, die Menschheit auf ein höheres energetisches Niveau zu bringen, um sie auf kommende geistige und seelische Entwicklungen vorzubereiten.[50]

Der Mann, den ich für seine Einschätzung der Strukturen des Faschismus verehren gelernt habe, wird hier zu einer Art „aufgestiegenen Meister der Physik“, der verquaste Theorien zum Besten geben darf. Ein letztes Beispiel:

Ein weiteres Gerät ist der Orgon-Energie-Transformator, ein kleiner Engel-Energie-Akkumulator. Er soll dazu dienen, feinstoffliche Informationen zu übertragen, also z.B. homöopathische Mittel, Blüten-Essenzen usw. Dabei stellen die Engel eine spezielle Energie zur Verfügung, die diesen Übertragungsprozeß rein halten und negativ-Informationen ausfiltern. Dieses Gerät soll (…) dazu dienen, alle Körper (den grobstofflichen und alle feinstofflichen Aurakörper) zu reinigen. Er kann auch dazu verwendet werden, Gewässer – oder besser: alles Wasser der Erde – zu reinigen. Weiterhin sind mit diesem Gerät viele Funktionen möglich, die aus der Radionik, dem wissenschaftlichen Begriff für feinstoffliche Energiebehandlung, bekannt sind.[51]

Ich muss doch ein paar Worte dazu verlieren.

Erstens: Die Mischung Engel, Feinstofflichkeit, Wilhelm Reich, Homöopathie, Aura, Radionik ist schon ein großer „catch all“, aber ich vermisse Delphine, Zigeuner oder Hawaii und eine erneute Erwähnung von Hildegard von Bingen. Da ist noch Potential.

Zweitens: Wundervoll die Info, dass Engel eine Energie bereitstellen, die einen Übertragungsprozess filtert. Wie filtert man mit einer Energie?

Drittens: Radionik, hier als wissenschaftlicher Begriff eingeworfen. Dazu abschließend kommentarlos die ersten Zeilen von Wikipedia dazu:

Die Radionik ist eine wissenschaftlich nicht belegte Heilmethode, die der Esoterik zugeordnet wird. Sie wird von ihren Anwendern auch als Energiemedizin oder auch der Informationsmedizin bezeichnet. Der Begriff „Radionik“ bezieht sich nach dem Buchautor Edward Russell dabei auf die Annahme, dass der menschliche Organismus auf Radiowellen reagieren soll, die angeblich Träger aufmodulierter „Heilinformationen“ sein sollen.

Die Radionik wurde von dem Pathologen Albert Abrams (* 1863 in San Francisco, † 1924) um 1920 in den USA begründet, damals noch unter dem Kürzel ERA (Electronic Reaction of Abrams). Abrams wurde dafür von der American Medical Association als „the dean of twentieth century charlatans“ (dt. Dekan der Quacksalber des 20. Jahrhunderts) bezeichnet.[52]

 

Dein Homo Magi

 

Fürstenhochzeit im Exil

 

Hallo Salamander,

 

nach Monaten der Abstinenz konnte ich endlich in einem Ärzte-Wartezimmer einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgehen: Entspannt konnte ich in einem Glamour-Magazin Neuigkeiten über die Welt der adeligen Schönen lesen.

Es gibt wenige Menschengruppen, bei denen sich Abscheu, Verachtung und eine naive Begeisterung für das selbstgewählte Schicksal so sehr mischen wie beim europäischen Hochadel. Machen wir uns nichts vor: Eines der Versäumnisse der Nachkriegszeit zum 1. Weltkrieg ist die fehlende Umsetzung der kompletten Enteignung der adeligen Familien samt Abschaffung aller Titel und Sonderrechte. Man kann nicht alles haben, aber es ist schon erstaunlich, wie sich hier viele Adelsfamilien ihre Vergangenheit zurechtzimmern, wie es ihnen gerade gefällt. Ein Beispiel muss genug: Die deutschen Kaisererben möchten gerne „ihr“ Vermögen zurück, aber die Mitschuld ihres kaiserlichen Vorfahren am ersten Weltkrieg und die Mitwirkung ihrer Familienmitglieder bei Propagandaveranstaltungen der Nazis werden ignoriert. Überhaupt: „ihr“ Vermögen? Was ist davon selbst erarbeitet und ehrlich erworben?

Aber im Wartezimmer ist mir da alles egal. Da gibt es den Kurzkrimi (eine Seite lang) neben der Anzeige für Prostatatropfen, der Treppenlifter funkelt auf dem Foto neben dem Hochadel, der heiratet, sich scheiden lässt und überhaupt schreckliche Probleme zu erleiden hat (der Dackel stirbt, die Cousine muss zur Wurzelbehandlung oder die Exfreundin benimmt sich schlecht). Dann kommen Fotos von Bällen, wo Töchter von Adeligen Söhne von Adeligen treffen, sich dabei wie auf einer Hundeschau die Stammbäume vorhaltend.

Man könnte meinen, diese Zeitschriften machen Retro-Werbung für die Revolution von 1918/1919, indem sie in bunter Vielfalt darstellen, welche tausend Gründe dafür sprechen, Titel und Namen und Sonderbesitz von Adeligen mit Stumpf und Stiel auszureißen. Wäre mir Recht, ist aber nicht mehrheitsfähig.

Wenn mich dann einer fragt, was stattdessen in den Schmonzetten stehen soll, so antworte ich: „Schlagersänger“. Die sind billiger, historisch nicht belastet und auch unterhaltsamer. Ein Beispiel sei der Titel des Briefes, den ich dem Werk von Fräulein Menke entnommen habe.[53] Das wäre mal ein Titel für eine Kolumne der Zukunft, die ich gerne lesen würde … aber wenn es auf der Welt keinen Adel mehr gäbe, dann gäbe es auch nirgendwo ein Exil für sie. Also bleibt das utopische Element Phantasie übrig. Wie immer. Leider.

 

Dein Homo Magi

 

Der rote Elf der Morgenröte

 

Hallo Salamander,

 

ich war mal wieder bei Archive.org unterwegs, um Literatur zu suchen (nicht nur über Delling …). Dabei fand ich auch „Teutonic Myth and Legend“ von Donald A. Mackenzie kostenfrei online.[54]

Das Werk trägt den Untertitel „An Introduction to the Eddas & Sagas, Beowulf, The Nibelungenlied etc.“ und halt als Druckort New York, als Erscheinungsjahr 1934. Aber der Druckort macht es – soweit ich das beim Querlesen verifizieren konnte – erträglich Deutschtümelei-frei.

Die Suche nach Delling-Hinweisen ist in diesem Werk aber eine eigenartige Queste. Was muss ich da lesen:

(…) we have the beneficent northern Night-goddess Nat, daughter of Mimer (Wisdom) and sister of Urd (Fate). She brings to mankind refreshment and inspiration. Her lover is Delling, the red elf of dawn, and their son is Dag (Day).[55]

Der rote Elf der Morgenröte. Das klingt eher nach einer Werbung denn nach einem nordischen Text. Aber da geht noch was, wenn es um meinen Grad der Verwirrung geht:

Now Nat, which is Night, is the swarthy daughter of the Vana-giant Narve, “the Binder”, whose other name is Mimer. Dark is her hair like all her race, and her eyes are soft and benevolent. She brings rest to the toiler, and refreshment to the weary, and sleep and dreams unto all. To the warrior she gives strength so that he may win victory, and care and sorrow she loves to take away. Nat is the beneficent mother of gods. Three times she was wed. Her first husband was Nagelfare of the stars, and their son was Aud of bounteous riches. Her second husband was Annar, “Water”, and their daughter, Jörd, the earth-goddess, was Odin’s wife and the mother of Thor. Her third husband was Delling, the red elf of dawn, and their son was Dagr, which is day.[56]

Damit ist Delling der Stiefschwiegervater von Odin. Auch eine schöne Rolle.

Es geht noch obskurer:

Over a long green plain went Odin, while the hoofs of Sleipner rang fast and clear, until he came to a high dwelling, the name of which is Heljar-ran, of which the keeper is Delling, the Red Elf of Dawn. Therein have their Hela-home the fair Asemigir-Lif and Lifthraser and their descendants who shall come at Time’s new dawn that shall follow Ragnarok to regenerate the world of men.[57]

Seufz. Es gibt das Buch als Reprint. Da muss ich wohl durch, sonst erschließt sich mir das nicht in diesem Leben. Danke, Delling. Seufz.

 

Dein Homo Magi

 

Urgroßväter

 

Hallo Salamander,

 

unsere sommerliche Reise in das Land unserer Vorfahren – die Eifel – musste wegen der Überschwemmungen ausfallen. Meine Gedanken sind bei den Menschen, die dort alles verloren haben … aber ich will hier nicht zu Hilfsaktionen aufrufen, das ist die Aufgabe anderer Gruppierungen (und meine private Reaktion spielt hier keine Rolle).

Stattdessen nutzte ich die Zeit, um mich an einem neuen Fund zu ergötzen: „Das romantische Moseltal“, ein Reiseführer durch das Moseltal samt einer Einführung meines Urgroßvaters. Jener Hermann Ritter (von mir immer Hermann Ritter I genannt) hat auf meiner Internetseite genug der Würdigung erfahren[58], aber ich bin immer noch auf der Suche nach Werken aus einer Feder.

Also suche ich regelmäßig (und nicht aus privater Eitelkeit) nach Werken in den einschlägigen Online-Katalogen. Wenn mir etwas fehlt (was sehr selten geschieht), dann bestelle ich. Für manche Versender mag es eigenartig erscheinen, dass Hermann Ritter Bücher von Hermann Ritter ankauft.

Die Deutsche Nationalbibliothek hat mich auch einmal angefragt, ob ich Titelschutz/Tantiemen für meine vor dem Ersten Weltkrieg veröffentlichten Werke beanspruchen will. Ich habe geantwortet, dass mir mit meinen 126 Jahren finanzielle Dinge nicht mehr so wichtig sind. Sie haben nicht mehr geantwortet.

Ich habe das Titelbild und das Werk über das Moseltal in meiner Übersicht verschlagwortet[59]. Aber ich bin (egal was andere glauben mögen) kein unsterblicher Alchemist, der sich nach einer Karriere als Heimatschriftsteller jetzt als Science Fiction-Autor (im Nebenerwerb) herumschlägt. Was ganz anderes ist das mit den Bildern aus dem 14. Jahrhundert, die mir sehr ähnlich sehen … „das sind nicht die Druiden, die ihr sucht!“

 

In diesem Sinne, Dein Homo Magi

 

Der Verlust des Vorlesens

 

Lieber Salamander,

 

habe gerade ein Buch samt Vorwort mit Gender-* gelesen. Dabei fiel mir auf, dass eines dabei auf der Strecke bleibt: Das Vorlesen. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass man solche Texte liest, ohne dabei mental zu stolpern. Aber Vorlesen … das geht nicht.

Man überlege sich einmal, wie die „Volüspa“ der „Edda“[60] zu lesen wäre:

 

Völuspâ. Der SeherIn Ausspruch.

 

1

Allen EdelInnen gebiet ich Andacht,

Hohen und Niedern von Heimdalls Geschlecht;

Ich will Walvaters/Walmutters Wirken künden,

Die ältesten Sagen, der ich mich entsinne.

2

RiesInnen acht ich die UrgeborInnen,

Die mich vor Zeiten erzogen haben.

Neun Welten kenn ich, neun Äste weiß ich

An dem starken Stamm im Staub der Erde.

3

Einst war das Alter, da Ymir lebte:

Da war nicht Sand nicht See, nicht salzge Wellen,

Nicht Erde fand sich noch Überhimmel,

Gähnender Abgrund und Gras nirgend.

4

Bis Börs Söhne/Töchter die Bälle erhuben,

Sie die das mächtige Midgard schufen.

Die Sonne von Süden schien auf die Felsen

Und dem Grund entgrünte grüner Lauch.

Meine arme Zunge würde beim Vorlesen kapitulieren. Bin ich jetzt genderfeindlich eingestellt oder sage ich nur, dass das beim Vorlesen schwierig wird? Mag jeder selbst entscheiden. Ich bin des Streites müde.

 

Dein Homo Magi

 

Visonen

 

Hallo Salamander,

 

heute reden wir mal über Visonen. Das ist keine Krankheit, sondern das sind mystische Mitteilungen, die man bekommt, wenn man die richtige Person fragt. Die habe ich jetzt online entdeckt und bin begeistert von den Visonen, die mir geliefert werden.

Immer daran denken:

GOLDENE BULLE ÖFFNET DIE WEGE ZU REICHTUM, GELD, CHANCEN, LIEBE, ERFOLG UND UNENDLICHER GLÜCKLICHKEIT!![61]

Es geht hier (leider) nicht um die als „Goldene Bulle“ bekannte Gesetzessammlung des Deutschen Reiches.[62] Sondern es geht um die Visonen dieses mächtigen Mannes:

Der Goldene Bulle wurde im Herzen des Tals des wilden Pumas (USA) geboren, gerade als die Sonne über dem Horizont erschien. In diesem Augenblick wusste sein Stamm, dass gerade ein außergewöhnlicher Mensch geboren worden war. Alle wilden Tiere zeigten ihre Freude und ihren Respekt. Die wilden Pferde bäumten sich auf, die Bisons klopften mit ihren schweren Hufen auf den Boden, und am klaren Himmel kreisten Dutzende von Weißen Adlern, die schrill schreien, um ihren Respekt zu zeigen.

Die indische Welt zitterte vor Freude und Hoffnung.[63]

Das mit der indischen Welt würde mich bei einer Indianer-Geburt in den USA überraschen, aber vielleicht soll es ja indianische Welt und nicht indische Welt heißen … Weiter:

Von dem Zeitpunkt an, als er auf die Welt kam, wurde der Goldene Bulle vom Großen Boss ausgewählt, um die mächtigsten schamanischen Kräfte zu erhalten.[64]

Das mit dem großen Boss steht da wirklich. Aber weiter:

Schwarzbär und Berg Puma, der Großvater und Vater des Goldenen Bullen, zogen ihn auf und waren dafür verantwortlich, ihn so zu erziehen und zu lehren, dass er auf seine große Mission vorbereitet wurde, die sein ganzes Leben lang andauern sollte: die edelherzigen Männer auf dem Weg zu Überfluss, Liebe, Glück, Geld und reinem, immerwährendem Glück zu führen und zu unterstützen![65]

Der Berg Puma oder der Bergpuma? Macht einen kleinen Unterschied in der Familiengeschichte. Und ob es heutzutage noch in Ordnung ist, wenn er nur Männern hilft – geht es hier mal wieder um die leidige Unterscheidung zwischen „man“ und „men“ im Englischen? Zurück zum Bullen, denn etwas später wirft er wieder Völker und/oder Kontinente durcheinander:

Mit den intensiven Kräften, die der Big Boss ihm im vollen Vertrauen anvertraut hat, kann er die bösen und hinterhältigen Geister vernichten, die um Sie kreisen und Ihr Leben ruinieren. Pech, finanzielle Schwierigkeiten, Angst vor der Zukunft... Goldene Bulle fängt all Ihre Probleme ein und wirft sie in das brennende Herz böser Orte, von denen sie nie wieder zurückkehren werden. Als ein seltenes Privileg kann er auch die ultimativen Kräfte der stärksten indischen Geister anrufen, so dass Sie von der wunderbaren, totalen Großzügigkeit und Güte der unsichtbaren Welten profitieren können, die einfach voller heiliger Energien sind.[66]

Ignorieren wir mal die Inder, sondern wenden wir uns den Visons-Organen zu. Gehört das brennende Herz zu mehreren bösen Orten? Das würde mich verwirren.

Der ganze Text endet mit folgenden zwei Sätzen (vor dem Link „Dem Clan von Goldene Bulle beitreten“):

Handeln Sie, machen Sie den ersten Schritt, und alles könnte sich für Sie ändern.

Goldene Bulle gelobt Ihnen.[67]

Ich schwör: das endet mit „Goldene Bulle gelobt Ihnen.“ Konkret Inder-Visonen mit einem Herz für mehrere böse Orte. Neugierig gemacht, klicke ich auf den Link. Dann kommt folgendes Angebot:

Ihre unverschleierte Zukunft

Goldene Bulle bietet Ihnen ein exklusives Angebot Kontaktieren Sie den Visionär und erfahren Sie Ihre Enthüllungen Ihr Tier Totem hier und jetzt[68]

Das war selbst mir zu wirr. Ich habe dann doch kurz überlegt, ob ich mir das Buch dazu kaufe. Aber die Werbung hat mich nicht überzeugt:

Entdecken Sie in diesem erstaunlichen Buch:

– Was flüstert der Wind in IhrenOhren?

– Was kündigt der Fluss an, der die Serenade singt?

– Welche wichtige Nachricht bringt Ihnen der Frühlingsmarienkäfer?

– Was bedeutet das Gebrüll des Vulkans, der Ihre Füße schüttelt?

– Was sagen die Wolken über Ihrer Kopfbedeckung aus?

– Was für eine gute Nachricht wird Ihnen die glückliche Schwalbe bringen?[69]

Mehr und mehr drängt sich mir der Verdacht auf, dass hier mit einer Maschine aus dem Englischen übersetzt worden ist (besonders bei dem Wort „indian“ lässt sich das nicht wirklich leugnen, auch aber bei Serenade würde ich auf das englische Serenade als Ursprungswort tippen und meinen Kommentar zu man/men habe ich schon abgegeben). Oder wie es wohl der Goldene Bulle sagen würde: Was sagt mein Übersetzungsprogramm über meine Visonen aus?

Achja, die Vison. Wir wissen eine Menge über den Bullen:

Der Goldene Bulle ist so stolz wie ein Pfau, so mutig wie ein schwarzer Bär, so entschlossen wie ein Steinadler, der auf seine Beute zusteuert, ohne sie jemals aus den Augen zu lassen.

Das Blut eines indianischen Kriegers fließt durch seine Adern![70]


 

Aber: Wer auch immer die Seite angemeldet hat, er wollte Buchstaben sparen. Tue ich jetzt auch – nach meinem Vorbild, dem Inder Gldene Bule unter www.gldenebulle.com.

 

Dein Homo Magi

 

Löwenzahnwein 1

 

Hallo Salamander,

 

es war ein Buch über Ray Bradbury, das mich dazu brachte, ein wenig über Löwenzahnwein nachzudenken und nachzulesen. „Löwenzahnwein“ heißt ein Buch von Bradbury, daher kam ich ins Grübeln. Hier ein paar Informationen zu dem Werk:

Dandelion Wine is a 1957 novel by Ray Bradbury set in the summer of 1928 in the fictional town of Green Town, Illinois, based upon Bradbury's childhood home of Waukegan, Illinois. (…)

The title refers to a wine made with dandelion petals and other ingredients, commonly citrus fruit. In the story, dandelion wine, as made by the protagonist's grandfather, serves as a metaphor for packing all of the joys of summer into a single bottle.

The main character of the story is Douglas Spaulding, a 12-year-old boy loosely patterned after Bradbury. Most of the book is focused upon the routines of small-town America, and the simple joys of yesterday.[71]

Ein für mich aktuell nicht zu klärender Mythos bleibt, dass der Hinweis auf den aus Löwenzahn zu gewinnenden Wein, eben jenen Löwenzahnwein, der so ähnlich wie Met schmecken soll, nur in der englischsprachigen Welt verbreitet ist. In der deutschen Wikipedia heißt es lapidar:

Die gelben Blüten eignen sich zur Herstellung eines wohlschmeckenden, honigähnlichen Sirups oder Gelees (französisch cramaillotte, mit Orange, Zitrone und Zucker) als Brotaufstrich. Die jungen, nur leicht bitter schmeckenden Blätter können als Salat verarbeitet werden (Österreich: „Röhrlsalat“). Die Wurzel kann ebenfalls als Salat verarbeitet oder gekocht werden. Aus der getrockneten und gerösteten Wurzel der Pflanze wurde in den Nachkriegsjahren ein Ersatzkaffee hergestellt (Zichorienwurzelersatz).[72]

Kein Wort über den guten Wein, den man hier gewinnen kann. Wer im weltweiten Netz auf Deutsch nach Löwenzahnwein sucht, wird eigenartige Ergebnisse finden (mir ging es so). Immerhin fand ich nach einigem Suchen einen Hinweis, der auch gleich Bradbury mit einschließt:

Löwenzahnwein ist ein heilsames alkoholisches Getränk, dessen Rezept lange in Vergessenheit geraten ist. Es ist gemacht, um die Stimmung einzustellen und sich zu entspannen. Eine leuchtende Blume ist ein Lagerhaus von Vitaminen. Wenn Sie die Tinktur richtig vorbereiten, können Sie den Sommer einfangen, wie Ray Bradbury in seiner Geschichte schrieb. Die Rezepte sind für die häuslichen Bedingungen optimiert. Das Wichtigste ist, geduldig zu sein.[73]

Das mit der „Vergessenheit“ stimmt völlig.

Im englischen Netz findet man diverse Hinweise aus Met aus Löwenzahn (Stichworte: „dandelion wine mead“). Schmeckt deren Löwenzahn anders als der unsere? Ich weiß es nicht, aber ich bleibe neugierig.

Und: Wie kriege ich jetzt nur jemanden dazu, mal auf einem heidnischen Treffen in einem Hinterraum ein Glas Löwenzahnwein mit mir zu verköstigen?

 

Dein Homo Magi

 

Tsen Brider

 

Hallo Salamander,

 

folgendes Werk will ich dir nicht ersparen. Gedacht war es für den Skaldenabend 2017 zu Ostara im Rahmen der unfassbar guten Aufführung von „Midgards Moischele“, es kam aber nicht mehr zur Aufführung. Die Lyrik folgt der Zupfgeigenhansel-Version, was Versmaß und Inspiration anbetrifft.

Nimm es als Hinweis auf die Antwort zu der Frage was passiert, wenn ich angetrunken dichte.

10 Krieger sannen mir gewesen (Tsen Brider)

 

10 Krieger sannen mir gewesen,

konnten uns auf Zeit in Walhall freu‘n.

einer wurde zum Buddhisten,

sannen mir geblieben 9.

9 Krieger sannen mir gewesen,

fühlen wir uns in Odins Macht.

Einer war mit Geza sumbeln,

sannen wir geblieben 8.

 

Refrain:

Izaak mit der Fidel,

und Schlomo singt den Bass.

Singen euch dies Liedl

für den Heidenspaß.

Oioioi.

Singen euch dies Liedl

für den Heidenspaß.

 

8 Krieger sannen mir gewesen,

taten die Männergruppe lieben.

Einer hat es ernst genommen,

sannen mir geblieben Krieger 7.

7 Krieger sannen mir gewesen,

haben gefeiert mit der Hex.

Einer ist nun Wicca-Priester,

sannen mir geblieben 6.

 

Refrain:

Izaak mit der Fidel,

und Schlomo singt den Bass.

Singen euch dies Liedl

für den Heidenspaß.

Oioioi.


 

Singen euch dies Liedl

für den Heidenspaß.

 

6 Krieger sannen mir gewesen,

einer machte den Spakona-Test.

sah nicht Zukunft, sah nicht Wyrd,

sah nur das 5 geblieben Rest.

5 Krieger sannen mir gewesen,

einer von uns

Einer rief den Metnotruf an,

sannen mir geblieben 4.

 

Refrain:

Izaak mit der Fidel,

und Schlomo singt den Bass.

Singen euch dies Liedl

für den Heidenspaß.

Oioioi.

Singen euch dies Liedl

für den Heidenspaß.

 

4 Krieger sannen mir gewesen,

lebten glücklich nahebei.

Einer zog nach Pirmasens um,

sannen mir geblieben 3.

3 Krieger sannen mir gewesen,

Reinlichkeit war keine Zauberei,

bis einer in der Wanne stürzte,

sannen mir geblieben 2.

 

Refrain:

Izaak mit der Fidel,

und Schlomo singt den Bass.

Singen euch dies Liedl

für den Heidenspaß.

Oioioi.

Singen euch dies Liedl

für den Heidenspaß.

 

2 Krieger sannen mir gewesen,

hörten singen Thors Chassiden,

machen jetzt Musik-Karriere,

und kein Krieger ist geblieben.

 

Refrain:

Izaak mit der Fidel,

und Schlomo singt den Bass.

Singen euch dies Liedl

für den Heidenspaß.

Oioioi.

Singen euch dies Liedl

für den Heidenspaß.

 

Dein Homo Magi


 

Kanuan

 

Hallo Salamander,

 

natürlich gibt es Menschen, die sich mit Formen von Spiritualität beschäftigen, die von ihrer eigenen Lebenswirklichkeit weit entfernt sind. Der Manager, der gerne im Wald Wölfe erwürgen würde ist von der jungen Frau aus München, die mit polynesischen Hochseestraditionen liebäugelt, nicht weit entfernt. Doch ist es manchmal eigenartig, über was man stolpert.

Ein Thema, welches mich immer mal wieder reizt, ist die Arbeit mit Muscheln. Neben der Kauri, die ich eher von Brettspielen kenne, ist es die Kanuan, die eine hohe mystische Bedeutung genießt. Ein paar Worte dazu:

Als Opanarara die Welt sah, schenkte er nicht alle Inseln und nicht alle Welten den Menschen. Als sein ältester Sohn Raroaoke zu ihm kam und fragte, ob die Inseln hinter den Wellenkämmen ihm und seinen Kindern gehören würden, wies Opanarara auf einen Stapel Kanuan-Muscheln vor sich und bat Raroaoke, eine zu ziehen. Dieser griff in den Stapel und zog eine Muschel hervor, die mit vielen Flecken geschmückt war. „Du hast schon genug Inseln für deine Nachfahren und dich, du sollst nicht hinter den Wellenkämmen nach neuem Land suchen.“ Raroaoke nickte und ging.

Wenig später kam Rurako-le zu ihm, sein zweitältester Sohn. Auch dieser fragte, ob die Inseln hinter den Wellenkämmen ihm und seinen Kindern gehören würden. Wieder wies der Vater auf den Stapel Kanuan-Muscheln und ließ den Sohn eine ziehen. Rurako-le zog ebenfalls eine Muschel mit vielen Flecken. „Auch du und deine Nachkommen haben genug Insel, du musst nicht hinter den Wellenkämmen suchen, um neues Land zu finden.“

Ein Jahr und ein Tag vergingen. Dann kam Longofale, der dritte und jüngste Sohn von Opanarara, in dessen Hütte. „Vater, ich bin der jüngste von drei Söhnen. Meine Kinder sind nicht so zahlreich wie die von Raroaoke und Rurako-le. Auch habe ich nicht so viele Inseln wie jeder von den beiden. Ich weiß, dass es hinter den Wellenkämmen noch Land gibt für meine Nachfahren. Doch, um dieses Land zu finden, möchte ich bei der Suche sicher sein, dass ich nicht Land betrete, das einem meiner Brüder gehört.“ Opanarara lächelte. „Was wünscht du dann von mir, mein Sohn?“ „Ich will mit das Legen der Kanuan lernen, damit ich weiß, welche Inseln meinen Brüdern sind. Erst dann kann ich erfahren, ob hinter den Wellen noch Land für meine Nachkommen ist.“ Opanarara sagte kein Wort, doch mit den Händen strich er die Kanuan auf dem Strand glatt, so dass sie nebeneinander lagen. Von seinem Vater lernte der dritte Sohn das Geheimnis der Wellen, das Geheimnis der Inseln, das Geheimnis des Windes und viele andere Geheimnisse, die bis heute nur in seiner Familie weitergeben werden.

Obwohl ich selbst keine große Affinität zu dieser Art von Magie habe, ist es manchmal doch so, dass das Schicksal mir Zeichen sendet. Im Urlaub war ich daher sprachlos, als in einer kleinen Stadt im Osten Deutschlands auf einmal ein Schild mit einem Wellen-Symbol nach links deutete. Eindeutig war zu lesen, welche mystischen Hinweise ich hier erwarten durfte: Kanuan-Leger. Kurz musste ich überlegen. Habe aber dann doch nicht angehalten. Oft wird man enttäuscht, wenn man in fremde Kulturen zu tief eintaucht.

 

Dein Homo Magi

 

Rex Stout-Probleme

 

Lieber Salamander,

 

vor vielen Jahren erwarb ich auf einem Bücherflohmarkt ungefähr zwanzig englische Krimis von Rex Stout, alle aus der Reihe „Nero Wolfe“. Das ist fast 20 Jahre her. Seitdem versuche ich, die Reihe vollständig zu erwerben – was immer wieder mit Schwierigkeiten verbunden war.

Ich möchte mich jetzt nicht über meine Liebe zu diesem hervorragenden Krimi auslassen. Das gehört hier nicht hierher.

Den letzten, fehlenden Band bestellte ich online in den USA. Das klappte auch alles gut. Damit er auch wirklich ankommt, ließ ich ihn mir auf die Arbeit schicken. Da fand sich dann eines Tages eine Karte im Briefkasten: „Eine persönliche Zustellung war (…) leider nicht möglich.“. Ich rief bei DHL an, um mich zu beschweren.

Erst kommt die deutsche Ansage. Dann die englische Ansage. Dann kommt die Telefonauswahl. „Möchten Sie die Weltherrschaft abgeben, dann drücken Sie die 1. Möchten Sie Außerirdische im Garten melden, dann drücken Sie die 2. Möchten Sie mehr über unsere Angebote erfahren, dann drücken Sie die 3.“ Nicht ganz, aber so ungefähr. Irgendwann kam die Ansage zur Beschwerde. Ich drückte die Auswahl. Dann kam der Text noch einmal auf Englisch.

Irgendwann bekam ich eine Mitarbeiterin ans Telefon, die mit einem fremden Zungenschlag unter ihrem schwer verständlichen Deutsch mit mir diskutierte. Sie nahm dann doch meine Beschwerde auf und versuchte trotzdem mehrmals, mir die Schuld zuzuschieben. Ob ich sicher sei, dass der Fahrer gewusst hätte, wo wir sind – nun ja, immerhin war die Karte im richtigen Briefkasten, das fand ich ein gutes Argument dafür. Und so weiter, aber dann bekam ich eine Beschwerdenummer (für die Beschwerde gegen den Fahrer) und den Hinweis, dass ich das Werk abholen könne – bei einer Postfiliale in einem etwas größeren Edeka-Markt, 20 Minuten entfernt. Ich wollte nicht und wählte erneute Zustellung. Man versprach mir eine Bestätigung per E-Mail und zügige Weiterarbeit.

Am nächsten Tag war die Post laut Online-Tracking immer noch im Edeka-Markt und es gab keine E-Mail von DHL. Aber das war ja fast im Plan, denn man hatte mir gesagt, dass das mit der Neuzustellung 2 Tage dauert, ähnliches erwartete ich für die E-Mail.

Aber am folgenden Tag war die Post immer noch bei Edeka – und es gab keine E-Mail. Ich rief erneut an. Wieder die Hotline. „Möchten Sie ihre Eingeweide der Forschung übergeben, dann drücken Sie die 1. Möchten Sie ihr Vermögen DHL vermachen, dann drücken Sie die 2. Möchten Sie nackt durch Berlin laufen, dann drücken Sie die 3.“ Dann auf Englisch; okay, nicht ganz der Text, aber so fühlte es sich an.

Die Mitarbeiterin, mit der ich jetzt sprach, hatte einen netten osteuropäischen Akzent, war aber von Ironie und Fremdwörtern völlig überfordert. Wir gingen den ganzen Vorgang durch – und siehe da: Es gab weder meinen Wunsch der Neuzustellung im System noch die Beschwerde.

Also bat ich erneut um erneute Zustellung. Die Mitarbeiterin teilte mir mit, dass meine Lieferung überhaupt nicht zustellbar sei, ich müsste sie abholen – wegen der Zollformalitäten. Leicht erbost drohte ich zwei neue Beschwerden an. Sie war dann bereit, weiter im System zu suchen.

Weiterhin blieben Fragen offen. Edeka übernimmt die Zollabfertigung für meinen Krimi? Das konnte sie mir nicht erklären. Sie nahm die zwei neuen Beschwerden auf (Fahrer wegen der falschen Beschriftung, Mitarbeiterin wegen der falschen Auskunft) und versprach eine Bestätigungs-E-Mail.

Diese kam nie. Aber ich habe mein Buch dann abgeholt. Der Mitarbeiter vor Ort war der erste in der Kette von Kontaktpersonen mit Humor. Ich fragte, warum ich den Empfang bestätigen muss, während er das Buch noch in der Hand hat. „Damit ich danach damit weglaufen kann“, war sein Kommentar. Damit kann ich arbeiten.

Wenig später hatte ich mein Buch in der Hand. Serie komplett, uff. Jetzt muss ich den Lesegenuss nur strecken, weil dann ist es „aus“ mit Rex Stout und mir – bis zum Neulesen in der Rente.

 

Dein Homo Magi

 

Rex Stout-Probleme – Nachsatz

 

Hallo Salamander,

 

eine gute und eine schlechte Nachricht kann ich bieten.

Die gute Nachricht ist, dass nach zwei Stunden langem Suchen im Netz und gleichzeitigem Stapeln von Rex Stout-Romanen auf dem Arbeitstisch klar wurde, dass ich nicht alle Romane zu Nero Wolfe besitze, sondern dass mir (aus welchen Gründen noch immer) drei Stück fehlen. Die darf ich jetzt für den Gegenwert einer Öltankerbeteiligung im Ausland einkaufen, aber immerhin ist das möglich.

Nicht möglich ist es, von DHL die versprochenen E-Mails mit der Bestätigung meiner Beschwerden zu bekommen. Mitarbeiterin Nummer 3 (dieses Mal mit einem eher britischen Akzent in der Stimme) erklärte mir auf meine Rückfrage hin, dass es überhaupt nicht möglich sei, für interne Beschwerden Bestätigungen zu senden. Auf meine Frage, warum dann die beiden Vorgängerinnen meine E-Mail notiert und mir Zusendung versprochen hatte, wusste sie keine Antwort. Sie wusste auch nicht, warum man Kunden permanent falsch informiert, warum mir jede etwas anderes erzählt und warum sie die folgenschwere Entscheidung getroffen hat, nicht als Malaria-Testerin zu arbeiten, sondern in einem Call-Center. Das mit der Malaria-Testerin habe ich erfunden, aber das Wort Call-Center leider nicht.

Ich verzichtete aus nachvollziehbaren Gründen auf eine erneute Beschwerde wegen Nichtzustellung einer Beschwerde. Zusammenfassend kann ich damit mitteilen, dass sich bis jetzt jede Mitteilung von DHL – außer der Nennung des Firmennamens in der Telefonbegrüßung – mindestens einmal als falsch herausgestellt hat.

Ab sofort vergesse ich den ganzen Scheiß über Deutschland als Technologiestandort. Pfft. Wir sind das Maghrebinien[74] der Service-Technik.

 

Dein Homo Magi

 

Löwenzahnwein 2

 

Hallo Salamander,

 

wenn sich ein Wort oder ein Begriff in einem Kopf festgefressen hat, dann wird man ihn nicht so leicht wieder los. Ich hatte doch vor einiger Zeit über Löwenzahnwein geschrieben. Jetzt sitze ich im Auto und höre Randy Newman. Und wie lautet die erste Strophe des Liedes „Old Kentucky Home“:

Turpentine and dandelion wine

I've turned the corner and I’m doin’ fine

Shootin’ at the birds on the telephone line

Pickin’ ‘em off with this gun o’ mine

I got a fire in my belly and a fire in my head

Goin’ higher and higher until I'm dead[75]

Natürlich bin ich jetzt noch neugieriger – und weiter ohne Antworten, ob es jemanden gibt, der den schon einmal probiert hat (und den ich kenne).

Ich bleibe dran.

 

Dein Homo Magi

 

Gottesdienste

 

Hallo Salamander,

 

gerade fuhr ich an einem tollen Schild vorbei:

Wegen Corona

Gottesdienste

Nur im Präsens

Mein Gott, das ist sicherlich eine seltene Form von Grammatik-Anbetung. Schönes Zeichen!

 

Dein Homo Magi

 

Tollkühne Hexe …

 

Hallo Salamander,

 

da saßen wir also auf der Couch und schauten „Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett“. Für Nichtwisser:

Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett (Originaltitel: Bedknobs and Broomsticks) ist eine Disney-Fantasy-Komödie von Robert Stevenson aus dem Jahr 1971. Das Besondere an diesem Film ist die Vermischung von Realszenen mit Zeichentrickszenen. Der Film basiert auf dem Roman Eine tolle Hexe (Originaltitel: Bedknob and Broomsticks) von Mary Norton.

Der deutsche Titel des Films spielt auf die Filmkomödie Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten an.[76]

Mich wunderte beim Ansehen, dass der Film anders und länger war als die Version, die ich als Kind erinnerte. Kein Wunder: hatte man doch alle Hinweise auf Nazis und ähnliches getilgt. Heute unglaublich, damals wohl gang und gäbe.

(…) Für die deutsche Fassung wurden dabei nicht nur der Name der Hexe von „Eglantine Price“ in „Caroline Price“ geändert, sondern auch alle direkten Hinweise auf die Zeit der Handlung, den Zweiten Weltkrieg, getilgt. So waren in dem für die deutsche Kinoauswertung angefertigten Vorspann beispielsweise keinerlei Bilder der Soldaten Nazi-Deutschlands mehr zu finden. Statt der einführenden Worte „England in the August of the Year 1940“ erschien in der deutschen Kinofassung nur ein vernebelndes „Es war einmal ...“. (…) Auch aus den Dialogen wurde jede Anspielung auf das nationalsozialistische Deutschland oder die Wehrmacht gestrichen. Die ursprüngliche deutsche Kinofassung hatte eine Laufzeit von ca. 100 Minuten, die heute bekannte Fassung, die auch auf VHS und DVD veröffentlicht wurde und im TV zu sehen ist, dauert hingegen nur noch 89 Minuten. Die zum 25-jährigen Jubiläum in den USA veröffentlichte DVD-Fassung hat dagegen eine Länge von 139 Minuten. (…)[77]

Ein wenig unfassbar, immerhin 40 Minuten Unterschied.

Eine kleine Randnotiz: Auch die Kinder in den „Narnia“-Romanen von C. S. Lewis werden anfangs wegen der deutschen Angriffe auf London (der „Blitz“) aufs Land verschickt, so wie die Kinder hier in der Filmhandlung.

Im Film gibt es einen sehr schönen Zauber, „Treguna Mekoides Trecorum Satis Di“ genannt, der auch ansprechend gesungen wird. Im Film findet sich die Zauberformel auf dem „Stern von Astoroth“ eingraviert. Dieser ist nicht mit der Cthulhu-Figur Azathoth zu verwechseln, sondern ein Höllenfürst. Die ideale Quelle für einen Zauber bei Disney … naja.

Zum Hintergrund des Zauberspruches heißt es bei Wikipedia:

The Substitutiary Locomotion (Treguna Mekoides Trecorum Satis Di) (Bedeutung: Die fünf Elemente, die ein Leben, den Dingen geben, die nicht bereits eines haben. Treguna = Holz, Mekoides = Metall, Trecorum = Erde, Satis = Wasser, Dee = Feuer)[78]

Ein Disney-Film mit magischen fünf Elementen, sehr schön. Der Text ist auch gut für ein Ritual geeignet:

Treguna Mekoides Trecorum Satis Di

Treguna Mekoides Trecorum Satis Di … (wird ständig wiederholt)

 

Was man braucht ist etwas Hokus Pokus

Zauberkraft die schafft, Magie á Malus Lokus

ist heut‘ arg und stark wie Teufelselixier

Malus Lokus Jokus, Hokus Pokus komm zu mir.

 

Ich brauche nichts im Haus persönlich zu bewegen

jedes Ding im Haus fängt selbst sich an zu regen

es genügt im Haus die Hilfe der Magie

Malus Lokus Jokus, Hokus Pokus streikt fast nie

Treguna Mekoides und Trecorum Satis Di[79]

Im englischen Original gibt es mehr Strophen, die es aber nicht alle in den Film geschafft haben:

Cosmic wizards of timeless times

Teach my tongue the transcendental rhymes

Help my mind to find the skill

Give my heart the fervent will

To summon ...

 

Substitutiary locomotion

Mystic power that‘s far beyond the wildest notion

It’s so weird, so feared, yet wonderful to see

Substitutiary locomotion come to me

 

I don’t want locomotiary substitution

Or remote intransitory convolution

Only one precise solution is the key

Substitutiary locomotion it must be


 

Substitutiary locomotion

Can create a state of clamorous commotion

It’s the spell to quell invasion from the sea

Substitutiary locomotion is the key

 

The key to guide the tide that’s stronger than the ocean

I want substitutiary locomotion

It can cause the force to keep our country free

Substitutiary locomotion work for me!

 

Substitutiary locomotion

I want substitutiary locomotion

Very substitutiary is the key

Substitutiary locomotion come to me![80]

Ich hoffe auf den Tag, wo ich wenigstens das deutsche Original bei einem Ritual hören kann. Denn:

Malus Lokus Jokus, Hokus Pokus streikt fast nie

Treguna Mekoides und Trecorum Satis Di

 

Dein Homo Magi

 

Turnen mit Kühen

 

Hallo Salamander,

 

nein, es geht heute nicht um Kühe. Es geht um Alpakas. Kurzer Alpaka-Input gefällt?

Das Alpaka (Vicugna pacos), auch Pako, ist eine aus den südamerikanischen Anden stammende, domestizierte Kamelart, die vorwiegend wegen ihrer Wolle gezüchtet wird. Der Bestand an Alpakas in Peru liegt bei etwa 3,5 Millionen Tieren, was ca. 80 Prozent des weltweiten Bestandes ausmacht.[81]

Okay, ich bin irgendwie schon froh, dass es hier und heute nicht um Alpakas und Germanen geht, sondern „nur“ um Alpakas und Yoga.

Mit dem schönen Titel in der Zeitung „Sonnengruß zwischen lockigen Mähnen“[82] waren nämlich (glücklicherweise) keine langhaarigen Wikinger gemeint, die eigenartige heidnische Zeremonien an den Externsteinen ausführten, sondern es ging um „Teilnehmerinnen“ (nein, das stand da so im Artikel), die auf dem „Alpaka-Hof Pacador“ (so etwas kann man nicht erfinden) gemeinsam Yoga machen, alles im Rahmen eines Volkshochschul-Kurses.

Manche Zitate kann man nicht erdichten. So schreibt die Presse: „Während sich die Teilnehmerinnen dehnen und entspannen, grasen die Alpakas seelenruhig zwischen den Trainingsmatten.“

Sprachlos.

Oder doch nicht: Das ist eine so starke Strömung, da kann man nur mitschwimmen! Also schnell umdenken und alles neu organisieren.

Für meine schamanischen Geistreisen mit Goldhamstern und meine Medizinrad-Meditationen mit Koi-Karpfen nehme ich noch kostenpflichtige Anmeldungen entgegen.

 

Dein Homo Magi

 

#Education

 

Hallo Salamander!

 

Nach über 300 Seiten in einem Pädagogik-Buch[83] war ich mir immer noch nicht sicher, ob es gut ist oder schlecht ist, was hier pädagogisch empfohlen wird.

Dann, auf Seite 315, ging es um die Veränderungen in den letzten zwei Jahrzehnten. Dann kam ein toller Satz zur Situation von Schulkindern heute:

Wenn der Ranzen in die Ecke fliegt, bleibt die Tannenzapfenschlacht im Wald aus.[84]

Da blieb ich hängen, man hatte mich erwischt. Jetzt den Satz im längeren Zusammenhang:

Wenn der Ranzen in die Ecke fliegt, bleibt die Tannenzapfenschlacht im Wald aus. Damit unsere Kinder nicht in ihren Kinderzimmern von digitalen Verführern an Glasscheiben gekettet werde, brauchen sie all diese Erfahrungen jetzt dringlicher als je zuvor. Weil sie inzwischen mehr selbstverständlich sind. Ausbildung in der Schule, Glasscheiben in der Freizeit. Schlafen. Aufstehen. Das Ganze von vorn. Da ist kein Platz mehr, um einen Umhang [für das Superheldenkostüm, vermute ich – HR] zu erwerben. Lassen wir das nicht zu! Sorgen wir dafür, dass unsere Kinder diese entscheidenden Erfahrungen machen können.[85]

Ja. Meine Stimme habt ihr.

Danke dafür.

 

Dein Homo Magi

 

Online-Wahnsinn

 

Hallo Salamander,

 

beruflich wollte ich an einer Tagung teilnehmen, die mich – gerade wegen Diskussionen um die Zeit nach Corona und dem Umgang mit daraus folgenden psychischen Problemen – sehr interessierte.

Als erstes durfte man sich online registrieren. Im Feld „Beruf“ gab ich „Toimitusjohtaja“ an, das ist finnisch für Geschäftsführer. Fiel niemand auf, ich bekam seitdem Briefe an den Toimitusjohtaja meiner Firma. Danke dafür.

Das Schreiben mit der Rechnung kam, alles schön für den Toimitusjohtaja bestätigt – schön war, dass der offizielle Brief mit der Buchungsbestätigungen oben den Titel „Nutzungsbedingugnen“ (sic) trug. Nicht nur das falsche Thema, sondern das auch noch falsch geschrieben. Starke Leistung.

Ich loggte mich ein zu „Wir und Corona: Das hat die Pandemie mit uns gemacht“. Um weiterzumachen, musste ich einen Text akzeptieren: „Bitte lesen Sie die Datenschutzerklärung von *** durch, dem Anbieter dieser Videokonferenz.“ Nein, keine Namen, das hätte jedem passieren können

Statt auf „Zustimmen“ zu klicken dachte ich mir: lies doch den Text. Tat ich – war auf Englisch, was mich sehr überraschte. Beispiel gefällig?

·         Service and transactional notifications. Sometimes we’ll send you emails about your account, service changes or new policies. You can’t opt out of this type of “service or transactional” emails (unless you delete your account) as they are necessary information for the Services.

The legal grounds for processing this information is that it is required for performing our commitment about communicating changes in plans and pricing to you in the contract we entered into with you, at your request (our Terms of Service) cf. GDPR art. 6 (1) item b, and our legitimate interest of communicating important information about your account to you, cf. GDPR art. 6 (1) item f.

Erschrocken las ich weiter:

Providing your personal data to others

We may share information with third parties in some circumstances, including: (1) with your consent; (2) to a service provider or partner who meets our data protection standards; (3) with academic or non-profit researchers, with aggregation, anonymization; (4) when we have a good faith belief it is required by law, such as pursuant to a subpoena or other legal process; (5) to protect the vital interest of others, when we have reason to believe that doing so will prevent harm to someone or illegal activities.

Our categories of service providers and partners are:

·         Hosting/infrastructure/storage providers

·         Payment processors, including debt collectors

·         Analysis tools providers

·         Customer Support tools providers

·         Marketing and email providers

·         Co-marketing content providers

·         Recruiting tools providers

·         Internal communication tools providers

We only share data with co-marketing content partners when you, at your own initiative, fill a form to obtain the content. We will make sure it is clear to you that we have developed the content with our partner and that the partner will also obtain relevant information.

Ich brach ab und teilte dem Anbieter mit, dass ich mein Geld wieder möchte – das hier widerspräche geltendem Recht und man kann nicht verlangen, dass ich einen Vertrag bestätige, den ich nicht verstehe (weil er nicht auf Deutsch ist) und der noch dazu meiner Ansicht nach gegen geltendes Recht verstößt (ganz sicher bin ich mir nicht, aber das ist auch nicht meine Aufgabe).

Online schaute ich nach, wer der Datenschutzbeauftragte der Gegenseite ist. Den nahm ich also cc in meine Mail mit der Bitte um Rücküberweisung meiner Beiträge. Was bekam ich vom Datenschutzbeauftragten postwendend als E-Mail zurück?

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich befinde bis einschließlich dem *** nicht im Unternehmen und habe auch nur eingeschränkten Zugriff auf meine E-Mails.

Ab Donnerstag dem *** bin ich wieder für Sie erreichbar.

Meine E-Mails werden nicht weitergeleitet. In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte direkt an *** unter ****

Vielen Dank und viele Grüße,

Ja, das endet im letzten Absatz ohne Satzzeichen. Aber das ist nur ein Bonus-Punkt zu diesem Irrsinnsablauf. Ich bin gespannt, wie es weiterläuft.

 

Dein Toimitusjohtaja Homo Magi

 

Übergriffe im Anmarsch

 

Hallo Salamander,

 

ich saß im Zug und las ruhig in meinem Buch. Der Schaffner näherte sich langsam in Blickrichtung, aber ich hatte noch Zeit, daher fingerte ich nur kurz in der Innentasche meines Jacketts herum, um das Ticket herauszuholen.

Dann steht die Frau vor mir auf und blickt sich mit angstgeweiteten Augen im Zug um. Sie winkt und signalisiert dem Schaffner, dass er zu ihr kommen soll. Er nähert sich, als er zwei Meter entfernt ist spricht die Frau ihn an.

Ihre Stimme ist nur minimal gedrosselt, man kann sie sicherlich bequem im ganzen Waggon hören. Sie erzählt von dem Mann, der im Zug keine Maske trägt. „Ich fühle mich bedroht.“ Der Schaffner weicht ein wenig zurück. Sie streckt eine klauenartige Hand nach vorne und deutet auf einen Mann, der keine zwei Meter vor ihr mit dem Rücken zu uns am Fenster sitzt. „Der … trägt keine Maske.“

Inzwischen ist es totenstill im Zug. Der Schaffner strafft sich, als wäre er auf dem Weg zum Richtblock. Er dreht sich, macht einen Schritt und spricht den Mann an. Dieser schrickt hoch, als der Schaffner ihn anspricht. „Entschuldigung, ich glaube, ihre Maske ist verrutscht!“

Der Mann stammelt „Was … was … was?“ Offensichtlich war er eingeschlafen und die Maske hatte sich gelöst oder war verrutscht. Der Schaffner richtete sich wieder auf, entspannt durchatmend, weil er jetzt doch keinem Massaker durch Maskenverweigerer erliegen würde.

Fragend wandte er sich der Frau vor mir zu, die ihn erst in Aktion versetzt hatte. Doch diese las in ihrer Zeitung und tat so, als hätte sie überhaupt nichts mitbekommen.

Insgesamt sicher die schlechtgemachteste Denunziation, die ich den letzten Jahrzehnten gesehen habe.

Dein Homo Magi

 

Sumbel, sumbel mit mir

Hallo Salamander,

manchmal geht es mit mir durch und dann passieren eigenartige Dinge. Zum Thing des Eldaring saßen wir nach einem (eher langweiligen) Tag abends um das Feuer und machten Blödsinn. Auf einmal hatte ich jene Zeilen im Kopf, die ich nicht mehr loswerden sollte: Sumbel, sumbel mit mir (nach Tony Holidays „Tanze Samba mit mir“ von 1978).

Ich kann dann nicht stillhalten, ich muss weiter dichten. Hier das Ergebnis:

A-Ha, A-Ha,

Du bist so heiß wie Surturs Glut!

A-Ha, A-Ha,

und nach fünf Bier, da fass‘ ich Mut.

 

Jedermann hier nennt Dich nur „Wild Thing“

jedermann sieht, dass Du neu hier bist.

Komm doch zu mir und schau‘ in das Feuer,

bis Du die Welt ringsherum vergisst.

 

A-Ha, A-Ha,

Du bist so heiß wie Surturs Glut!

A-Ha, A-Ha,

Und nach fünf Bier, da fass‘ ich Mut.

 

Christentum, Taufe, Abendmahl, Weihnacht‘,

das ist jetzt alles für mich vorbei.

Sehe ich dich so dicht bei den Flammen,

will ich nur sumbeln – ich bin dabei!


 

Sumbel, sumbel mit mir,

sumbel, sumbel die ganze Nacht.

Sumbel, sumbel mit mir,

weil das Sumbeln uns glücklich macht.

Wodan, Wodan, Willi, We,

ich weiß genau, warum ich hier steh‘.

Sumbel, sumbel mit mir,

sumbel, sumbel die ganze Nacht.

 

A-Ha, A-Ha,

Du bist so heiß wie Surturs Glut!

A-Ha, A-Ha,

Und nach fünf Bier, da fass‘ ich Mut.

 

Sumbel, sumbel mit mir,

sumbel, sumbel die ganze Nacht.

Sumbel, sumbel mit mir,

weil das Sumbeln uns glücklich macht.

Wodan, Wodan, Willi, We,

ich weiß genau, warum ich hier steh‘.

Sumbel, sumbel mit mir,

sumbel, sumbel die ganze Nacht.

 

A-Ha, A-Ha,

Du bist so heiß wie Surturs Glut!

A-Ha, A-Ha,

Und nach fünf Bier, da fass‘ ich Mut.

 

/: Sumbel, sumbel mit mir,

sumbel, sumbel die ganze Nacht.

Sumbel, sumbel mit mir,

weil das Sumbeln uns glücklich macht.

Wodan, Wodan, Willi, We,

ich weiß genau, warum ich hier steh‘.

Sumbel, sumbel mit mir,

sumbel, sumbel die ganze Nacht. :/

 

Viel Spaß mit meinem Ohrwurm!

Dein Homo Magi

 

Das heidnische Jahr …

Hallo Salamander,

Samhain dräut. Ein weiteres Jahr mit Briefen an dich geht zu Ende. Wir haben 21 Jahre voll, 3 x 7.

Weitermachen? Ja. Solange du liest, solange Menschen (und eventuell auch andere Wesen) an den Dingen hier Freude haben, sehe ich keinen Grund, das einzustellen. Zumindest so lange, wie ich noch Lust habe und fähig bin, etwas zu liefern, was interessant ist.

Aber im Rückblick merkt man auch, dass das letzte Jahr ein eigenartiges war. Der Rückzug ins Private, das verlorene (weitere) Sofajahr, die Leblosigkeit, die sich überall breit macht – das habe ich nicht erwartet. Es ist keine Zombie-Invasion, die auf uns zukommt, weil der Zombie sich langsam bewegt – aber er bewegt sich immerhin. Die Untoten, die wir jetzt überall wieder wahrnehmen, sind abgestumpft bis verblödet, aber nicht körperlich gefährlich. Sie sind im schlimmsten Begriff des Wortes Stimmvieh, Füllmasse, Sättigungsbeilage für Psychovampire. Ich weiß nicht, vielleicht wurden über Netflix und Youtube Botschaften ausgestrahlt, die das Unterbewusstsein der Freigestellten, Home Office-Arbeiter und Abends-Nicht-Weggeher übernommen haben, während diese ihre Lebenszeit damit vertrödeln, hochgelobte Serien zu schauen, die ihnen ein Leben zeigen, das sie selbst nicht zu führen bereit sind.

In meiner Welt stellen wir uns auf kommende zwölf Monate Ängste, Pienzigkeit, Psychose und Anschluss-Probleme in allen Lebensbereichen vor. Was machen wir mit dem End-20-jährigen, der zwei Jahre nicht weggehen konnte, um eine Frau kennenzulernen? Wie erklären wir Studenten im 3. Semester, wie man „in Präsenz“ studiert? Was ist mit den Pubertierenden, die in zwei Jahren keinen ersten Kuss, keine erste Party, kein erstes Bier hatten? Tradierte Muster brechen weg, ohne dass wir den Versuch unternehmen, sie zu bewahren. Und dabei rede ich noch garnicht von dem Mitarbeiter, der sich im Heimbüro eingerichtet hat. Was macht das mit der sozialen Bindung zwischen Mitarbeitern, wie agieren Gewerkschaften in Zukunft, wie bündelt man Arbeitnehmerinteressen? Ach, das große Schweigen erklärt doch, wessen Interessen hier vertreten werden.

Und die Magie? Jene Kolleginnen und Kollegen, die ich hier „auf dem Schirm“ habe, verstecken sich in Erdlöchern und warten ab. Die weiseste Entscheidung, vermute ich, wenn man nichts zu sagen oder schreiben hat. Weiterzuschreiben war in den letzten 12 Monaten für mich nicht immer einfach, aber da ist meine Rolle offensichtlich eine andere als die mancher anderer „wichtiger“ Heiler, Schamanen, Seidh-Leser, Spakona, Hexen und so weiter. Wer vorher (also: vor dem Pandemiegeschehen) keine Skrupel hatte, Scheidung, Krebs, Kinderlosigkeit, Schizophrenie oder schlechtes Fernsehprogramm mit magischen kostenpflichtigen Angeboten jeder Provenienz zu heilen schweigt in Angesicht eines Virus – oder erklärt einfach, dass es keinen Virus gibt, was den Handlungsbedarf klar auf null senkt.

„Schwarze Pest! Quatsch. Wird total überschätzt.“ Auch ein Geschäftsgebaren, aber keines, das ich teile.

Lieber weiter reden und Dinge tun, als zu schweigen und keine Dinge zu tun. Am Ende des Tages schaut man auf das Tagwerk zurück. Wer schweißbedeckt heimkommt und sich Mühe gegeben hat, der wird mehr Ernte einbringen als jener, der auf der Bank saß, weil es sowieso keinen Sinn hat (und dann ist es egal, ob er glaubt, dass es gar keine Ernte gibt oder dass Ernte überschätzt wird).

Wenn ich am Ende dieses, meines heidnischen Jahres zurückschaue, das sehr anstrengend war, bin ich zufrieden. Mehr kann man nicht verlangen. Alles fließt.

 

Zum Abschluss des Jahres ein Liedzitat aus dem Jahr 1970:

„Can you pass the Rorschach test?

It’s a hassle, it’s an educated guess

Well, frankly I couldn't care less”

Aus „This is Not a Song It’s an Outburst: Or, The Establishment Blues” von Rodriguez.

 

In diesem Sinne, Dein Homo Magi


 

Carlos Rasch ist tot

https://trauer.moz.de/MEDIASERVER/content/LH55/obi_new/2021_2/Carlos-Rasch-Traueranzeige-eaee5b7c-eabe-4dd7-a601-1e41bd2418c5.jpg

Als ich in den 80er Jahren als SF-Fan ein wenig bekannter wurde, wurde ich gefragt, ob ich im Rahmen eines „Betreuungsprogramms“ auch einen DDR-Autoren übernehmen würde. Ich gebe gerne zu: Bis dahin war mein Konsum an ostdeutscher Science Fiction Null, aber wir hatten keine Verwandten „im Osten“, waren also von der jährlichen Paketsendemanie zu Weihnachten befreit und damit auch von den Antwortpaketen mit Dingen, die man im Westen nicht brauchte (es gab eine Ausnahme und damit Zugang zu Ost-Musik, aber das gehört nicht hierher).

Textfeld: Abbildung 1: Todesanzeige nach https://trauer.moz.de/traueranzeige/carlos-rasch; 12.05.21Irgendwie reizte mich aber das Angebot – und ich fand das politisch interessant, legal Kontakt mit dem Osten zu bekommen.

Ich weiß nicht, warum – aber man teilte mir Carlos Rasch zu. Dieser war 33 Jahre älter als ich, ich hatte noch nie von ihm gehört und jetzt war ich sein „Westpartner“. Viele Jahrzehnte später erfuhr er, dass er unter Pseudonym auch in „Terra Astra“ etc. publiziert hatte. Seine „Terra Nova“-Beiträge hatte ich übersehen, aber immerhin schickte er mir in einer der ersten Buchpakete „Asteroidenjäger“ und „Magma am Himmel“, beide mit einer netten Widmung. Ich erhielt also alle drei Monate ein Paket mit DDR-SF, dafür suchte ich nach seinen manchmal anstrengenden Suchlisten West-SF zusammen, die ich ihm schickte. Sein Lesegeschmack war erratisch, aber nach vielen Gesprächen mit DDR-Fans vermute ich einfach, dass er eine Menge Leute um sich herum mitversorgt hat, wenn er aus dem Westen ein Paket bekam. Von daher ist sein Lesehunger im Nachhinein nachvollziehbar.

Seine Bücher waren nett, aber nicht mitreißend. Es brauchte bei mir viele Jahre mehr Zeit, bis ich einzelne Autoren der DDR-SF würdigen konnte. Aber ein Rasch steht noch hinter mir im Regal, als Erinnerung.

Neben dem Austausch von Wunschlisten entwickelte sich ein netter Briefkontakt. Der wurde zu einer Art SF-Onkel im Osten. Natürlich konnten wir wenig über Politik austauschen, aber ich erfuhr etwas über sein Leben, über seine Familie, über die Arbeit als Schriftsteller – und erntete dafür Lebensberatung, lustige Schwänke aus dem Osten und Briefe auf unfassbar schlechtem Briefpapier.

Nach dem Fall der Mauer begannen für ihn Jahre der Sinnkrise und schriftstellerischen Bedeutungslosigkeit. Unser Kontakt brach ab – sicher auch, weil unsere Leben sich total auseinanderentwickelten.

Viele Jahre später erzählte man mir bei vertraulichen Gesprächen „hinter vorgehaltener Hand“, Carlos Rasch hätte für die Staatssicherheit gearbeitet und über seine Westkontakte Berichte abgeliefert. Das ließ mich nicht ruhen und ich wollte Bescheid wissen. Ich forderte also meine Stasi-Unterlagen an: Nichts.

Soviel Ehrenrettung bin ich meinem alten Brieffreund mindestens schuldig, der im Januar mit fast 89 Jahren verstarb.


 

Die letzte Fahrt des alten Nekromanten

Bernd „Bello“ Winter gewidmet

 

Der Feuerball, der uns’re Reihen streifte,

macht dich nicht bang, nur ein neues Feuermal.

Ein Brandloch – rund, wie die von deinen Kippen,

mit Tabakkrümeln Muster bildend ohne Zahl.

Du warst der Bär, ein Teddy, der gern brummte,

in Pannesamt, das lila dominiert.

Du lachtest gern, mit deiner Brummbassstimme,

die große Seele, die ein Bart verziert.

 

Als Nekromant warst du die Kampfmaschine,

die nur gekämpft, wenn Freunde in Gefahr.

Ein Feuerball mit Schoko und Vanille,

geballte Macht, doch jedes Bösen bar.

Du bist für mich die Jugend, die gegangen,

mit Zauberstab, Geheimtür, Heilungstrank.

Doch Narnia gleich, bleibst du, wie alle Träume,

stets doch bei mir, in meiner Lieder Schrank.

 

Bis an den Bord mit Blüten vollgeladen,

so liegt der Kahn im kohleschwarzen Fluss.

Doch rings umher, da schwimmen tausend Kerzen,

auf Palmenblättern, ein letzter Abschiedsgruß.

Die letzte Fahrt des alten Nekromanten,

von Licht umarmt die Fahrt in Dunkelheit.

Den Fluss hinab, wir anderen steh’n am Ufer,

und fahr‘n doch selbst auf einem Fluss der Zeit.

 

Mal doch auf den Nebelflächen

 

Mal doch auf den Nebelflächen

deines Starken Geistes Bilder –

Fetzen, Schlieren, Wolken, Fäden

Dreh‘n sich, treiben‘s immer wilder.

 

Bildet aus den grauen Massen

Türme, Mauern, Tore, Scharten,

die diffus und ungestalt

auf des Lenkers Willen warten.

 

Baut man eine Zwergenhöhle,

oder hohe Elfenhallen?

Würden Drachen hohe Klippen,

Klüfte, Canyons gar gefallen?

 

Doch am Ende bleibt das Träumen,

wem diese Stätten wohl gefallen.

Und ich bau als grauem Schweben

für die Holde Ostwestfalen.


 

Per Post aus Spanien

 

Per Post aus Spanien bekam Homo Magi zwei Bücher zum Besprechen zugeschickt. Kein Scherz, da lag ein kurzer Brief bei: „anbei schicke ich Ihnen zwei kleine Arbeiten, die ich in letzter Zeit übersetzt habe, und würde mich freuen, wenn Sie bei Gelegenheit auf Ihrer Seite darauf hinweisen könnten.“

Mir darf man fast immer Bücher phantastischen Inhalts schicken, also auch hier.

 

Manuel Romero de Terreros y Vinent

„Das Bronzetor – Fantastische Erzählungen”, o.J. Norderstedt (Books on Demand)

(„La puerta de bronce y otros cuentos”, 1922)

Aus dem Spanischen übersetzt von Detlef Eberwein

 

Nicht zu wissen, wer der Autor ist, scheint verzeihbar. Geboren 1880, gestorben 1968 gibt es – neben einigen Theaterstücken – nur diese Erzählungen als Werk. Dabei ist das schade, denn in einem Teil der Geschichten gelingt es ihm, eine Atmosphäre aufzubauen, die an Meyrink oder Perutz erinnert.

Dazu kommt, dass der Hintergrund der mexikanischen Geschichte unfassbar viel zum Lokalkolorit beiträgt. Besonders in „Der Papagei des Huitzilopochtli“, der letzten im Band abgedruckten Geschichte, taucht man tief in die magische Vorzeit ab. Mit „Der Truhe“ bewegen wir uns dann im Übergang zur Neuzeit – Mexiko zwischen Unvernunft und Vernunft, wenn man das so banal sagen darf.

Andere Geschichten behandeln mehr menschliche Schrecken – die Abgründe der menschlichen Seele sind hier Auslöser, nicht uralte, furchterregende Geheimnisse. Dies gilt für „Das Bronzetor“ und „Ein praktisch denkender Mensch“. Die stärkste dieser Erzählungen ist in dieser Gruppe „Die Schachspieler“ – ohne kosmischen Schrecken a la Cthulhu auskommend, aber fesselnd und gut geschrieben. Gleich danach kommt „Der Beruf des Reporters“ – ein paar Tentakel dazu und die Geschichte könnte in Lovecrafts Kosmos unterkommen.

Eine schöne Parodie auf die Versprechungen der Homöopathie ist „Similia similibus“ – besonders wirkungsvoll deswegen, weil man sie in diesem Kontext nicht erwartet.

 

Insgesamt eine sehr schöne, kurzweilig zu lesende Sammlung. Zwei winzige Anmerkungen: Bei den Fußnoten fehlt der Hinweis darauf, ob der Übersetzer sie eingefügt hat (wovon ich ausgehe) und es fehlt das Erscheinungsjahr. Aber dafür hat man einen netten Nachmittag mit schönen Geschichten gewonnen.

 

José Moselli

„Illas Ende“, 2020, Norderstedt (Books on Demand)

(„La fin d’Illa“, 1925)

Aus dem Französischen von Detlef Eberwein

 

Dieser Band nimmt als utopische Warnung vieles vorweg, was wenige Jahre später in Deutschland tatsächlich geschah. Eingekleidet in einen utopischen Rahmen – dieses Mal ist es der Fund von Resten des Atlantis-ähnlichen Staates auf einer Insel im Atlantik im Jahre 1875. Das gefundene Fragment und die Überreste der Hochzivilisation führen nur zur Vernichtung – der Finder erblindet, die Schiffsmannschaft wird in alle Winde zerstreut und es dauert Jahre, bis das Manuskript übersetzt werden kann – aber der leichtfertige Umgang mit einem Fundstück führt zum Erdbeben in San Francisco 1906.

Einiges wird unangenehm anachronistisch – so die Affenmenschen, „Abkömmlinge von Negern“ (S. 22), aber die Handlung ist ein Streiflicht auf das Verstehen in hellen Geistern jener Zeit, die das Aufkommen von totalitären Regimen am Horizont sahen.

Inhaltlich ist die Geschichte nett zu lesen, aber sie hebt sich nicht vom Phantastik-Umfeld jener Zeit ab, bleibt interessant zu lesen, dabei seltsam „blutleer“.

Trotzdem: Eine Leseüberraschung, die erfreut.


 

Runen – Geschichte und Mythos einer rätselhaften Schrift

 

Ulrich Magin

„Runen – Geschichte und Mythos einer rätselhaften Schrift“

Hamburg, 2021

197 Seiten

 

Ich bin mit kleinen Dingen glücklich zu machen, wenn es um Sachbücher geht: Es sollte nachvollziehbar aufgebaut sein, lesbar geschrieben sein und über ein vernünftiges Lektorat verfügen. Als Bonus kommen dann noch zum Test passende Illustrationen und ein verwendbares Literaturverzeichnis dazu. Vorab kann man sagen, dass Magin hier meist mit Bestnoten abschließt. Beim Literaturverzeichnis sind mir Fußnoten immer lieber als ein Anmerkungsapparat, aber das ist eine Geschmackssache und mindert den Lesegenuss nur kaum (und dann wohl nur für mich). Dazu kommt, dass er irrsinnig belesen und ist seinen sprachlich schönen Text mit Hinweisen auf Literatur und Gedichte „aufhübscht“.

Das Buch enthält fünf längere Kapitel: „Grundlagen“, „Die Runenreihen“, „Fundarten“, „Runensteine“ und „Runen bis heute“. Schon der erste Satz der Einleitung legt die Gangart fest: „Wer sich mit Runen beschäftigt, begibt sich auf gefährliches Terrain, wenn nicht sogar auf Glatteis (…).“[86] Und: „Dieses Buch kann und will keine wissenschaftliche Abhandlung über Runen sein (…).“[87] Magin beschreibt sich selbst als „interessierter Laie“[88], aber – das sei vorweg gesagt – es gelingt ihm, eine gut zu lesende Übersicht zu verfassen, die auch mich immer wieder mit neuen Informationen versorgt. Dabei vermeidet er die üblichen Fallstricke der „völkischen“ Autoren. So äußert er über die Germanen: „Es gab nie ein Volk, dass sich als Germanen bezeichnete und als Teil einer größten [sic] Völkerschaft verstand oder sich gar national als Germane empfand.“[89] Und er ist in der Lage, zwischen naiver Forscherfreunde und völkischen und/oder rassistischen Ansätzen zu unterscheiden.[90]

Er erklärt die Runenreihen nachvollziehbar, wobei er leider den unseligen Lauch erwähnt, von dem ich gehofft hatte, dass er nie wieder erwähnt wird.[91] Immerhin führt das im dritten Kapitel dann zu dem schönen Zitat „Dein Frifridil, der das Glied hat. Du, die die Vulva hat, nimm mich in dich auf! – Lauch – Lauch.“[92]

Mit einigen Äußerungen wird er sicherlich in der „heidnischen Community“ Widerspruch auslösen, aber das ist auch gut so. So schreibt er über Runenorakel: „Moderne, vor allem esoterische Runenbücher handeln deshalb vor allem von Runenorakeln. Dafür gibt es keinen einzigen zeitgenössischen Beleg.“[93]

Bei dem Kapitel zu den Fundarten spannt er einen weiten, historischen Bogen der – auch wegen der guten Illustrationen – kurzweilig bleibt.

Die Abhandlung über die Runensteine nutzt er erneut zu einer klaren Absage gegen rechtsextreme Gesinnungen: „Runen raunen nicht von germanischer Reinheit, sondern von Völkervermischung und kultureller Vielfalt.“[94] Sehr gut ist seine klare Darstellung zu Jacques de Mahieu, den er – richtig – als ehemaligen SS-Mann mit entsprechendem Nachkriegs-Umfeld identifiziert.[95]

Am interessantesten war für mich das Schlusskapitel „Runen bis heute“. So geht er auf „Irrungen und Fälschungen“ ein, wobei er natürlich als nächsten Unterpunkt die Esoterik abarbeitet. Aber auch hier spricht er weise, nicht abwertend: „(…) aber die Qualität einer spirituellen Praxis ermisst sich nicht an ihrem Alter.“[96] Er verweist auch auf das Gummibärchenorakel und andere Praktiken, ohne dabei Gift und Galle zu spucken.[97] Unvermittelt stößt man dann im Text auf Sätze wie diese, die vielleicht dazu geeignet sind, verbohrte Hirne alleine durch Sprachmacht zu erreichen: „Die urgermanischen Nebel, mit denen völkische Denker und moderne Esoteriker die germanischen Buchstaben zuwabern, sind Täuschungsmanöver. Sie verhüllen nichts Heiliges, sie vernebeln den Sinn.“[98]

Um Phantastik-Fans wie mich zu begeistern schafft er am Ende noch die Kurze über Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, J. R. R. Tolkien, „Frozen“ und Bluetooth.[99]

 

Insgesamt ein lohnendes Leseerlebnis und eine klare Kaufempfehlung.

 

Hermann Ritter



[1] Z.B. hier zu sehen: https://static.euronews.com/articles/stories/05/26/08/08/808x539_cmsv2_fb0c9daf-95ca-59f6-8b80-0864795c3209-5260808.jpg; 09.01.2021

[2] https://www.rtl.de/cms/washington-qanon-schamane-im-kapitol-was-ueber-den-verschwoerungstheoretiker-bekannt-ist-4680141.html; 09.01.2021

[3] https://dasversteckspiel.de/die-symbolwelt/germanentum-und-heidentum/valknut-wotansknoten-183.html; 09.01.2011

[4] https://observers.france24.com/en/americas/20210108-white-supremacist-symbols-us-capitol; 09.01.2021

[5] ebenda

[6] ebenda

[7] ebenda; zur Flagge und dem NS-Bezug siehe die Grafik unter https://nazioneoscura.wordpress.com/2018/03/04/la-nazione-oscura-caotica-non-riconosce-il-kekistan/; 09.01.2021

[8] ebenda

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Captain_Marvel_(DC_Comics)#Shazam; 18.01.2021

[10] Kunze, Klaus „Die mörderische Macht der Moralisten – Im Würgegriff der Gutmenschen“, Die Deutschen Konservativen e.V., 2020

[11] Kunze, S. 51 (nicht nummeriert)

[12] Ebenda, S. 8

[13] Ebenda, S. 14

[14] Isegrim „Ydalir“, Kalletal, 2020; 230 Seiten

[15] S. 54; Hervorhebung im Original

[16] S. 105

[17] S. 99

[18] https://en.wikipedia.org/wiki/Night_of_the_Demon; 03.02.2021

[19] ebenda

[20] „Night of the Demon“, 00:46:41

[21] www.nw.de/lokal/kreis_lippe/oerlinghausen/22946097_Ein-bisschen-wie-Dr.-Doolitle.html; 03.02.2021

[22] ebenda

[23] www.gwup.org/who-is-who/913-hund-wolfgang; 03.02.2021

[24] https://tierkommunikation-telepathie.de/was-ist-tierkommunikation/; 03.02.2021

[25] www.tierkommunikation-bundesverband.de/tierkommunikation-bundesverband/tierkommunikation.html; 03.02.2021

[26] www.vorwaerts-buchhandlung.de/antiq_artikel.php?klick=6100&ea=100&id_art=2196&VK=10.00 (01.03.2021)

[27] www.fes.de/adsd50/mandolinenbild (01.03.2021)

[28] ebenda

[29] ebenda

[30] Der Plan findet sich auf der o.g. Homepage.

[31] ebenda; der Standort heute: www.forstfrieden.de (01.03.2021)

[32] Wer es nicht glauben mag: www.zeit.de/kultur/2021-03/ns-vergangenheit-nazihintergrund-she-said-buchladen-emilia-von-senger (29.03.2021)

[33] Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Sesamstra%C3%9Fe#Schauspieler_in_der_deutschen_Sesamstra%C3%9Fe; 06.04.21

[34] https://de.wikipedia.org/wiki/Der_l%C3%BCsterne_T%C3%BCrke; 06.04.21

[35] https://de.wikipedia.org/wiki/Die_goldene_Banane_von_Bad_Porno; 06.04.21

[36] Ich weise darauf hin, dass es hier nicht darum ging, dass ich das Vertrauen in die Zustellung verloren habe, ich habe also nicht aufgegeben, sondern Pakete aufgegeben.

[37] https://de.wikipedia.org/wiki/Ira_Levin; 18.04.21

[38] https://de.wikipedia.org/wiki/Jim_Steinman; 09.05.2021

[39] https://de.wikipedia.org/wiki/Bay_City_Rollers; 09.05.2021

[40] Wagner, S. 145

[41] Nach Wagner, S. 73

[42] … gefunden hat es meine Frau; Ehre, wem Ehre gebührt.

[43] www.naturheilzentrum-gangkofen.com/; 30.05.2021

[44] Vgl. https://genwiki.genealogy.net/Verwandtschaftsgrad; 24.06.2021

[45] Zur Stellenanzeige siehe https://karriere.bielefeld.de/Sachbearbeiterin-Passersatzpapierbeschaffung-de-j1468.html; 03.07.2021

[46] ebenda

[47] Vgl. https://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/beamte/nw?id=beamte-nrw-2020&matrix=1; 03.07.2021

[48] Fischer, S. 46

[49] www.orgon.de/gespr%C3%A4che-mit-wilhelm-reich/; 04.07.2021

[50] ebenda

[51] ebenda

[52] https://de.wikipedia.org/wiki/Radionik; 04.07.2021 (Unterstreichungen etc. entfernt)

[53] Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Frl._Menke; 08.07.2021

[54] Siehe https://archive.org/details/TeutonicMythAndLegendintroductionToEddasAndSagas-Continuous; 11.07.2021

[55] Mackenzie, S. XXIX f.

[56] Ebenda, S. 8

[57] Ebenda, S. 147 f.

[58] Siehe www.hermannritter.de/index.php?title=Hermann_Ritter_I

[59] Siehe www.hermannritter.de/index.php?title=Gesamtwerk_Urgro%C3%9Fvater

[60] Unveränderter Text von https://dieedda.de/voeluspa-der-seherin-ausspruch/; 18.07.2021

[61] www.gldenebulle.com/uber-mich; 21.07.2021; Blockschrift im Original

[62] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle; 21.07.2021

[63] www.gldenebulle.com/uber-mich; 21.07.2021; Hervorhebung im Original

[64] Ebenda; Hervorhebung im Original

[65] dito

[66] dito

[67] dito

[68] www.gldenebulle.com/; 21.07.2021

[69] www.gldenebulle.com/shop; 21.07.2021

[70] www.gldenebulle.com/uber-mich; 21.07.2021

[71] https://en.wikipedia.org/wiki/Dandelion_Wine; 21.07.2021

[72] https://de.wikipedia.org/wiki/Gew%C3%B6hnlicher_L%C3%B6wenzahn; 21.07.2021

[73] https://de.punchalo.com/6267-dandelion-wine-photos-benefits-taste-reviews; 21.07.2021

[74] Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_von_Rezzori; 31.08.2021

[75] https://genius.com/Randy-newman-old-kentucky-home-lyrics; 11.09.2021

[76] https://de.wikipedia.org/wiki/Die_tollk%C3%BChne_Hexe_in_ihrem_fliegenden_Bett#Hintergrund; 18.09.2021

[77] ebenda

[78] ebenda

[79] www.trickfilmstimmen.de/music/movies/bedknobs/bedknobs-t-d.htm; 18.09.2021

[80] https://en.wikipedia.org/wiki/Substitutiary_Locomotion; 18.09.2021; wer es gesungen hören möchte: www.youtube.com/watch?v=XRO6ihL2h0k (18.09.2021)

[81] https://de.wikipedia.org/wiki/Alpaka; 23.09.2021

[82] www.lz.de/lippe/barntrup/23091630_Alpaka-Yoga-Sonnengruss-zwischen-lockigen-Maehnen.html; 23.09.2021

[83] Marcell Heinrich & Mitch Senf „#Education for Future“, München, 2020²

[84] Heinrich & Senf, S. 315

[85] ebenda

[86] Magin, S. 7

[87] ebenda

[88] ebenda

[89] Magin, S. 13

[90] Vgl. Magin, S. 15

[91] Vgl. Magin, S. 39 und S. 44

[92] Magin, S. 90; für die bessere Lesbarkeit wurden die eckigen Klammer der Ergänzung im Zitat weggelsasen.

[93] Magin, S. 73

[94] Magin, S. 129

[95] Vgl. Magin, S. 167

[96] Magin, S. 175

[97] Vgl. Magin, S. 179

[98] Magin, S. 179

[99] Vgl. Magin, S. 184 ff.

 

 

 

 


 

 

 


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