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Hallo
Salamander,
manchmal findet man an eigenartigen Orten Texte, die einen in ihrer Poesie
überraschen.
Bitteschön:
Diese Nacht, die eine Nacht,
jede Nacht und alle … Feuer und Hagel und Kerzenschein, Zerstörung
nimmt sie alle.
Schweifst du in dunkle Fernen jetzt, jede Nacht
und alle … Kommst du zum Ginstermoor zuletzt, Zerstörung nimmt euch
alle.
Gabst Fremden Dach und Feuers Schein, jede Nacht und alle
… Nun gehst du bei dem stehend Stein, Verderben schlägt uns alle.
Der stehend Stein bleibt hinter dir, jede Nacht und alle … In
leere Luft kommst bald herfür, Verderben schlägt uns alle.
Hast
du die leere Luft passiert, jede Nacht und alle … Zu Allemanns Ende
dein Weg dich führt, der Tod, er trifft uns alle.
Und wenn du
hängst an Dingen dein, jede Nacht und alle … Zum Ende kannst du
nicht hinein, der Tod, er trifft uns alle.
Hütest du aber nichts
auf Erden, jede Nacht und alle … So sollst du eingelassen werden,
dass kein Verderben dich befalle.
Das klingt doch wie der Teil einer Beschwörung. Auch der erklärende
Text dazu im Roman lässt das vermuten:
Es wäre zu erwarten
gewesen, dass er nicht wusste, was sie sangen, aber er erkannte es. Von wo
oder wie ihm die Erkenntnis kam, vermochte er in diesem (…) Augenblick
nicht zu sagen, aber es war eine etwas veränderte Version eines der alten
schottischen Totengesänge, die während der Totenwache gesungen wurden,
wenn der Leichnam mit einer Schale voll Salz auf der Brust unter dem Tisch
lag. Die Wurzeln des Rituals waren älter als das Christentum und reichten
zurück zu den alten Kelten, in eine Zeit, als kleinwüchsige, dunkelhaarige
Menschen in den Wäldern beisammenkauerten, um ihre toten Angehörigen in
den ersten Nächten nach ihrem Hinscheiden mit ihrem Gesang auf dem Weg ins
Schattenreich zu geleiten. Und die Fassung (…) hatte nichts von den
feierlichen Formen, die das siebzehnte Jahrhundert dafür gefunden hatte,
sondern war wieder dem rauen, atonalen Gesang der ursprünglichen
Primitiven angenähert, kalt wie glitzernde Steine und schonungslos wie der
Wind, der über sie hinwegfegte.
Großartig, oder?
Ich sehe schon ein Ritual, bei der
Fackelträger im Kreis laufen und „jede Nacht und alle“ intonieren.
Schöne Worte … und ein gutes Buch,
online für kleines Geld zu erwerben und sehr unterhaltsam. Ehrlich.
Dein Homo Magi
Gordon R. Dickson „Nichts
für Menschen“, S. 66 ff. (Zeilen aus dem Text gezogen und vom
Format her angepasst)
Gordon R. Dickson „Nichts
für Menschen“, Heyne Science Fiction Classics 3656, München, 1979
(Org. 1962 „No room for man“, auch „Necromancer“)
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Kolumnen



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