Homo Magi Schreibfehler für 15.02.2026 |
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Hallo Salamander,
da fand ich eine Broschüre mit Informationen zu der Frage, die man
Menschen mit Behinderungen bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt
hilft.[1]
Fand ich eine schöne Idee, bis ich einen zweiten Blick investierte.
Dann hatte ich doch einige Kritikpunkte und schrieb eine E-Mail an das
zuständige Ministerium:
„(…) nicht nur, dass ich mich als Behinderter mit entsprechender
Problemlage im Titelbild der o.g. Broschüre kaum wiedererkenne, auch
widersprecht die Titelgrafik (Frau in offensichtlich wissenschaftlichem
Beruf, hochqualifiziert, im Rollstuhl) auch meinen praktischen Beratungs-
und Umsetzungs-Erfahrungen aus immerhin fast 40 Jahren Sozialarbeit.
Dazu kommt, dass ich es ausgesprochen peinlich finde, dass diese
Hochglanzpapier-Flyer den Titel »Mit Unterstüzter Beschäftigung auf den
allgemeinen Arbeitsmarkt« tragen – zwei fette Tippfehler in einem Titel
einer Broschüre für Menschen mit Behinderungen. Ich habe mit meinen
Kolleginnen gesprochen und gebeten, diesen Flyer aus genannten Gründen
nicht in der Beratung zu verwenden, damit ich mich nicht allzu sehr
fremdschämen muss.“
Dankenswerterweise erhielt ich in der Antwort-E-Mail den ganzen Verlauf
der E-Mail-Kommunikation. Erst wird meine Anfrage kommentarlos an einen
externen Dienstleister weitergeleitet:
Von:
BPA Publikationen <publikationen@bpa.bund.de>
(…)
An:
publikationen.bundesregierung@ibro.de
Betreff:
Wg: A 389 (Januar 2025)
Ibro (www.ibro.de) ist ein externer Dienstleister, wie ein schneller Blick
ins Internet ergab. Von Ibro aus geht meine Anfrage wieder zurück an das
Ministerium:
Von:
BPA Mail <BPA.Mail@IBRo.de>
(…)
[hier habe ich eine personalisierte Adresse entfernt, HR]
Cc:
KS3 BMAS KS3@bmas.bund.de
Betreff:
OS - BMAS - Info - A 389 (Januar 2025)
Und wie heißt es da so schön:
„Guten Tag,
anbei eine Info vom Kunden.
Vielen Dank im Voraus.
Bitte fügen Sie bei einer Antwort immer den gesamten Schriftverlauf bei.
Mit freundlichen Grüßen
Team IBRo
Service im Auftrag der Bundesregierung“
Jetzt ist meine Anfrage also wieder beim Ministerium und ich erhalte auch
Antwort (dieses Mal mit „BPA.Mail@IBRo.de“ im cc):
(…) vielen Dank für Ihre Rückmeldungen!
Als für den Flyer Mitverantwortliche möchte ich Ihnen hier gerne
antworten.
Sie bemängeln, dass die abgebildete Frau in einem offensichtlich
wissenschaftlichen Beruf arbeitet und dass dies nicht Ihren Erfahrungen
entspricht.
Ich pflichte Ihnen bei, dieses Titelbild bildet nicht die Wirklichkeit des
Großteils der Behinderten ab. Aber es ist eine Illustration, die dieses
gar nicht für sich in Anspruch nehmen kann. Es ist ein Beispiel für eine
Lebenssituation – eine Frau, die im Rollstuhl sitzend arbeitet – und lässt
unzählige weitere Lebens-/Arbeitssituationen aus. Meiner
Arbeitswirklichkeit kommt diese Illustration nahe. Das war zwar nicht
meine Intension, eine Situation darzustellen, die meiner ähnelt, aber es
hat sich so ergeben und schämen tue ich mich dafür nicht.
Wir verwenden für den Flyer ein einfaches, dem Zweck entsprechend festes,
gestrichenes Papier. Das ist ein ganz normales Papier, das für solche
Zwecke verwendet wird.
Es handelt sich nicht um eine Werbebroschüre mit reißerischen
Papier-Effekten, sondern wir haben hier versucht, verständlich und
nachvollziehbar über die Unterstützte Beschäftigung zu informieren.
Da fehlt ein t bei »Unterstützter«, diesen Fehler hatten wir eigentlich
ausgebessert, doch im Nachdruck scheint hier der Fehler übersehen worden
zu sein. Vielen Dank, das ist ein wichtiger Hinweis und ich werde mich um
einen berichtigten Nachdruck kümmern.
Ich bedauere, dass Sie diesen Flyer nun nicht mehr verwenden können.
Nochmals vielen Dank für Ihre Hinweise!
Mit besten Grüßen
[Name entfernt, HR]
Referat KS 3
Information, Monitoring, Bürgerservice
Bundesministerium für Arbeit und Soziales“
Ich habe brav „danke“ gesagt bzw. geschrieben:[2]
„(…)
vielen Dank für Ihre Rückmeldung und ihre ehrlichen Worte zu ihrer
persönlichen Situation. Dafür meinen Dank.
Ebenso für die Erklärung zum fehlerhaften Nachdruck – ich hoffe dann auf
Zusendung eines korrigierten Exemplars … danke.
Ich bin ein wenig erstaunt, wie viele Menschen in eine solche Rückmeldung
einbezogen werden müssen – besonders was das Einbeziehen von externen und
internen E-Mail-Adressen betrifft, aber das ist dann wohl der übliche
Verwaltungsaufwand und sicher nicht ihre Intention (und nicht Intension).
Vielen Dank für den netten Austausch (…)“
Hätte ich gewusst, dass ich mit jeder Anfrage an das Ministerium
mindestens 5 Personen in Arbeit halte, dann wäre mir vorher klar gewesen,
wie das Konzept der unterstützten Beschäftigung bei dieser Verwaltung
aussieht …
Dein Homo Magi
[1] Der Flyer findet sich hier:
www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/a389-unterstuetzte-beschaeftigung.pdf?__blob=publicationFile&v=3
(29.01.2026); online ist
er inzwischen korrigiert (man kann es bei genauer Beobachtung aber
noch am falsch eingefügten „t‘“ erkennen).
[2] Für Besserwisserbären:
https://de.wikipedia.org/wiki/Extension_und_Intension und
https://de.wikipedia.org/wiki/Absicht (29.01.2026)
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